In dieser Episode des IoT Use Case Podcasts spricht Gastgeber Dr. Peter Schopf mit Peter Dercks, Geschäftsführer bei Dercks Gartenbau, sowie Richard Habering, Head of Business Unit, und Manuel Moussa, technischer Vertrieb smart plastics, beide bei der igus GmbH. Im Fokus: Exakt-Bewässerung im Freiland-Topfpflanzenanbau mit Energieführungskette und Condition Monitoring zur Ressourcenreduktion und 24/7-Betriebssicherheit.
Podcast Zusammenfassung
Dercks Gartenbau bewässert Topfpflanzen im Freiland industriell über einen Exakt‑Gießwagen, der Wasser und Dünger gezielt in die Topfmitte ausbringt. Ausgangspunkt waren Vernässung, steigender Wasser- und Düngemitteleinsatz sowie der Bedarf, Flächen effizienter zu nutzen. Herausforderungen: 200+ Meter Verfahrweg, robuste Versorgung mit Medien und Daten im Außenbetrieb, Hindernisse auf der Fahrbahn, hohe Kosten und die Notwendigkeit, Stillstände zu vermeiden. Technisch wird der Gießwagen über eine igus‑Energieführungskette geführt, statt Schläuche hinterherzuziehen; Sensorik (smart plastics) überwacht Zug-/Schubkräfte zur Zustandsüberwachung und als Basis für vorausschauende Wartung. Eingesetzt werden Energieketten, Medienleitungen und Condition‑Monitoring‑Sensoren mit Anbindung an Auswertung/Benachrichtigung. Ergebnis: 60–70 % weniger Wasser (bis auf ein Drittel), weniger Düngeraustrag ins Grundwasser, etwa halbierte Stromkosten und 9–10 % bessere Flächenausnutzung. Für IT/OT‑Entscheider zeigt der Use Case, wie IoT‑Monitoring mechanische Systeme absichert, Wartung planbar macht und Betriebskosten sowie Umweltwirkungen messbar reduziert.
Podcast Interview
Heute im IoT Use Case Podcast: Hochtechnologie im Gartenbau. Wir sprechen über eine Energiekette und smart plastics. Und wenn das nicht schon spannend genug ist: Ein Exakt-Gießwagen ist wirklich beeindruckend. Man kann sich das vorstellen wie einen Kran, der sich über ein ganzes Feld zieht. Das heißt: Gartenbau im industriellen Maßstab. Zu Gast haben wir Dercks Gartenbau mit Peter Dercks sowie die igus GmbH mit Richard Habering und Manuel Moussa. Wenn ihr erfahren wollt, wie man ein Drittel der Verbrauchsmenge, in dem Fall Wasser, einsparen kann und seine Fläche um bis zu 10 Prozent erhöht, dann seid ihr richtig. Viel Spaß dabei!
Herzlich willkommen beim IoT Use Case Podcast, dem Kanal mit den aktuellsten IoT-Projekten unserer Umsetzungspartner am Markt.
Hallo und herzlich willkommen zum IoT Use Case Podcast. Ich bin euer Podcast-Co-Host Dr. Peter Schopf.
Gerne Peter, wobei das heute etwas schwieriger wird, da wir zwei Peter im Studio sind. Erzähl du doch kurz mal von dir und was aus deiner Sicht heute spannend ist.
Peter
Ich bin sehr froh, heute dabei sein zu dürfen, und erzähle gerne über unsere Idee, nämlich Wassereinsparungen im Freiland-Topfpflanzenanbau. Hierzu haben wir Exakt-Gießwagen. Grundsätzlich bewässert man die Pflanzen mit Gießwagen oder Kreiselregnern. Wir haben unseren Gießwagen so genannt, weil er exakt in die Mitte des Topfes wässert und so große Wassereinsparungen erreicht werden. Wir sparen mit diesem Gießwagen 60 bis 70 Prozent der sonst üblich ausgebrauchten Wassermenge ein, reduzieren die also etwa auf ein Drittel. Natürlich sparen wir nebenher auch Düngermengen ein. Die werden sonst im Gießwasser aufgelöst und mit dem Gießwasser ausgebracht. Diese überschüssige Wassermenge beinhaltet natürlich Dünger, der dann in den Boden und ins Grundwasser einfließt. Das wollen wir unbedingt vermeiden. Außerdem schont es den Geldbeutel, weil weniger Geld für Dünger ausgegeben werden muss. Zum Dritten sparen wir auch bei den Stromkosten; die reduzieren wir etwa um die Hälfte. Und somit ist das Ganze eigentlich eine sehr gute Sache. Das Problem liegt heute allein darin, dass der Gießwagen noch etwas zu teuer ist. Wir müssen Lösungen finden, dasselbe Ergebnis kostengünstiger hinzubekommen. Aber wir arbeiten daran.
Das wird eine spannende Unterhaltung, weil auch, was so ein Gießwagen, ein Exakt-Gießwagen ist, mir am Anfang überhaupt nicht klar war. Als wir uns im Vorgespräch unterhalten hatten, hatte ich da eher so einen großen Traktor im Kopf, der so Ausleger hat und übers Feld fährt. Aber das ist ja eher wie ein Industriekran, der auf Industrieniveau in ganz großem Umfang bewässert und sehr exakt ist. Das kann man ein bisschen beleuchten. Dann haben wir noch zwei weitere Kollegen von igus. Richard, erzähl du doch mal kurz über igus und über dich.
Richard
Ich bin an dem Thema eher beiläufig dran. Mein Name ist Richard Habering, ich mache bei igus immer die Projekte, die ein bisschen kniffliger sind. Das ist in dem Fall das Thema Zustandsüberwachung, vorausschauende Wartung, Industrie 4.0, IoT – alles, was damit zusammenhängt. igus ist ein Familienunternehmen aus Köln. Wir machen hauptsächlich Kunststoff-Spritzgussprodukte. Die bekanntesten sind Kunststoff-Gleitlager und in diesem Fall Energieführungsketten, das heißt flexible Kabelkanäle, wo Leitungen drin liegen, über die Energie und Medien – in dem Fall Wasser und Düngemittel – an bewegte Anlagenteile gebracht werden. Das machen wir mittlerweile seit 60 Jahren. igus ist im Augenblick knapp 5.000 Mitarbeiter groß, wir machen zwei Milliarden Jahresumsatz. Heute beschäftigen wir uns damit, wie wir den Exakt-Gießwagen von Herrn Dercks zum einen mit Strom, Wasser und Daten versorgen und zum anderen: Kosten sind immer ein riesiges Thema, das Gerät muss günstig sein. Deswegen kann man keine Monster-Energiekette einbauen. Dann ist es an der Stelle vielleicht günstiger, die Energiekette so günstig wie möglich auszulegen und den Betrieb nachher zu überwachen.
Manuel
Mein Name ist Manuel Moussa. Ich bin seit 2019 im Vertrieb bei igus. Seit 2021 kümmere ich mich um den Bereich smart plastics. Das heißt, ich bin für den Vertrieb verantwortlich – für alle Sensoren und Technologien, im Grunde das, was das Team rund um Richard entwickelt. Ich unterstütze die Kunden dabei, zu beraten, welche Technologie am Ende sinnvoll ist und entsprechenden Nutzen liefert.
Richard
Man könnte es auch ein bisschen anders ausdrücken: Manuel muss immer das halten, was ich verspreche.
Hervorragend. Zumindest für dich, Richard.
[05:13] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus
Peter, an dich nochmal: Erzähl doch mal ein bisschen diese Reise bei euch bei Dercks Gartenbau, wo du ja auch ein Familienunternehmen aufgebaut hast – ein sehr beeindruckendes und sehr innovatives für den Gartenbau. Wie war denn die Reise von früher? Wie habt ihr das früher gemacht mit der Bewässerung? Und wie kamt ihr dann zu diesem Exakt-Gießwagen? Einfach von der Story her.
Peter
Für die Bewässerung der Topfpflanzen im Freiland konnten sehr früh Gießwagen eingesetzt werden, weil es hier in der Gegend einen Gärtner gab, der sich Gedanken gemacht hat und damals den Gießwagen kreierte. Wir hatten auf einem gepachteten Feld das Problem, dass es dort einige sehr nasse Stellen gab. Immer im Juli, August war die Vernässung an diesen Stellen so groß, dass man beinahe nicht mehr durchlaufen oder quer übers Feld darüber laufen konnte. So entstand der Gedanke, wie man es hinbekommt, dass man die Pflanzen ausreichend mit Wasser versorgt, aber doch so wenig Wasser wie möglich aufs Feld bringt, also kein Überschusswasser ausbringt. Dann hatte man diverse Ideen, die aber entweder zu kompliziert oder zu teuer waren. Irgendetwas gab es immer, weshalb sie wieder verworfen wurden. So entstand die Idee zum Exakt-Gießwagen, eigentlich aus einem Gespräch mit einem anderen Gärtner aus dem Allgäu heraus. Ich habe dann einen Gießwagenbauer gefragt, ob er Interesse hätte, diese Idee mit uns zu verwirklichen. Der war dazu bereit. Zudem musste die Landwirtschaftskammer hier, vertreten durch die Wasserrahmenrichtlinie, mit ins Boot genommen werden, denn mir ging es auch darum, ein Sprachrohr zu haben. Wenn wir als Gärtner publizieren, was wir mit diesem Gießwagen oder Bewässerungssystem alles erreichen, dann kommt es oft schwer an, beziehungsweise die Glaubhaftigkeit ist nicht so groß. Von daher sollte die Landwirtschaftskammer über die Wasserrahmenrichtlinie mit ins Boot. Die waren sofort bereit. Inzwischen haben wir zwei Prototypen dieses Exakt-Gießwagens und erreichen damit die großen Einsparungen bei der Ausbringung des Gießwassers. Man muss auch bedenken, dass in der nächsten Zeit vielleicht darüber nachgedacht wird, seitens diverser Ämter, dass die von Landwirten oder Gärtnern entnommene Grundwassermenge kontingentiert werden könnte oder wird. Vielleicht macht man es auch so, dass wir dafür – was im Moment nicht der Fall ist – zahlen müssen. Wenn es dazu kommen sollte, wären wir natürlich mit dem Exakt-Gießwagen auf einem besseren Gleis unterwegs.
Das ist schon beeindruckend: Nur noch ein Drittel Wasser wird gebraucht. Wasser ist ja das eine. Wenn das Grundwasser angezapft wird und irgendwann knapp wird, ist das ein Problem. Aber dass das Wasser dann mit entsprechendem Dünger angesetzt ist und so exakt eingesetzt werden kann, dass es nur an die Pflanzen geht und nicht ins Grundwasser und in die Umgebung – tolle Sache, tolle Technologie.
Und zur Technologie: Manuel, in deine Richtung gefragt, im Kontext dieser Energiekette. Kannst du mal erklären, wie so was abläuft? Wie geht man auf so ein Projekt los? Was sind da die Schritte?
Manuel
Aus unserer Sicht, gerade in Bezug auf die Energiekette, muss man den Exakt-Gießwagen so beschreiben, dass die Herausforderung darin besteht, dass dieser Exakt-Gießwagen auf einem Verfahrweg von gut 200 Metern zuverlässig mit Wasser versorgt werden muss. Bevor die Energiekette montiert wurde, wurden diese Schläuche – zwei Schläuche mit, wenn ich richtig liege, jeweils 1 1/4 Zoll – im Grunde einfach nur hinter dem Exakt-Gießwagen hergezogen. Bedeutet: Der Schlauch legt sich mehr oder weniger willkürlich auf dem Feld ab. Das bedeutet für Peter, dass der Platz, wo sich der Schlauch oder die beiden Schläuche ablegen, nicht mit Blumentöpfen bestellt werden kann. Darin bietet die Energiekette erst mal einen sehr großen Vorteil, weil die Schläuche auf einem sehr kleinen Bauraum, vielleicht 30 bis 40 Zentimeter, geführt werden und der restliche Platz genutzt werden kann, um mehr Blumentöpfe aufzustellen. Zeitgleich – und das ist der Punkt, wo smart plastics ins Spiel kommt – muss diese Energiekette natürlich geschützt werden. Die ist rund um die Uhr im Einsatz, im Außenbereich, wo immer irgendwo Hindernisse auftreten können. Da gilt es, den bestmöglichen Schutz für die Energiekette und das System zu liefern, wo wir mit einer Zug-/Schubkraftüberwachung für die notwendige Sicherheit sorgen.
Die Energiekette ist auch etwas, was man intuitiv gar nicht so richtig im Kopf hat. Für mich war das fast wie Panzerketten, wo die Schläuche eingebaut sind. Wie würdest du das beschreiben, Manuel?
Manuel
Eine Energiekette ist im Prinzip eine bewegliche Kabel- und Leitungsführung. Man kann darin Kabel, Schläuche, sämtliche Medien führen. Die Medien haben einen bestimmten Bauraum, werden immer im gleichen Biegeradius geführt, sind somit geschützt. Manche beschreiben es als beweglichen Kabelkanal. Klingt sehr einfach, aber da steckt tatsächlich eine Menge Know-how dahinter.
Sieht auch beeindruckend aus. Richard, aus deiner Perspektive: Wo setzt ihr so etwas noch ein? Was sind Industrien, Bereiche, Einsatzmöglichkeiten von so einer Energiekette?
Richard
Überall da, wo Strom, Wasser, Daten und andere Medien an bewegte Anlagenteile in einer nicht endlosen Bewegung geführt werden müssen. Die meisten Leute kennen es, wenn man mit dem Auto in die Waschanlage fährt: Rechts oben fährt über einen so ein Portal, und da werden die Leitungen in der Energieführungskette an das bewegliche Teil geführt. Ein großer Bereich sind Containerkrane: An Häfen fahren auf diesen großen Kranen Trolleys hin und her. Da sind riesige Elektromotoren drauf, die die Container anheben, und die werden mit Strom versorgt. Auch in der Automobilfertigung, wenn Teile – Elektromotoren, Batterien, Bleche – von einem Bearbeitungsschritt zum nächsten transportiert werden, gibt es Portale, die das tun. Das sind in den allermeisten Fällen Linearbewegungen, die auf irgendeinem Schienen- oder rollengeführten System hin- und herfahren. Es gibt die kleinste Energiekette mit dreieinhalb mal dreieinhalb Millimetern: Die ist in einem Windleitflügel von einem Sportwagen. Wenn der rausfährt, fährt er etwa 20 Zentimeter raus, und dann ist die Bremsleuchte noch mit Strom versorgt. Das ist auch eine Energiekette. Die größte hat 350 Millimeter Innenhöhe, 300 Meter Verfahrweg. Das ist dann eine Anlage, die ausgepumpten Schlamm aus Hafenbecken auf einem großen Feld ausbringt, damit der dort trocknen kann. Und das geht bis zu riesigen Aufschüttungen von Kohle und Düngemittel, Schüttgutanlagen, die auf 700, 800, 900 Meter riesige Berge an Schüttgut aufschütten und auf der anderen Seite wieder abtragen. Auch diese Maschinen müssen mit Strom und Daten und in vielen Fällen auch Wasser versorgt werden.
[13:13] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien
Zurück zum Gartenbau: Ich finde dieses Zusammenspiel aus verschiedenen Technologien spannend. Ihr habt ja auch einen Absetzroboter, der das sauber absetzen muss, damit der Exakt-Gießwagen dort platzieren kann. Richtung smart plastics: Was sind denn da die nächsten Schritte, auch im Hinblick auf Überwachung, und was kann da alles passieren?
Peter
Ich möchte vorab einen Schritt zurückgehen und noch etwas zur Effektivität der Energieführungskette sagen. Die muss sich für uns natürlich rechnen. Wie Manuel sagte, musste der Gießwagen die Schläuche bislang hinter sich her übers Feld ziehen. Die Schläuche zogen sich in einem Bogen, der war sogar bis 1,5 Meter groß. Dank des Einsatzes der Energieführungskette erreichen wir eine bessere Flächenausnutzung, die etwa 9 bis 10 Prozent beträgt. Wenn man auf einen Hektar geht, sind es 900 oder 1.000 Quadratmeter. Bei 10 Hektar holt man schon einen Hektar raus. Das ist sehr effektiv. Wie soll es weitergehen mit unserem Gießwagen? Wir arbeiten daran, einen herkömmlichen Gießwagen zu einem wassersparenden Gießwagen umzufunktionieren. Dazu gibt es einige Ideen, die in den ersten Monaten des neuen Jahres umgesetzt werden sollen. Ich gehe nochmal zurück zu unseren beiden Prototypen. Wir erreichen damit schon eine große Wassereinsparung. Beim älteren der beiden Exakt-Gießwagen, auf dessen Fläche größere Töpfe stehen, ist die Funktionalität absolut gegeben. Beim Exakt-Gießwagen Nummer 2, diesem 45 Meter breiten Gießwagen, der über etwas mehr als 200 Meter Fahrstrecke unterwegs ist, werden kleine Töpfe positioniert. Die exakt auf den Punkt zu setzen – die Töpfe haben nur einen Durchmesser von 10 Zentimetern – ist eine Herausforderung. Das darf nicht lange dauern, das muss schnell gehen. Hierfür setzen wir einen Absetzroboter ein, mit dem wir etwa 5.000 bis 5.500 Töpfe in der Stunde setzen können. Die stehen beinahe absolut korrekt. Aber es gibt noch leichte Nuancen, an denen gefeilt werden muss, sodass die absolute Genauigkeit hergestellt wird.
Kannst du noch mal etwas zur Ausbringungsmenge sagen? Wenn da 5.000 Töpfe pro Stunde abgestellt werden, ist das ja schon eine Menge.
Peter
Wir produzieren im Jahr etwa 1,2 bis 1,3 Millionen Töpfe. Grundsätzlich werden unsere Jungpflanzen im Gewächshaus, also indoor, auf ihr späteres Leben vorbereitet. Sie stehen als kleine Pflanzen im Gewächshaus geschützter und können dort heranwachsen. Das Topfen erfolgt zum Teil im Gewächshaus, aber zum allergrößten Teil draußen. Verkauft werden die Pflanzen grundsätzlich aus dem Freiland heraus. Wir erreichen dank unserer Containerstellflächen eine Doppelbelegung auf unseren Flächen. Was sind Containerstellflächen? Herkömmliche Felder werden planiert, aber wirklich sehr exakt und genau, mit leichtem Gefälle. Dann baut man in diese wie ein Tischbrett liegenden Felder Drainagestränge ein. Die befinden sich in leichten Gräben, in drei, vier oder fünf Meter Abstand – je nach Beschaffenheit des Bodens – und werden mit Lava verfüllt. Auf der gesamten Fläche bringt man eine Lavastärke, abhängig von der Bodenbeschaffenheit, von 8 bis 12 Zentimetern aus. Nachdem eine Mypex-Folie, also ein Bändchengewebe, aufgelegt worden ist, wird das komprimiert. So ist die Fläche für sogenannte Space-O-Maten, also Stapler mit sehr breiten Reifen, befahrbar. Dank dieser Drainage vernässen die Felder nicht mehr. Staunässe wird vermieden, was der Pflanzengesundheit entgegenkommt. Außerdem behält man auch bei nasseren Bodenverhältnissen die Befahrbarkeit der Flächen. Die Töpfe stehen immer sauber. Wir erreichen bis heute eine Doppelbelegung auf unseren Flächen. Sie werden also nicht nur einmal pro Jahr genutzt, sondern zweimal, in einem kleinen Bereich sogar dreimal. Dadurch steigert sich die Wirtschaftlichkeit und die Amortisation für die Ausgaben dieser Anlagen in die Flächen und auch des Exakt-Gießwagens.
Das sind wirklich industrielle Größenordnungen. Und die Einsparung von bis zu 10 Prozent bei der Flächennutzung durch so eine Energiekette ist ein enormer Vorteil. Manuel, bei smart plastics: Wie spielt das rein? Was ist smart plastics aus eurer Sicht und was sind die Elemente, die für das Projekt relevant sind?
Manuel
Bei smart plastics unterscheiden wir grundsätzlich zwei Bereiche: die Zustandsüberwachung und die vorausschauende Wartung. Bei der Zustandsüberwachung geht es darum, dass, wenn etwas Ungewöhnliches passiert – etwa Hindernisse in der Fahrbahn, die die Energiekette blockieren würden –, man das frühzeitig erkennt, reagieren kann und es nicht zu einem Ausfall der Energiekette kommt. Bei der vorausschauenden Wartung geht es darum, frühzeitig zu wissen: Wann sollte eine Inspektion gemacht werden, wann eine Wartung, und wann sollte nach vielen Jahren die Energiekette ausgetauscht werden. Wir wollen dem Kunden größtmögliche Sicherheit im Anlagenbetrieb geben, gerade wenn die Anlage ohne Personal rund um die Uhr läuft. Im besten Fall kümmern wir uns auch nach der Installation darum, indem wir frühzeitig informieren, wenn zum Beispiel eine Inspektion oder Wartung ansteht.
Ist smart plastics immer mit der Energiekette verknüpft oder habt ihr das auch in anderen Feldern im Einsatz? Richard, vielleicht in deine Richtung.
Richard
Aktuell sind die allermeisten Anwendungen im Bereich Energieführungsketten: den Betrieb überwachen und schützen, und wenn ein Blumentopf oder Erde oder was auch immer im Weg liegt, früh genug abschalten und dadurch einen größeren Crash oder Schaden vermeiden. Wir nutzen das auch, um Kunststoff-Gleitlager zu überwachen, ein anderer großer Produktbereich von uns. Da lässt sich im Bereich der vorausschauenden Wartung der Kunde frühzeitig informieren, dass Wartungsbedarf oder ein Austausch ansteht. Jedes technische Produkt hat eine endliche Lebensdauer. Der Witz der vorausschauenden Wartung ist, den Zeitpunkt möglichst präzise zu bestimmen – zwischen maximaler, risikofreier Nutzungsdauer und geringstem Risiko. Das ist die Kombination aus unserer Sensorik. Für die vorausschauenden Wartungsfunktionalitäten verwenden wir zum größten Teil auch die Sensorik der Zustandsüberwachung. Wir definieren smart plastics so: Immer dann, wenn ein igus-Produkt in irgendeiner Art und Weise digital mit dem Kunden kommuniziert, nennen wir das smart plastics. Darunter fallen auch Systeme wie bei unseren Leitungsvorratssystemen: Wir sind auch Leitungsherrsteller für hochbiegefeste Leitungen in der Energiekette. Die werden in Kartons oder Cases geliefert, und mit smart-plastics-Technologie lässt sich der Füllstand dieser Lagerboxen überwachen, sodass automatisch – ähnlich wie beim Fotokopierer oder Drucker – gegen Ende der Füllmenge Bestellungen ausgelöst und nachgeliefert werden. Dadurch entfällt der Bestellaufwand. Wir betreiben das Geschäft mit vorausschauender Wartung und Zustandsüberwachung seit acht Jahren und haben Fachwissen aufgebaut, das auch an anderen Anlagen eingesetzt wird. Die Sensorik, die Hardware und die Software – und wenn der Kunde möchte auch Cloud-Lösungen – lassen sich auf andere Anlagen transferieren. Sei es bei Pumpen, Lebensmittelmaschinen oder im simpelsten Fall, Batterieladezustände über die Zeit zu messen. Der Bedarf an Condition Monitoring oder Datalogging wird immer größer. Da wir durch Kunden wie Dercks Gartenbau immer auch überlegen müssen, wie man so etwas sehr kostengünstig macht, lässt sich das auf viele andere Bereiche übertragen.
Was sind die Hauptentwicklungsrichtungen, wie sich das Thema Energieketten und smart plastics weiterentwickeln wird?
Richard
Die erste Stoßrichtung ist, den Kunden über den Zustand seiner Anlage zu informieren. Da wird es viele Entwicklungen in der Übertragungstechnik geben – 5G, LoRaWAN, Meshtastic oder anderes. Irgendwie muss die Information von der Kundenanwendung zum Kundenauge und -ohr kommen. Das Zweite ist, wie in vielen Bereichen, Künstliche Intelligenz. Auch wir arbeiten daran, das empfohlene Produkt-Austauschdatum möglichst präzise und mit möglichst wenig Hardware zu bestimmen. KI bietet sich an, weil man viele Einflussfaktoren gleichzeitig bewerten kann. Das Dritte ist, dass wir den kleinen Bereich der Kunststoffprodukte verlassen und das Ganze auf andere Anwendungen übertragen, weil wir mit unserem kostengünstigen Ansatz nicht verkehrt liegen.
Und im Kontext Dercks Gartenbau, insbesondere Gartenbau allgemein: Was siehst du da an Entwicklungsschritten?
Peter
Anzudenken ist natürlich, dass wir die Gießwagen zu autark arbeitenden Systemen werden lassen. Hierzu ist es, wenn sie mit Energieführungsketten ausgestattet sind, absolut notwendig, dass sie störungsfrei und einwandfrei funktionieren. Und für den Fall, dass doch mal etwas im Argen ist, muss sofort die ganze Mechanik gestoppt werden, eben über diese Schub- und Zug-Sicherung.
Ich finde stark, wie innovativ ihr da unterwegs seid. Wenn man international im Wettbewerb steht, muss man das wahrscheinlich auch sein. Mit den Einsparungen, die ihr erzielt, ist das richtig stark.
Wir müssen langsam zum Ende kommen. Ich würde euch allen dreien noch kurz die Möglichkeit geben, etwas mitzugeben: Wenn noch etwas ist, das ihr den Hörern mitgeben wollt. Manuel, ich starte mit dir.
Manuel
Die Sensoren, die wir entwickeln, entwickeln wir für immer weitere Anwendungsgebiete. Wir hatten hier den Fall mit einem sehr langen Verfahrweg. Genauso sind wir im Bereich Robotik unterwegs, dass wir auch Triflex-Ketten überwachen. Das verschafft uns viele Möglichkeiten, Anlagen intelligent zu machen. Ich bin selbst neugierig, was die Zukunft bringt und welche Anforderungen noch von den Kunden kommen. Das bleibt spannend.
Richard
Ich kann dem nur beipflichten. Für mich ist das Thema KI und die Schnittstelle zwischen KI und Realität, also harter Maschinenbau, das Allerspannendste. Ich ertappe mich dabei, wie ich immer exotischere Dinge mit KI löse und mir überlege: Kann das die KI? Ich positioniere smart plastics in Zukunft wirklich an der Schnittstelle, wo KI physikalisch etwas bewirken muss: etwas einschalten, etwas ausschalten, etwas messen. Diesen smart-plastics-Begriff würde ich an der Stelle erweitern: Da, wo das Netz, wo KI anfassbar wird, da positionieren wir uns. Da passiert im Augenblick so viel. Ich hätte mir, als wir angefangen haben, nie träumen lassen, dass wir uns irgendwann mit der industrialisierten Produktion von Topfpflanzen beschäftigen. Aber genau das ist es. Genau dort müssen die Produkte umgesetzt werden, wo auch dieses ganze Internet-Thema in irgendeiner Art und Weise real wird. Da sehe ich uns. Das ist für die Zukunft der Punkt, wo alles zusammenkommt und verschmilzt.
Mit KI triffst du genau meinen Schwerpunkt. Da würde ich gern tiefer eintauchen. Wir sind gegen Ende. Peter, aus deiner Sicht: Ihr seid Innovationstreiber. Teilt ihr das auch mit anderen? Und was hast du noch mitzuteilen?
Peter
Wir teilen das schon mit anderen, auch deshalb, weil die Landwirtschaftskammer involviert ist. Die brauchen wir als Sprachrohr. Wir haben für das, was wir in Richtung Exakt-Gießwagen unternehmen, an keiner Stelle einen Gebrauchsmuster- oder Patentschutz. Alles ist frei zugänglich. Auch deshalb, weil nicht allein wir investiert haben, sondern auch das Land NRW. Das Land NRW ist etwa zu zwei Dritteln an den Kosten beteiligt gewesen. Für die Zukunft: Ich sprach vorhin über einen autark arbeitenden Gießwagen. Sensoren für die Bodenfeuchte könnten installiert werden und lassen den Gießwagen erst dann losfahren, wenn es erforderlich ist. Wenn es nicht erforderlich ist, braucht die Pflanze kein Wasser. Das Substrat wäre ausreichend nass, und zusätzlich gegebenes Wasser würde durchlaufen. Das wollen wir nicht, das wäre Verschwendung. Hier kann KI eingesetzt werden. Es gibt auch im Gartenbau Fachkräftemangel. Informationen könnten in ein KI-System einfließen, das es ermöglicht, vom Schreibtisch aus, vom PC aus, die Steuerung im Betrieb zu realisieren. Außerdem erkennt man als erfahrener Gärtner Unterschiede, reagiert auf Wetterlagen und versucht prophylaktisch zu verhindern, dass Pilzkrankheiten in den Pflanzenbestand kommen. Auch hier: ein KI-System, das die Pflanzen permanent überwacht, Daten sammelt und Befallsherde erkennt. Für die Zukunft wäre es gut, solche Systeme zu schaffen, damit Leute, die weniger Erfahrung haben, trotzdem hervorragend zurechtkommen können.
Ich finde es gut zu hören, dass die Politik in solche innovativen Themen investiert und mit Innovationstreibern wie dir koinvestiert. Und dass das dann auch für andere Gartenbauer verfügbar ist, die in größerer Skalierung unterwegs sind. Wer einen Gartenbauer kennt, der mit solchen Themen arbeitet: Hier gibt es viele Informationen und Innovationen, die frei zur Verfügung stehen. Gerne diese Folge weiterleiten und dafür Werbung machen. Gerade in Richtung Nachhaltigkeit ist das ein tolles Thema. Und wer Bedarf in Richtung Energieketten hat: igus ist hier ein kompletter Ansprechpartner. Vielen Dank und bis zur nächsten Folge.



