Die Anforderungen an den Maschinenbau verändern sich rasant. Kunden erwarten heute nicht nur leistungsfähige Anlagen, sondern auch digitale Services, die Transparenz schaffen, Ausfallzeiten reduzieren und somit den Betrieb letztlich effizienter machen. Für die Albrecht Bäumer GmbH, ein traditionsreiches Familienunternehmen aus Freudenberg im Siegerland und Weltmarktführer für Schneid- und Automatisierungslösungen in der Schaumstoffverarbeitung, war das der Ausgangspunkt, um die eigene Servicearchitektur grundlegend neu zu denken.
Das Unternehmen betreut heute mehr als 6.000 Maschinen in über 100 Ländern. Mit rund 370 Mitarbeitenden, einer Exportquote von über 75 % und einem jährlichen Ausstoß von rund 150 Anlagen zählt Bäumer zu den Technologieführern seiner Branche.
Mit der Einführung der IXON Cloud wandelte sich die klassische Fernwartung zu einem strategischen Kundenportal: von Remote Access und Condition Monitoring bis hin zu einem umfassenden Serviceangebot, das unter dem Namen SophieAccess als White-Label-Lösung betrieben wird. Heute ist die Plattform für Bäumer mehr als ein technisches Werkzeug – sie ist der zentrale Zugangspunkt zu allen digitalen Dienstleistungen und zugleich ein Schlüsselfaktor in der langfristigen Digitalisierungsstrategie.
Die Herausforderung: Mangelnde Transparenz bei Altmaschinen
Wie viele Maschinenbauer stand Bäumer vor mehreren strukturellen Herausforderungen. Das Serviceteam umfasste rund 30 Mitarbeitende, aufgeteilt in Hotline und Second-Level-Support. Trotz dieser Struktur mussten wöchentlich zwei bis drei Vor-Ort-Einsätze eingeplant werden, wenn Maschinen stillstanden. Denn ein Großteil der installierten Maschinen war mit älteren Steuerungen wie Profibus ausgestattet. Diese Systeme ließen sich nur schwer in moderne Fernwartungs- und Monitoring-Lösungen integrieren.
Ein weiteres Problem: die fehlende Transparenz. Interne Annahmen über die Auslastung der Maschinen stellten sich als trügerisch heraus. Erst eine saubere Datenerfassung offenbarte, dass die tatsächliche Betriebszeit bei lediglich rund 60 Prozent lag – ein Wert, der ohne digitale Messung verborgen geblieben wäre. Zudem waren Serviceanfragen, Ersatzteilbestellungen und Dokumentationen bislang nicht miteinander verknüpft. Kunden hatten daher keinen zentralen Einstiegspunkt für ihre Anliegen, und Support-Mitarbeiter mussten Informationen aus unterschiedlichen Systemen zusammensuchen.
Die zuvor eingesetzte Lösung konnte die Erwartungen bei Bäumer nicht erfüllen. Insbesondere fehlte eine stabile, zukunftssichere Plattform, die Service und Digitalisierung gleichermaßen unterstützt. Dazu kam der strategische Anspruch, dass die Digitalisierung nicht nur technische Abläufe verbessern, sondern auch ein klares Signal an die Kunden senden sollte, dass Bäumer Innovation ernst nimmt.
Herausforderungen im Überblick:
- Altbestand im Feld
- Fehlende Transparenz
- Fragmentierte Prozesse
- Unzufriedenheit mit bisherigen Lösungen
Die Lösung: IXON Cloud als zentrales Service-Ökosystem
Die Entscheidung fiel auf die IXON Cloud Enterprise, die bei Bäumer Schritt für Schritt zur Drehscheibe aller digitalen Services ausgebaut wurde. Der Kontakt zu IXON entstand durch eine Empfehlung eines anderen Maschinenbauers, der bereits positive Erfahrungen mit der Cloud-Lösung gesammelt hatte. Ausschlaggebend waren Faktoren wie ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis ohne hohe Anfangsinvestitionen, die standardisierte Web-Lösung mit regelmäßigen Updates, der proaktive Support von IXON sowie die offene Architektur mit MQTT-Anbindung und integrierten VPN-Routern.
Über die IXON Cloud können Anwenderinnen und Anwender in kürzester Zeit auf Maschinen weltweit zugreifen. Parallel dazu sorgt das Condition Monitoring für Echtzeitinformationen zu Auslastung, Leistung und Verfügbarkeit. Kunden erhalten direkte Benachrichtigungen, beispielsweise wenn Messer an Schneidemaschinen verschlissen sind – ein Problem, das sonst Stillstände verursachen würde.
Integration ins MES und White-Label-Portal
Ein entscheidender Schritt war die Anbindung der IXON Cloud an das interne Manufacturing Execution System (MES) von Bäumer. Dank Kalkulationen auf dem Edge und lokaler Datenweitergabe fließen Maschinendaten nahtlos in die Produktionsplanung ein.
SophieAccess fungiert als Single Point of Entry, von dem aus Kundinnen und Kunden sämtliche digitalen Dienste erreichen: Ersatzteil-Shop, Ticketportal, Retrofit-Angebote, Dokumentationen oder den Maschinenkonfigurator.
Saubere Datenbasis als Gamechanger
Ein wesentlicher Vorteil der neuen Architektur ist die Qualität der erfassten Daten. Frühere Probleme, etwa fehlerhafte Timer-Einstellungen in SPS-Programmen, werden durch die IXON Cloud erstmals sichtbar. Diese Transparenz ermöglicht es, Prozessfehler schnell zu identifizieren und Korrekturmaßnahmen einzuleiten.
Technisches Herzstück ist der IXON-Router, ein industrielles Edge-Gateway, das sichere VPN-Verbindungen und Datentransfers in die Cloud ermöglicht. Er unterstützt gängige Protokolle wie OPC-UA, Modbus TCP oder Siemens S7 und verfügt über integrierte Sicherheitsmechanismen – darunter Firewall, Zertifikats-Management und die Möglichkeit, VPN-Verbindungen lokal zu deaktivieren.
Neben dem Fernzugriff übernimmt der Router auch die Erfassung, Zwischenspeicherung und Vorverarbeitung von Maschinendaten. So lassen sich Daten auch bei instabiler Internetverbindung sicher verarbeiten.
Visualisierung, Analyse und Erweiterbarkeit
In der IXON Cloud stehen aktuelle Daten in Echtzeit genauso wie historische Aufzeichnungen zur Verfügung. Anwender können Leistungskennzahlen in Dashboards verfolgen und individuell anpassen – dank einer No-Code-Schnittstelle, die keine Programmierkenntnisse erfordert. Die Plattform funktioniert intuitiv wie eine Smartphone-App und erfordert nur minimale Einarbeitung.
Außerdem ist sie offen und erweiterbar: Über eine REST-API lassen sich externe Anwendungen integrieren. Zudem erweitert der IXON Marketplace den Funktionsumfang um spezialisierte Apps.
Mit dem Secure Edge Pro (SEP) nutzt Bäumer Docker-Funktionalitäten, um künftig standardisierte Edge-Anwendungen ausrollen zu können. Erste Projekte im Bereich Predictive Maintenance – etwa die Prognose, wann Messer in Schneidemaschinen reißen – laufen bereits. Darüber hinaus denkt Bäumer über den Einsatz von Chatbots nach, um einfache Serviceanfragen automatisch vorzuqualifizieren.
Das Ergebnis: Höhere Transparenz und verbesserter Service
Die Einführung der IXON Cloud brachte für Bäumer und seine Kunden eine Vielzahl an messbaren Vorteilen. So wurde festgestellt, dass die tatsächliche technische Verfügbarkeit bei nur 60 % lag, obwohl zuvor höhere Werte angenommen worden waren. Durch die strukturierte Datenerfassung wurden zudem Probleme wie fehlerhafte Timer-Einstellungen, fehlende Uhrzeitsynchronisation und Bedienfehler erstmals sichtbar und konnten behoben werden.
Der Verbindungsaufbau zu SPS-Steuerungen verkürzte sich bei Baumer von fünf auf eine Minute. Die gesamte Fehlerdiagnose ist somit nun innerhalb weniger Minuten statt zuvor in mehreren Stunden möglich. Anwenderinnen und Anwender erhalten Alarme und Statusmeldungen in Echtzeit, wodurch Ausfallzeiten spürbar gesunken sind.
Über zusätzliche Sensoren lassen sich Energie- und Druckluftverbräuche pro Job erfassen. Diese Daten fließen automatisch in die IXON Cloud und ermöglichen Kunden, Verbrauch und Produktionskosten detailliert zu analysieren. Durch die bessere Planung von Serviceeinsätzen müssen Technikerinnen und Techniker zudem seltener reisen. Teure Zusatzlizenzen, die zuvor für Mess- und Analysezwecke notwendig waren, entfallen. Produktions- und Auslastungsdaten (OEE) stehen jederzeit zur Verfügung. Nutzerinnen und Nutzer können ihre Fertigungsprozesse bewerten und Investitionen fundierter planen.
Überdies sorgt das integrierte Ticketsystem für strukturierte Serviceprozesse und schnellere Reaktionszeiten. Anwender haben nur noch einen zentralen Zugangspunkt für alle Anliegen.
Proaktives statt reaktives Servicemodell
Mit Edge-Technologien und ersten KI-Anwendungen legt Bäumer die Basis für ein proaktives, langfristig sogar prädiktives Servicemodell. Zugleich fließen Erkenntnisse aus dem Betrieb direkt in die Produktentwicklung zurück.
Mit der IXON Cloud hat Albrecht Bäumer somit den Sprung vom reaktiven Service hin zu einem datengetriebenen, proaktiven Modell geschafft. Das Unternehmen profitiert von Effizienzgewinnen und Kosteneinsparungen, während Kunden eine nie dagewesene Transparenz über ihre Maschinen erhalten. Auf der Roadmap steht nun noch die Automatisierung: Das ERP-System soll für automatisiertes Vertragsmanagement vollständig integriert werden – von der Servicevertrags-Anlage über die Freischaltung nach Zahlung bis zur automatischen Abschaltung bei Kündigung. Auch Künstliche Intelligenz soll künftig die Arbeit erleichtern: So soll eine kleine KI-Anwendung für Predictive Maintenance implementiert werden – konkret die Vorhersage, wann Messer reißen werden.
IXON als langfristiger Digitalisierungspartner
Heute nutzen 230 registrierte Anwender – davon 50 interne und 180 Kundennutzer – die IXON Cloud. Über 727 Maschinen sind angebunden, knapp die Hälfte davon dauerhaft online. Zwischen November 2024 und Januar 2025 wurden mehr als 1.000 VPN-Sessions gezählt.
Gleichzeitig ist die Plattform ein sichtbares Signal für Innovation: SophieAccess bündelt alle digitalen Angebote in einer benutzerfreundlichen Oberfläche und macht Digitalisierung im Maschinenbau greifbar.
IXON ist dabei nicht nur Technologieanbieter, sondern langfristiger Partner in der Weiterentwicklung. Für Bäumer ist klar: Die Zukunft liegt in der Kombination aus Maschinenbau und digitalen Services – und die IXON Cloud ist dafür das entscheidende Bindeglied.
Ergebnisse im Überblick:
- Deutlich schnellerer Service
- Effizienzsteigerung und Kostensenkung
- Transparenz für Investitionsentscheidungen
- Verbesserter Support
- Grundlage für Innovation
