In dieser Episode des IoT Use Case Podcasts spricht Gastgeber Dr. Peter Schopf mit Oliver Salo, Senior Partner bei in.hub, und Zoltán Ziegler, Vertriebsleiter bei nass magnet. Im Fokus: Wie IO-Link-Daten über Master und Edge in eine belastbare Datenpipeline für Condition Monitoring, Predictive Maintenance und KI-basierte Anomalieerkennung überführt werden.
Folge 208 auf einen Blick (und Klick):
Podcast Zusammenfassung
In vielen Anlagen sind IO-Link-fähige Sensoren und Aktoren zwar verbaut, genutzt werden aber oft nur Schalt- und Analogausgänge; Diagnose- und Zustandsdaten bleiben unerschlossen. In Projekten scheitert die Wertschöpfung weniger an der Technik als an unklaren Zielen (z. B. Alarmierung, Reports, OEE, Energie) und daran, früh die richtigen Stakeholder aus OT und IT an einen Tisch zu bekommen.
nass magnet adressiert das Feldniveau mit einem IO-Link-fähigen Smart Connector (Stecker) für Magnetspulen und Ventile sowie einem Ethernet-Master, der Messdaten IoT-tauglich weiterreicht. in.hub integriert den Master in SIINEOS: Geräte und IO-Link-Devices lassen sich ohne Programmierung konfigurieren, Daten werden normiert, im Edge gespeichert und über Services wie Dashboards, Alarmierung sowie Cloud- und SQL-Anbindungen bereitgestellt. IODD-Interpretation und strukturierte Übergabe (z. B. via OPC UA/MQTT) unterstützen die Semantik in Richtung IT-Welt. So entstehen schnellere Retrofit-Projekte, geringere Steuerungslast und eine skalierbare Datenbasis für Condition Monitoring sowie OEE- und Energieanalysen.
Podcast Interview
Heute im IoT Use Case Podcast: Wie man mit dem Kommunikationsprotokoll IO-Link relevante Daten so bereitstellt, dass sie direkt von der IT weiterverwendet werden können. Zu Gast sind in.hub, die ein Linux-basiertes IT-Betriebssystem anbieten, und nass magnet, das aus der Welt der elektromagnetischen Lösungen kommt und einen Ethernet IO-Link Master beisteuert. Diese Folge ist besonders für alle, die IO-Link wegen ihrer Sensoren und Geräte schon längst implementiert haben, aber bei der Nutzung noch nicht weitergekommen sind. Viel Spaß dabei!
Hallo und herzlich willkommen zum IoT Use Case Podcast. Mein Name ist Dr. Peter Schopf und ich bin euer Host in der heutigen Folge. Dazu habe ich heute zwei Gäste: Oliver Salo, Senior Partner von in.hub, und Zoltán Ziegler, Vertriebsleiter von nass magnet. Oliver, fangen wir doch mal bei dir an. Kannst du den Hörern kurz erzählen: Wie bist du Partnermanager bei in.hub geworden, wer bist du und was ist in.hub?
Oliver
Vielen, vielen Dank für die Einladung. Mein Name ist Oliver Salo, einer der Partnermanager bei in.hub. Ich bin schon viele Jahre im Maschinenbau unterwegs, habe auch im Maschinenbau gelernt und beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema Maschinendaten. So habe ich auch den Kontakt zu in.hub bekommen. Ich fand das Thema so spannend, dass ich tiefer eingestiegen bin und mich inzwischen seit über einem Jahr intensiv mit der Partnerbetreuung bei in.hub beschäftigen darf.
Eine Schlagzeile, die es, glaube ich, ganz gut beschreibt, ist: Experte für Zustandsüberwachung. Wir sind sehr stark unterwegs, überall dort, wo im Industrieumfeld Zustände überwacht und gemonitort werden müssen. Und die andere Schlagzeile, Marketing-Slogan, ist: einfach machen – Plug and Play. Ich weiß, das steht bei vielen auf der Homepage, aber ich glaube, wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir das ziemlich gut umsetzen und dass es wirklich einfach und schnell ist.
Kannst du zum Thema Zustandsüberwachung noch ein paar Beispiele geben? Welche Zustände überwacht ihr denn alles?
Oliver
Zustandsüberwachung umfasst die klassischen Themen, die in der Industrie heute viel bewegen: Condition Monitoring, vorausschauende Wartung und natürlich auch das Thema, mit KI über Prozessdaten zu schauen und Anomalien zu erkennen und dafür die Datengrundlage zu schaffen. Denn die ganzen KI-Modelle und KI-Algorithmen funktionieren natürlich nur, wenn valide Daten vorliegen. Das beschäftigt uns aktuell sehr.
Dazu kommen die klassischen Werkzeuge wie Dashboarding und Alarmierung. Und dann auch sehr stark das Thema Konnektivität – und da kommt IO-Link ins Spiel: die Konnektivität vom Feld ins Gateway, in die Lösung. Wir haben viele klassische Protokolle und Schnittstellen schon lange am Start, aber IO-Link hat uns sehr lange gefehlt. Deswegen ist das Thema für uns so spannend.
Und habt ihr gewisse Branchen, in denen das mehr genutzt wird? Seht ihr da einen Trend?
Oliver
Viel sind wir in Kontakt mit Wiederverkäufern, also nicht dem klassischen Maschinenbauer, sondern eher im Komponentenvertrieb. Viele Firmen machen sich gerade Gedanken, wie sie an ihre Hardware-Produkte, die sie heute verkaufen, smarte Services andocken können. Da bereichern wir das Thema und bringen sie in eine komplette Plattform, die viele Möglichkeiten bietet.
Wir sind sehr weitgreifend in den Industriezweigen unterwegs, im Prinzip in der kompletten Fertigungsbranche. Wir haben keine spezielle Nische, für die wir eine Lösung bieten.
Super, also möglichst breit einsetzbar. Zoltán, dann zu dir: Erzähl uns doch ein bisschen, wie du in deine Rolle gekommen bist, deinen Hintergrund und auch zu nass magnet.
Zoltán
Hallo allerseits. Ich bin verantwortlich für den Vertrieb bei der nass magnet Ungarn, einem Schwesterunternehmen der nass magnet GmbH aus Hannover. Wir in Ungarn entwickeln smarte Produkte für unser Smart-Portfolio.
nass magnet ist traditionell ein Hersteller für Komponenten für pneumatische Anwendungen. Aus dieser Historie sind wir seit vielen Jahren auch im Maschinen- und Anlagenbau unterwegs und wissen genau, wo in einem Betrieb Daten fehlen und auch warum. Das war der Auslöser, warum wir begonnen haben, ergänzend zu unseren bisherigen Produkten smarte Produkte zu entwickeln, um im Prinzip Condition-Monitoring-Möglichkeiten für Magnetspulen und pneumatische Ventile zu schaffen.
So kommen wir auch zum ersten Produkt: ein Stecker mit intelligenten Condition-Monitoring-Features mit einer IO-Link-Schnittstelle. Das zweite Produkt ist im Prinzip die Brücke von der IO-Link-Sensorik oder -Aktorik zu den IoT-Systemen: ein Master mit Ethernet-Anschluss beziehungsweise IO-Link-Schnittstelle. Das ist die Brücke zwischen den Komponenten und Sensoren und den IoT-Systemen.
Das ist schon spannend, dass ihr diesen Schritt genommen habt als nass magnet – eine deutsche Firma, die in Ungarn die smarten Produkte herstellen lässt und auch in Richtung Smart geht. Das überlegen sich viele, und das ist gar nicht so einfach. Da habt ihr einen tollen Ansatz gefunden.
[05:32] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus
Warum habt ihr euch für IO-Link entschieden? Was war da der Anlass? Es gibt verschiedene Protokolle – kannst du das erklären?
Zoltán
IO-Link ist ein Protokoll auf den letzten Metern in der Maschine. Unsere Produkte sind ja am Ende: Eine Magnetspule sitzt im Prinzip auf einem Ventil und sorgt für das Schalten eines Ventils. IO-Link ist dafür prädestiniert.
Es ist ein standardisiertes Kommunikationssystem, das Sensoren und Aktoren über eine einfache Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit der Automatisierungsebene oder der IoT-Ebene verbindet und darüber Geräteparameter, Zustandsdaten und Diagnosen überträgt. Das ist der Hauptgrund – neben anderen Vorteilen von IO-Link –, warum wir uns für dieses Protokoll entschieden haben und es in unsere Produkte integrieren.
Wenn ihr diese Ventilschaltungen über eure Stecker habt: In welchen Industrien befinden wir uns da? Ist es Pharma oder Prozessindustrie? Ganz breit aufgestellt? Gibt es Schwerpunkte?
Zoltán
Sehr breit aufgestellt. Überall, wo Luft geschaltet wird. Das kann Automotive sein oder die Fertigung jeglicher Produkte. Das kann Pharma sein, das kann Agrar sein, das kann die Glasindustrie sein – alles Mögliche. Überall, wo pneumatische Ventile im Einsatz sind.
Und dann habt ihr ja den Stecker gebaut und festgestellt: Jetzt haben wir Stecker, jetzt brauchen wir auch einen Master dazu, oder? Das war wahrscheinlich der Schritt zum nächsten Produkt.
Zoltán
Ja. Wir sind in Nischen unterwegs und haben erst einmal ein Produkt gebaut, das eins zu eins zu unseren eigenen Produkten passt – für Einzelventilanwendungen. Natürlich gibt es sehr viele Masterhersteller im Markt, die in den Maschinen über Feldbusprotokolle die Daten an die Maschinensteuerung weiterleiten. Aber unser Ziel ist ein anderes: Wir hatten vor, diese Daten, die wir auf den Magnetspulen messen, IoT-tauglich zu machen.
Deswegen der Gedanke, einen Master zu schaffen, der über Ethernet die gemessenen Daten in IoT-verständliche Protokolle umwandelt oder übersetzt und sie dann an die IoT-Systeme weiterleiten kann – für die Auswertung, für Condition Monitoring, für Predictive-Maintenance-Systeme und so weiter. Das ist auch genau der Grund, wie wir mit der Firma in.hub für ihre dezentrale Lösung in Kontakt gekommen sind.
Oliver
Genau, auf so einem klassischen Treffen, wo man sich gegenseitig präsentiert und sieht. Und da ist der Funke übergesprungen: Die Ansätze und die Ansprachen sind sehr ähnlich. So kam der Austausch enger zustande und hat ziemlich gut gematcht.
[08:24] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien
Jetzt für euch, Oliver: Mit eurer Plattform könnt ihr mehrere Protokolle, und IO-Link ist jetzt eine Erweiterung. Ein Master ist ja ein Device, das verschiedene Sensoren verbindet und zusammenführt. Jetzt geht es darum, wie man IoT-Daten an die IT weitergibt, an Dashboards, Analysen und Ähnliches. Wie war da der Ansatz in Sachen Durchgängigkeit? Habt ihr das konkret an einem Kundenbeispiel durchgespielt oder eher generisch aufgesetzt?
Oliver
Mit unserem Betriebssystem SIINEOS schaffen wir quasi ein Betriebssystem, in dem der Kunde sich die Applikation konfigurieren kann. Er muss keinen Code programmieren. Wir haben schon seit vielen Jahren verschiedene Protokolle am Start, auch Steuerungsanbindungen oder analoge und digitale Signale.
Unser Anspruch ist: Wenn wir etwas in SIINEOS einbinden, dass wir dann im Prinzip die Konfiguration des Geräts auch weitestgehend machen können. Das ist bei vielen Mastern am Markt im IO-Link-Portfolio nicht so einfach gegeben. Der Master von nass magnet hat uns imponiert, weil er die Daten sehr ungefiltert weitergibt und wir sie dann auswerten können.
Die Anforderung aus dem Markt an uns, eine geeignete IO-Link-Schnittstelle zur Verfügung zu stellen, um Sensoren und Aktoren besser für Condition Monitoring einzubinden, war schon länger da. Da haben sich die Wege gekreuzt. Wir können jetzt den Master, aber auch die Devices hinter dem Master, in SIINEOS konfigurieren. Das schafft einen großen Mehrwert: kein Software-Switching im Projekt, sondern direkt in SIINEOS alles konfigurieren.
Von der Architektur her sieht es so aus, dass wir im Edge-Device die Vorverarbeitung in unseren Geräten machen und auch eine Datenbank vorhalten, in die die Daten reinlaufen – egal, woher sie kommen: diskrete Ein- und Ausgänge, ein Protokoll oder in dem Fall IO-Link. Sie werden normiert und in eine Datenbank geschrieben. Dort setzen wir mit SIINEOS verschiedene Microservices auf: Grafana-Dashboard, Alarmierungstool, Cloud-Connectoren, ein SQL-Connector für die firmeneigene SQL-Datenbank. Wir sind sehr offen.
Wir können den Mehrwert direkt auf dem Edge-Device über Apps generieren, wie Grafana oder Alarm, oder die Daten weitergeben – zusammengefasst oder als Rohdaten, wie es für die Applikation beim Kunden benötigt wird. Wichtig ist uns, dass der Kunde vieles selbst parametrieren kann, dass wir nicht für jedes Kundenprojekt eine neue App oder einen neuen Connector bauen müssen, sondern dass der Kunde es parametrieren kann und seine Projektgeschwindigkeit hoch bleibt.
Funktioniert das auch schon so, dass ihr Applikationen habt, die häufiger verwendet werden? Dieses Spannungsfeld zwischen Standardisierung und Individualisierung ist ja nicht einfach. Wie ist das bei euch?
Oliver
Das wäre super, wenn wir die App hätten, die du gerade beschrieben hast: eine App für alles und alle Sorgen sind bereinigt. Leider ist es natürlich nicht so. Jeder Prozess ist unterschiedlich. Wir schauen in der Beratung relativ tief rein und schauen uns das an.
Aber die Werkzeuge, die ich dafür verwende, sind immer die gleichen. Wir brechen das auf verschiedene Werkzeuge herunter, die wir in den Werkzeugkasten unseres Betriebssystems packen, und damit realisieren wir die Applikationen. Werte normieren ist immer die gleiche Funktion und der gleiche Umgang. Das Schreiben in die Datenbank ist standardisiert im Hintergrund. Der User selektiert nur die Werte, die er speichern möchte.
Gerade bei IO-Link kommen sehr viele Werte. Die brauche ich nicht unbedingt alle in die Datenbank zu schreiben oder nicht so häufig wie Prozesswerte. Das kann man konfigurieren. Die Werkzeuge dafür sind da, und der Kunde kann es konfigurieren.
Wir holen den Kunden auch über YouTube und andere Informationskanäle ab. Das funktioniert sehr gut: Der Instandhaltungstechniker oder Ingenieur schaut sich an, wie man einen Wert normiert, baut es nach und generiert so seine Projekte sehr schnell. Die Werkzeuge sind vorhanden, sie müssen nur parametriert werden.
Und Zoltán, ihr habt das dann auch entsprechend eingesetzt: SIINEOS, eure Stecker, eure Endkunden. Habt ihr den kompletten Stack schon mal im Einsatz oder ist das eher Zukunft?
Zoltán
Sowohl als auch. Wir sind gerade dabei, das SIINEOS-System bei uns einzusetzen, beziehungsweise gemeinsam an Kunden heranzutreten, wo wir eine komplette Condition-Monitoring-Infrastruktur anbieten können. Wir liefern die strukturierten Daten, und in.hub macht daraus das Condition-Monitoring-System mit der Visualisierung.
Geht es eher darum, die Anwendung und die Verbindung zu IO-Link und weiteren Daten überhaupt zu ermöglichen, oder kann man sagen: günstiger, schneller, besser? Was sind die Hebel, die für den Endanwender entscheidend sind?
Oliver
Was wir bei Besichtigungen von Anlagen immer wieder erleben, ist: Sensoren sind eingesetzt, Schaltausgänge und Analogausgänge sind verdrahtet, die IO-Link-Daten sind da, aber sie liegen brach in der Anlage. Das Schöne an IO-Link ist die breite Produktpalette über viele Hersteller – die Standardisierung klappt gut. Wir sehen unheimlich viele Daten in Anlagen, die gar nicht verwendet werden. Viele Hersteller liefern IO-Link bei vielen Sensoren mit, aber genutzt werden oft nur die Schaltausgänge.
Das ist genau das Thema, an das ich Condition Monitoring ideal anschließen kann: Ich habe Sensorik und Aktorik im Feld verbaut, die mir Diagnosedaten senden, und ich muss sie nur aufnehmen und verarbeiten. Unser Ansatz ist, die Steuerungstechnik nicht weiter zu belasten, sondern die Daten direkt aufzunehmen, in die Datenbank zu schreiben und IT-Systeme zur Verfügung zu stellen – für Anomalieerkennung und so weiter – und die Prozesse unberührt zu lassen.
Dennoch können wir natürlich die Brücke in die Steuerungswelt schlagen. Wenn wir Meldungen an den Maschinenbediener übers Bedienpult absetzen wollen oder die Steuerung Informationen erhalten soll, können wir das. In SIINEOS gibt es viele Werkzeuge, um Steuerungskommunikation aufzubauen.
Der Treiber ist der Markt: Sensor- und Gerätehersteller bringen viele Geräte zu attraktiven Preisen in den Markt, die IO-Link-Daten senden – und die Daten wollen verwertet werden.
Hört sich sinnvoll an. Aber bei Projekten gibt es oft Schwierigkeiten. Könnt ihr erzählen: Was sind die Komplikationen? Wo seht ihr die größten Herausforderungen, wenn jemand solche Projekte angeht und die Daten nutzen möchte?
Oliver
Eine der größten Herausforderungen ist im ersten Projektgespräch, die richtigen Leute mit an den Tisch zu bekommen. In einem Unternehmen gibt es verschiedene Gruppen, jeder hat seinen Schmerzpunkt. Akzeptiert werden solche Systeme nur, wenn ein großer Nutzen aus vielen Richtungen erkennbar ist. Wir erleben oft, dass ein Bereich einen Nutzen heben möchte, aber dann im Fluss ausgebremst wird.
Ich glaube, inzwischen sind wir in der Branche so weit, dass die Themen, über die man stolpert, nicht mehr technischer Natur sind. Für sehr viele Dinge gibt es eine Antwort. Es ist eher das klare Definieren des Ziels und das Verfolgen: Sollen Alarme generiert werden, sollen Reports generiert werden? Was wollen wir optimieren? Ersatzteilverfügbarkeit im Lager? Besser wissen, wo Störungen in der Maschine entstehen? Ziele müssen klar definiert sein. Das ist eher eine organisatorische Hürde. Technisch gibt es viele Lösungen für viele Anwendungen.
Unterstützt ihr da auch? Viele Mittelständler haben vielleicht noch nicht den Überblick, was möglich ist.
Oliver
Ja. Wir haben verschiedene Möglichkeiten. Wenn ein Maschinenbauer sich Gedanken über ein digitales Geschäft macht, gehen wir mit Consulting rein und überlegen gemeinsam: Was macht er heute, was kann in Zukunft spannend sein – klassisch für Wiederverkäufer.
Und im Bereich Integration: Wenn ein Maschinenbetreiber einen Integrationspartner benötigt, haben wir in unserem Partnernetzwerk regional unterschiedliche Integrationspartner. Wichtig ist, dass der Integrationspartner in der Nähe sitzt und nicht unendlich weit anreisen muss. Die Brücken können wir schlagen.
Wenn man die Diskussion in der Community betrachtet, ist Semantik ein spannendes Thema. Konnektivität ist das eine, aber ein einheitliches Format und Verständnis hinzubekommen ist nicht trivial. Habt ihr da Erfahrungen?
Zoltán
Wir haben Experten bei uns im Vertrieb und im Programmmanagement-Team, die sich mit diesen Applikationen sehr gut auskennen und seit vielen Jahren derartige Produkte verkaufen. IO-Link bietet riesige Vorteile in der Verkabelung und vereinfacht das Anbinden der Sensoren über den Master.
Dann hat man die Daten.
Da bin ich selbst nicht so firm und daher die Frage: Ist IO-Link semantisch schon klar definiert, also eindeutig, welcher Sensor dahinter hängt, was er tut, was er misst? Gerade die Semantik, damit man das mit anderen Daten zusammenführen kann, um sinnvolle Ergebnisse zu generieren, zum Beispiel Vorhersagen.
Oliver
Im IO-Link-Umfeld spricht man da sehr oft von der IODD. Die IODD ist quasi die Treiberdatei, die Beschreibung der Sensordaten, Prozessdaten, aber auch Parameterdaten.
Wir gehen zwei Wege: Wir haben einen IODD-Interpreter. Da kann man die IODD reinladen, und es wird umgesetzt und in SIINEOS als Gerätetreiber hinterlegt. Parallel können wir das bereitstellen über ein Online-Portal, über einen Marktplatz, wo ich als Gerätehersteller die Gerätedateien zur Verfügung stellen kann und noch zwei, drei Funktionen mehr habe als das, was die IODD von Haus aus mitbringt.
Die Semantik in die IT-Welt ist dann noch mal eine andere Geschichte. Wir müssen die Daten in einer gewissen Struktur bereithalten. Da haben wir verschiedene Möglichkeiten, über OPC UA oder MQTT die Daten vorzuverarbeiten und zu formatieren, damit das, was du angesprochen hast, in der IT-Landschaft in der richtigen Struktur ankommt.
Ist die Übertragung dann immer problemlos oder gibt es auch mal Schwierigkeiten, Datenverlust oder Ähnliches? Wenn man das einmal verbindet, läuft es dann?
Oliver
Vom IO-Link-Sensor bis ins Edge-Device ist es eine kabelgebundene Verbindung, die von den Entfernungen her überschaubar ist und gut zu handhaben. Da sehe ich das Problem weniger.
Wenn wir über Qualität der Daten und Lückenlosigkeit sprechen, dann eher Richtung IT – vom Edge-Device bis in die Cloud oder bis auf einen Server. Da haben wir Connectoren und Treiber, die puffern können. Bei namhaften Cloud-Systemen haben wir Treiber, die zwischenpuffern. Es gibt aber auch Eins-zu-eins-Verbindungen, die bei Verbindungsverlust eventuell Daten verlieren. Da muss man in der Applikation schauen, was richtig ist und wie man die Daten valide hält. Dafür gibt es Werkzeuge.
Und wenn man das Ganze zusammenfasst: Habt ihr konkrete Beispiele von Kunden, was sie sich eingespart haben? Geringere Ausfallzeiten und Ähnliches?
Oliver
Einen handfesten Use Case arbeiten wir gerade parallel aus. Wir haben aber auch einen anderen Bereich, wo wir in die OEE- und Energieeinsparung sehr scharf reinschauen. Das ergänzt sich ideal mit IO-Link. Da bekommen wir immer wieder Berichte von Kunden, dass sie in kürzester Zeit eine gute Amortisationsrechnung aufstellen können. Das sind Projekte, die sehr stark ausrollen.
Ein Grund ist auch die Projektgeschwindigkeit: Wir kommen weniger in Projektcharakter, sondern sehr schnell ins Tun durch die Parametrierung im System, haben eine schnelle Reaktionszeit und können Ergebnisse sehr schnell darstellen.
[23:54] Übertragbarkeit, Skalierung und nächste Schritte – So könnt ihr diesen Use Case nutzen
Was sind eure nächsten Schritte? Erstmal in den Markt bringen oder gibt es auf der Produktroadmap weitere Entwicklungen?
Zoltán
Wir haben diverse Produkte in Vorbereitung, aber wir sind jetzt erst einmal bestrebt, die bestehenden Produkte erfolgreich in den Markt zu bringen und die Applikationen abzudecken, die wir auch hier mit in.hub in Angriff genommen haben.
Wir möchten unseren Master weiter ausbauen, Kommunikationsprotokolle übernehmen oder aufnehmen. Demnächst kommt ein Multiprotokoll-Master. Außerdem sind weitere Produkte in der Pipeline: ein IO-Link-Hub zum Beispiel, der ähnliche Funktionen haben wird wie der Smart Connector, sowie weitere Steckverbinder für die Steuerung von Proportionalventilen mit IO-Link-Technologie.
Super. Und Oliver, wie geht es bei euch weiter? Was sind die nächsten Schritte, wie sich IoT-Plattformen entwickeln?
Oliver
Wir haben große Bausteine vor der Brust, die nach und nach gelauncht werden. Das jüngste Kind ist der SQL-Connector, mit dem es Betreiber erlaubt, SQL-Datenbanken direkt zu beschreiben. Das heißt: Ich habe im Unternehmen eine SQL-Datenbank, eine Maschine, die ich für Condition Monitoring nachgerüstet habe, und kann die Brücke schlagen – einfach parametrierbar.
Ich hatte vorhin den Marktplatz angesprochen, die Online-Plattform, wo wir Treiberdateien zur Verfügung stellen können. Das ergänzt sich unheimlich gut mit IO-Link, weil ich noch schneller die Daten in SIINEOS habe, wenn Treiberdateien vorbereitet irgendwo liegen. Das bietet Geräteherstellern die Möglichkeit, Gerätetreiberdateien mit erweiterten Funktionen anzubieten. Das ist auch ein Thema: Wie kann ich mein Gerät mit zusätzlicher Software anreichern, interessanter machen, mich am Markt abheben? Solche Themen können wir mit bespielen.
Und wir sind gespannt auf unseren neuen HUB-SE100. Der hat mit IO-Link nichts zu tun, aber wir können näher an den Sensor ranrutschen: das erste dezentrale Modul von in.hub. Bisher waren unsere Schaltschrankmodule für die Hutschiene im Schaltschrank. Mit dem SE100 können wir direkt an der Anlage in die Sensorleitung zwischenstecken, in der Nähe vom Sensor das Signal digitalisieren und IT-Anwendungen zur Verfügung stellen oder im Schaltschrank weiterverarbeiten. So wird das Retrofit-Thema noch einfacher. Viele spannende Produkte – auf den einschlägigen Kanälen halten wir alle auf dem Laufenden.
Hervorragend. Vielleicht kommt ihr auch nochmal zurück und berichtet von weiteren Entwicklungen und eurer Zusammenarbeit. Ich finde es stark, wenn man so ein Match hat und dann einfach eine Zusammenarbeit aufsetzt und vorangeht. Das ergänzt sich schön, und ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Zoltán
Es ist eine perfekte Ergänzung, auch aus unserer Sicht. Wir sind bestrebt, diese Kooperation weiter auszubauen und zu schauen, welche neuen Entwicklungen sich für uns auf der Hardware-Ebene ergeben.
Parallel zu den in.hub-Themen sind wir auch bestrebt, in neue Industrien mit unserem IoT-Master vorzudringen, wie Gebäudeautomatisierung und Intralogistik, und die Produkte für diese Applikationen auszulegen.
Und ihr seid sicherlich interessiert an Partnern, die das mit euch gemeinsam tun. Wenn jemand den Podcast hört und sagt: Wir brauchen ein IO-Link-Master-Device – wie tritt man am besten mit dir in Kontakt?
Zoltán
Ich kann sehr gerne meine Kontaktarten hier hinterlassen, aber man findet mich auch auf unserer Homepage. Wir sind sehr offen für Kooperationen und Partnerschaften.
Oliver, wenn jemand auf euch zukommen möchte und IoT braucht, wie erreicht man dich am besten?
Oliver
Ich würde noch einen Schritt früher einsetzen. Die meisten Partnerschaften ergeben sich aus Gesprächen oder aus Ausloten: Wo ist wer unterwegs, wer kann was gebrauchen, wie kann man sich ergänzen? Da gerne ganz locker in Kontakt kommen.
Man trifft uns bei vielen Veranstaltungen und Messen. Natürlich auch über LinkedIn. In den Show Notes werden die Kontaktdaten zur Verfügung stehen. Wir sind überall unterwegs.
Zoltán
Wir sind dieses Jahr auch auf drei gemeinsamen Veranstaltungen, drei Messen zusammen: die All About Automation in Friedrichshafen, die All About Automation in Wels und die SPS in Nürnberg im November.
Die SPS ist bei mir auch immer fest im Kalender. Das ist ein bisschen meine Hausmesse, hier ums Eck von Erlangen. Ich handhabe das auch sehr gerne mit Gesprächen. Bei mir ist es eher generative KI für Organisationsentwicklung. Nichtsdestotrotz: Das war super spannend. Vielen Dank, dass ihr dabei wart. Vielen Dank an die Zuhörerinnen und Zuhörer, dass ihr die Thematik, die schon speziell und tiefgreifend ist, mit uns verfolgt habt. Bis zum nächsten Mal.
Oliver
Dankeschön.
Zoltán
Vielen Dank.


