Mit 333 öffentlichen Nottastern baut die Autonome Provinz Südtirol (Agentur für Bevölkerungsschutz) eine flächendeckende, unabhängige Notfallkommunikation für 540.000 Einwohner auf. Die Lösung des Technologieanbieters Swissphone kombiniert robuste Hardware, ein energieeffizientes Funknetz auf mioty-Basis und eine vollständig redundante Infrastruktur. Damit wird eine Rückfallebene geschaffen, die in Krisen- und Ausfallszenarien bisher fehlte.
Die Herausforderung: Zuverlässige Notfallalarmierung auch bei Netzausfall
Südtirol ist geprägt von alpinen Regionen mit hohen Bergen, engen Schluchten und somit Zonen, in denen Mobilfunklöcher immer wieder vorkommen. Auch Naturereignisse wie starker Schneefall oder Stürme können die Infrastruktur beeinträchtigen und somit die Kommunikation zeitweise einschränken. Dass Strom- und Mobilfunknetzausfälle auch in Europa immer wieder vorkommen können, zeigen Fälle wie die großflächigen Ausfälle in Spanien und Portugal sowie im Schweizer Kanton Wallis im April 2025. Fällt im Notfall das Internet oder sogar die Stromversorgung aus, steht die Bevölkerung ohne verlässliche Alarmierungsmöglichkeit da.
Die Autonome Provinz Südtirol hatte es sich daher zur Aufgabe gemacht, eine resiliente Notfallinfrastruktur zu schaffen. Sie sollte unabhängig von öffentlichen Netzen funktionieren, große Reichweiten im Gebirge erzielen und gleichzeitig energieeffizient genug sein, um mit Notstrom über einen längeren Zeitraum betrieben werden zu können. Herkömmliche Mobilfunklösungen schieden dafür aufgrund ihres hohen Energiebedarfs aus; auch andere LPWAN-Technologien boten nicht die nötige Robustheit und Ausfallsicherheit für kritische Infrastruktur.
Zudem sollte die Lösung nahtlos in das bestehende Paging-System der Provinz Südtirol integriert werden – ein System, das bisher nur die Alarmierung von der Leitstelle zu den Einsatzkräften ermöglichte, aber keinen Rückkanal aus der Bevölkerung bot.
Die Lösung: Resilientes mioty-Netz
Swissphone, einer der führenden europäischen Anbieter von Lösungen in den Bereichen Alarmierung und Critical Incident Management, hat für die Provinz Südtirol ein mehrstufiges, vollständig redundantes Konzept entwickelt: ein regionales mioty-Netz mit hoher Resilienz sowie den neuen öffentlichen Nottaster m.HELP.
Die mioty alliance, in der Swissphone Mitglied ist, ist eine gemeinnützige Organisation, die skalierbare und effiziente Massive-IoT-Konnektivität vorantreibt. Bei der mioty-Technologie handelt es sich um ein ETSI-standardisiertes LPWAN-Protokoll, das wiederum auf der TS-UNB-Methode (Telegram Splitting Ultra Narrowband), einem auf geringen Stromverbrauch optimierten Funkprotokoll, basiert.
Um die gesamte Provinz Südtirol mit knapp 540.000 Einwohnern auf einer Fläche von 7.400 km2 abzudecken, sind lediglich 50 mioty-Basisstationen (m.BASE) notwendig. Im November 2025 waren davon bereits rund die Hälfte installiert. Die Standorte befinden sich auf erhöhten Positionen wie Bergrücken oder Türmen mit Notstromversorgung. Die mioty-Technologie zeichnet sich durch ihre hohen Reichweiten, eine robuste Signalübertragung sowie einen extrem niedrigen Energiebedarf aus. Insbesondere der geringe Strombedarf ist entscheidend für batteriebetriebene Endgeräte und zuverlässige Kommunikation auch bei widrigen Bedingungen. Viele Nottaster erreichen mehrere Basisstationen gleichzeitig, wodurch eine natürliche Redundanz entsteht.
333 öffentliche Nottaster mit Integration in bestehende Infrastruktur
Bei den Feuerwehrhallen in den Gemeinden Südtirols werden 333 m.HELP–Nottaster installiert. Sie verfügen über ein robustes IP65-Gehäuse (staub- und strahlwassergeschützt), eine Status-LED und einen Lautsprecher, der je nach Situation unterschiedliche statische Sprachmeldungen ausgibt. Die Geräte sind netzgespeist und besitzen zusätzlich eine Pufferbatterie, die einen Stromausfall von bis zu 48 Stunden überbrückt. Herzstück des m.HELP-Notfalltaster ist das mioty-Modul m.YON, das der drahtlosen Datenübermittlung an die nächste Basisstation dient.
Die Daten der Basisstationen laufen in einem lokal installierten, redundant ausgeführten Service- und Application Center zusammen. Die Infrastruktur ist bewusst nicht cloudbasiert, um Unabhängigkeit vom öffentlichen Internet zu gewährleisten. Fällt ein Server aus, übernimmt der zweite ohne Unterbrechung. Über bestehende Alarmserver werden die Notrufe direkt an die Freiwillige Feuerwehr in der ensprechenden Region übermittelt.
Das Ergebnis: Best Practice für kritische Infrastruktur
Mit der neuen, auf mioty basierenden, Lösung von Swissphone entsteht in Südtirol eine Infrastruktur, die im Ernstfall auch dann funktioniert, wenn Mobilfunk, Internet oder Teile der Energieversorgung ausfallen. Die Kombination aus mioty-Funktechnologie, redundanter Backend-Architektur und robusten Nottastern schafft eine hochverfügbare und autarke Rückfallebene für Notsituationen.
Die Implementierung des Gesamtsystems wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen, sodass die Inbetriebnahme im Sommer desselben Jahres erfolgen kann. Südtirol wird damit zu einem Pilotprojekt mit Leuchtturmcharakter, das zeigt, wie moderne IoT-Technologien wie mioty kritische Infrastruktur im öffentlichen Raum verbessern und widerstandsfähiger machen können. Für die Agentur für Bevölkerungsschutz entsteht im Erfolgsfall ein skalierbares Modell, das sich problemlos auf weitere Regionen übertragen ließe.
Für die Bevölkerung bedeutet die Lösung mehr Sicherheit, eine zuverlässige Möglichkeit, Hilfe zu rufen, und kürzere Reaktionszeiten im Notfall. Nach Auslösen eines Alarms über m.HELP sollen nur wenige Minuten vergehen, bis Ersthelfer vor Ort sind.