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Goodbye Schornstein – Fossilfreies Logistikzentrum mit IoT-basiertem Energiemanagement

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Lösungsbeispiel WAGO Sondershausen (Podcast)
5 Minuten Lesezeit
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„Wir haben nicht einfach eine Halle gebaut, sondern von Grund auf neu gedacht – mit einem Energiekonzept als Ausgangspunkt.“

Das neue Logistikzentrum von WAGO in Sondershausen (Thüringen) nutzt ein vollelektrisches Energiekonzept, das auf kontinuierlicher Datenerfassung und -steuerung basiert. Alle technischen Gewerke – von Photovoltaikanlage und Wärmepumpen über die Schichtspeicher-Hydraulik bis zur Gebäudeautomation – sind so ausgelegt, dass sie ohne fossile Brennstoffe auskommen und ihre Energieflüsse im Betrieb aufeinander abgestimmt werden können.

Anders als bei vielen Industriegebäuden wurde das Energiekonzept bereits in einer sehr frühen Planungsphase als Ausgangspunkt für sämtliche technischen Entscheidungen definiert. Architektur, Verfsorgungstechnik und Regelung wurden gemeinsam betrachtet, um Erzeugung und Verbrauch im laufenden Betrieb koordinieren zu können.

Die Herausforderung: Versorgungssicherheit und Energieeffizienz ohne fossile Brennstoffe

Sondershausen ist seit 1991 ein wichtiger Industriestandort und wächst kontinuierlich weiter. Mit der Erweiterung der Logistikkapazitäten steigen auch die Anforderungen an Energieversorgung und Gebäudetechnik. In einem vollelektrischen Logistikzentrum kommen mehrere Faktoren zusammen, die den Betrieb mit komplexen Lastprofilen prägen:

  • Dynamische Lastprofile durch Intralogistik, Fördertechnik und Gebäudebetrieb
  • Zusätzliche Verbraucher wie Ladeinfrastruktur für eine vollständig elektrifizierte Fahrzeugflotte
  • Regulatorische Anforderungen aus CO₂-Reduktionszielen, Science Based Targets und ESG-Reporting
  • Der Verzicht auf fossile Brennstoffe bei hoher Versorgungssicherheit

Temperaturregelung in Lager- und Kommissionierbereichen, variable Auslastung, saisonale Schwankungen und die Integration erneuerbarer Energieerzeugung führen zu hohen Anforderungen an ein abgestimmtes Zusammenspiel von Erzeugern und Verbrauchern. Eine Photovoltaikanlage mit volatil einspeisender Leistung macht eine abgestimmte Regelung erforderlich.

Auf Unternehmens- und Marktseite steigt zugleich der Druck, Energie effizient zu nutzen und Verbräuche transparent nachzuweisen. Studien wie die der Deutschen Energie-Agentur zeigen, dass durch ein strukturiertes Energiemanagementsystem Einsparpotenziale von bis zu 35 Prozent realisiert werden können — vorausgesetzt, Entscheidungsgrundlagen basieren auf belastbaren Daten.

Eine entsprechende Datentransparenz muss bereits in der Planung berücksichtigt werden:

  • Welche Erzeugungs- und Verbrauchskombinationen sind langfristig tragfähig?
  • Wie lassen sich Lastspitzen vermeiden?
  • Wie kann Energie so gesteuert werden, dass Betrieb, Nutzerkomfort und Wirtschaftlichkeit im Gleichgewicht bleiben?

Für einen stabilen vollelektrischen Gebäudebetrieb mit fluktuierenden Lasten ist eine kontinuierliche Datenerfassung und Regelung erforderlich, um Energieversorgung und Betriebsabläufe abzusichern.

Die Lösung: IoT-basierte Koordination von Erzeugern, Verbrauchern und Gebäudetechnik

In Sondershausen wurde eine Kombination regenerativer Technologien gewählt, deren Zusammenspiel datenbasiert geplant und im Betrieb optimiert wird. Bereits in der frühen Planungsphase wurde das Energiekonzept gemeinsam mit externen Partnern modelliert und simuliert, unter anderem mit der Hochschule Nordhausen. Auf Basis historischer Energiedaten vergleichbarer Standorte wurden verschiedene Szenarien mit Photovoltaik, Wärmepumpen, Speichern und unterschiedlichen Betriebsstrategien durchgerechnet. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für die Auslegung von Erzeugern, Speichern und Übergabepunkten.

Die elektrische Versorgung des Neubaus erfolgt maßgeblich über eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach mit rund 650 kWp Gesamtleistung. Den thermischen Teil übernehmen mehrere Luft/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpen, die je nach Bedarf Heizung und Kühlung unterstützen. Die hydraulische Entkopplung mit Schichtspeichertechnologie wurde gemeinsam mit der Zortea Gebäudetechnik GmbH geplant. Sie stellt stabile Temperaturniveaus sicher und unterstützt eine effiziente Betriebsweise der Wärmepumpen. Je nach Betriebszustand lassen sich dadurch Einsparpotenziale beim Primärenergiebedarf von rund 15 bis 25 Prozent realisieren.

Die elektrische Umsetzung und Integration der geplanten Energie- und Automatisierungsarchitektur erfolgte in Zusammenarbeit mit der Lübbing Elektrotechnik GmbH als ausführendem Elektro- und Automatisierungspartner.

Rund um die Logistik sind weitere technische Gewerke in das Gesamtkonzept eingebunden: Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Luftqualitätssensoren und Volumenstromregler, Kälteanlagen, Druckluftversorgung, sicherheitsrelevante Systeme wie Sprinkler- und Brandmeldeeinrichtungen, die Gebäudebeleuchtung sowie Ladeinfrastruktur für Mitarbeiter- und Flottenfahrzeuge. Relevante Messgrößen wie Präsenz, Luftqualität, Volumenströme und Energieverbräuche an definierten Übergabepunkten werden erfasst und für die Regelung bereitgestellt.

Die Steuerung der technischen Infrastruktur erfolgt über die Gebäude- und Automatisierungstechnik von WAGO. Die Daten aus Hydraulik, Wärmepumpen, Lüftung, Beleuchtung, Ladesäulen und weiteren Anlagenteilen werden kontinuierlich erfasst, aufbereitet und in das Energiemanagement überführt. Auf dieser Basis werden Kennzahlen wie Primärenergiebedarf, Lastverschiebungen oder Wirkungsgrade bestimmt und im Zeitverlauf bewertet.

Wesentliche IoT-gestützte Anwendungen sind unter anderem:

  • Kennzahlen-Monitoring für Heizung und Kühlung zur Sicherstellung stabiler Betriebsbedingungen
  • Lastmanagement zur Vermeidung energiewirtschaftlicher Spitzenzeiten
  • automatisierte Datengrundlage für Energie-Controlling statt manueller Excel-Datenpflege

Das Monitoring ist so ausgelegt, dass es sowohl den Anforderungen des internen Energiemanagements als auch den Vorgaben für ESG-Reporting und zukünftige Energieoptimierungsmaßnahmen entspricht. Dazu zählt beispielsweise die Möglichkeit, CO₂-Emissionen belastbar nach Prozesszonen und Anlagenbereichen auszuweisen.

Das Ergebnis: Effizienter, datengetriebener Gebäudebetrieb ohne fossile Energie

Der WAGO-Neubau in Sondershausen zeigt, wie Versorgungssicherheit, Energieeffizienz und Klimastrategie gemeinsam adressiert werden können. Durch die Nutzung elektrischer Energie und erneuerbarer Erzeugung wurde vollständig auf fossile Brennstoffe verzichtet – der Schornstein bleibt Geschichte.

Die Gebäudeautomation unterstützt stabile Betriebsbedingungen für Heizung und Kühlung, reduziert den Energieverbrauch und stellt eine einheitliche Datengrundlage für Energiecontrolling, Management und Berichterstattung bereit. Gleichzeitig kann das Konzept als Referenz für weitere Werke und Bauvorhaben im Unternehmen genutzt werden.

In Summe entsteht ein Logistikzentrum, das sich dynamisch an reale Betriebsbedingungen anpasst – und dessen Betrieb durch kontinuierliches IoT-Monitoring fortlaufend angepasst werden kann. Die digitale Grundlage ist gelegt, um weitere Funktionen zu integrieren: von Lastmanagement und Eigenverbrauchsoptimierung bis hin zu energiepreisgetriebener Betriebsführung oder Simulationen von Versorgungsrisiken.

Das Konzept dient als Template für zukünftige Neubauten bei WAGO.

Weitere Informationen zu diesem Lösungsbeispiel – WAGO

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