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IoT in der Anwendung der intelligenten Abfallwirtschaft | Thermische Abfallbehandlung & Emissionen

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IoT Use Case Podcast Episode 130 - b.telligent + MARTIN GmbH

Podcastfolge 130 dreht sich rund um den Einsatz von IoT in der intelligenten Abfallwirtschaft im Kontext der thermischen Abfallbehandlung und Emissionskontrolle. Die Gäste sind Max Schönsteiner, Head of R&D, Leiter Forschung und Entwicklung bei der MARTIN GmbH für Umwelt- und Energietechnik, und Florian Stein, Principal Consultant und Teamleiter für IoT & Industrie 4.0 bei b.telligent.

Folge 130 auf einen Blick (und Klick):

  • [12:30] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus
  • [18:31] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien

Podcast Zusammenfassung

In der Folge geht es um das gemeinsame Projekt von b.telligent und MARTIN, genauer um spezifische Anwendungsfälle im Bereich Service und Aftersales mit dem Ziel, die Verfügbarkeit der Anlagen zu erhöhen. Dabei werden Herausforderungen und Lösungsansätze, wie die Integration von IoT-Technologien zur Optimierung der Anlagenverwaltung und Datenanalyse, erörtert. Der Fokus liegt auf dem Nutzen dieser Technologien für die Verwaltung und Wartung von Müllverbrennungsanlagen, einschließlich der Datenverarbeitung und -visualisierung mittels moderner Tools wie MQTT und Power BI.

Es werden zwei spezifische Use Cases aus dem Bereich der IoT-Anwendungen besprochen:

  1. Müllverbrennungsanlagen – Dieser Use Case, umgesetzt in Zusammenarbeit mit der MARTIN GmbH, konzentriert sich auf die Anwendung von IoT-Technologien zur Überwachung und Optimierung von Müllverbrennungsprozessen. Es werden Ansätze zur Datenerfassung und -analyse behandelt, die darauf abzielen, die Effizienz und Umweltverträglichkeit der Anlagen zu verbessern.
  2. Traceability Portal – Ein weiterer Use Case, der im Podcast erörtert wird, ist das Traceability Portal. Dieses System dient der Rückverfolgbarkeit von Komponenten und Prozessen, was besonders in industriellen und produktionsorientierten Umgebungen von Bedeutung ist, um Qualitätssicherung und Compliance zu gewährleisten.

Beide Use Cases verdeutlichen die praktische Anwendung von IoT-Technologien in der industriellen und umwelttechnischen Landschaft und zeigen, wie Unternehmen durch digitale Innovationen ihre Prozesse optimieren und nachhaltiger gestalten können.

Podcast Interview

Hallo Florian, hallo Max. Schön, dass ihr heute dabei seid. Herzlich willkommen im IoT Use Case Podcast. Ich freue mich sehr auf die Folge. Florian, wie geht es dir heute und wo bist du gerade?

Florian

Ich freue mich auf jeden Fall auch über die Einladung. Ich bin heute tatsächlich in München bei uns im Office. Mir geht es gut. Ich bin tatsächlich im Office, weil ich den Max nachher noch persönlich treffe.

Da hätte man fast zusammen aufnehmen können. Aber das heißt, ihr habt heute noch ein kleines Essen oder ein Meeting geplant?

Florian

Genau.

Sehr schön. Max, bist du bereits in München oder fährst du später hinüber?

Max

Ich bin schon in München. Danke nochmals für die Einladung, es freut mich, hier zu sein und mit euch zu diskutieren. Wir haben nachher eine kleine Retro und wollen unsere Erfolge im Projekt feiern.

Fantastisch. Nun zu einer persönlichen Frage: Ihr kennt euch, glaube ich, schon etwas länger. Können wir darüber sprechen, wie ihr bzw. eure Firmen sich kennengelernt haben? Gibt es eine persönliche Geschichte oder war das über einen vertrieblichen Weg?

Max

Wir sammeln schon relativ lange Daten, etwa 10-15 Jahre. Wir haben viel selbst gemacht und irgendwann festgestellt, dass uns das als Anlagenbauer schwerfällt. Wir brauchten Unterstützung und suchten regional nach Möglichkeiten. So hatten wir den ersten Kontakt mit b.telligent, mit Florian. Anfangs sind wir nicht zusammengekommen. Wir haben einen anderen Weg verfolgt, bis wir uns auf der World of Data 2022, vor zwei Jahren, trafen. Dort gab es einen großartigen Vortrag über IONOS Stackable Open Source Datenplattformen. Das war ausschlaggebend dafür, dass wir beschlossen, gemeinsam weiterzumachen.

Zum Thema IONOS Stackable, die ganzen Schlagworte, die du jetzt erwähnt hast, sprechen wir sofort darüber. Florian, hast du den Vortrag gehalten oder jemand aus eurem Team?

Stackable ist quasi eine Tochterfirma von uns, und der Mitgründer von Stackable hat den Vortrag gehalten. Ich war dabei und habe zugehört. Wie Max bereits erwähnte, haben wir uns danach ausgetauscht, und die Nähe zwischen der MARTIN GmbH und b.telligent, etwa 10 Minuten Fußweg, war ein weiterer guter Punkt.

Ich bin sehr gespannt, mehr über euch und das gemeinsame Projekt zu erfahren. Vielleicht beginnen wir mit einer kurzen Vorstellung von b.telligent, Florian, und dann gehen wir weiter… Max, du hast bereits erwähnt, dass es um eure Anlagen geht, darüber sprechen wir gleich. Kurz zu b.telligent: Florian, ich versuche es zu beschreiben, korrigiere mich bitte, wenn ich etwas falsch verstanden habe. B.telligent ist im Bereich Service, Dienstleistung, vor allem Consulting tätig, beschäftigt 300 Mitarbeiterinnen, hat mehr als zehn Standorte und über 500 Kunden. Die Hauptdienstleistungen im Bereich IoT Analytics, Device Management, also Geräteverwaltung, bieten sie an. Ihr seid unabhängig, arbeitet mit vielen verschiedenen Partnern, darunter Cloud-Hyperscaler, und habt auch etwas mit der IONOS Cloud zu tun. Ihr habt eine starke Historie im Bereich Microsoft Power BI und Data Warehousing. Du hast erwähnt, dass Stackable eine Tochtergesellschaft von euch ist. Das bedeutet, ihr habt viele verschiedene Unternehmen, die an euch angegliedert sind. Hat das so gepasst, oder gibt es Ergänzungen?

Florian

Ich kann ergänzen, wir kommen ursprünglich aus dem klassischen BI-Geschäft, wie du erwähnt hast, inklusive Reporting, Power BI und ähnlichem. Wir haben uns dann zunehmend auf den Aufbau von Datenplattformen und das Thema Data Analytics konzentriert, das jetzt auch einen großen Stellenwert bei uns einnimmt. Wir wurden bei Brand Eins kürzlich auf Platz 1 ausgezeichnet. Zusätzlich ist IoT Analytics ein wichtiger Bereich für uns, vor allem beim Aufbau von Use Cases und Infrastrukturen.

Du bist Principal Consultant und Team Lead, spezialisiert auf IoT und Industrie 4.0 Systems bei b.telligent. Kannst du erzählen, was deine Abteilung genau macht und mit welchen Kunden ihr arbeitet?

Florian

Unsere Abteilung kümmert sich hauptsächlich um skalierbare und sichere Cloud- und Edge-Infrastruktur, die wir bei unseren Kunden aufbauen. Wir haben Spezialisten im Bereich Infrastructure as Code und GitOps, um containerisierte Apps, insbesondere im Edge-Bereich, effektiv auszurollen. Wir kümmern uns auch um die Anbindung von IoT-Geräten und die Integration in unsere Datenplattform, was in Zusammenarbeit mit anderen Teams bei uns geschieht.

Könntest du die verschiedenen Kundensegmente beschreiben, mit denen ihr arbeitet, insbesondere eure Arbeit mit der MARTIN GmbH?

Wir sind, da wir aus der klassischen BI kommen, sehr breit aufgestellt, insbesondere in den Branchen Telekommunikation, E-Commerce und Handel. Seit etwa fünf Jahren engagieren wir uns verstärkt im Bereich Manufacturing, Maschinen- und Anlagenbau. Hier arbeiten wir unter anderem mit der MARTIN GmbH zusammen, um deren Geräte oder Anlagen mit der Cloud zu verbinden.

Was sind dann klassischerweise die Use Cases, die ihr umsetzt, insbesondere bei Herstellern und im Maschinen- und Anlagenbau? Geht es vor allem um digitale Dienstleistungen und Condition Monitoring der Anlagen?

Florian

Das Spektrum ist sehr breit. Wir beschäftigen uns intensiv mit Condition Monitoring und arbeiten aktuell in vielen Projekten an Traceability, um die Rückverfolgbarkeit einzelner Bauteile sicherzustellen. Das Thema GenAI ist aktuell sehr präsent, einschließlich der Entwicklung von Chatbots für den Werkersupport und Kundensupport. Zudem haben wir das Thema Predictive Maintenance, wo wir unsere Data Analytics Abteilung einbinden.

Um den Bogen zu euch und eurem gemeinsamen Projekt zu spannen: Max, ihr seid Maschinen- und Anlagenbauer, spezialisiert auf die thermische Abfallverwertung. Ihr stellt Anlagen her, die Abfälle, die nicht recycelbar sind, thermisch verwerten, um Energie und bestimmte Stoffe zu extrahieren. Ihr arbeitet also nach dem Recyclingprozess und behandelt Stoffe, die nicht mehr verwertet werden können. Ihr seid weltweit führende Anbieter für Anlagen zur thermischen Abfallverwertung. Das sind im Endeffekt Recyclinganlagen. Kann man das so sagen? Und wer sind so eure Kunden?

Max

Ganz korrekt ist es nicht. Wir sind die Abfallbehandlung. Wir bauen Anlagen zur thermischen Abfallbehandlung. Wir sind die, die nach dem Recycling kommen. Wir bekommen das, was keiner mehr recycelt. Man nennt es politisch nicht-rezyklierbare Stoffe, wo man nichts mehr rausholen kann. Wir versuchen, möglichst viel daraus zu machen. Unser Ziel ist es, so viel wie möglich daraus zu gewinnen, indem wir Energie und bestimmte Stoffe extrahieren und Inertisierung sowie Hygienisierung durchführen. Wir versuchen auch, Schadstoffe zu entfernen, ähnlich der Nierenfunktion in der Kreislaufwirtschaft.

Hast du ein Beispiel dafür, was ihr verwertet und welche Art von Schadstoffen?

Max

Unsere Brennstoffe bestehen hauptsächlich aus typischen Siedlungsabfällen, also dem Inhalt der schwarzen Tonnen zu Hause. Diese enthalten eine Vielzahl von Elementen aus dem Periodensystem und weitere, die durch thermische Prozesse zerstört werden sollen.

Es gibt also viele Kunden aus dem kommunalen Bereich sowie private Kunden?

Max

Querbeet. Wir bedienen kommunale Kunden, PPS und private Kunden weltweit, jede unserer Anlagen ist ein Unikat.

Diese Anlagen sind wahrscheinlich sehr groß und komplex. Sind es Sondermaschinen? Kannst du etwas über die Größe und Komplexität eurer Anlagen erzählen?

Max

Wir fertigen bestimmte Komponenten selbst, wie das Verbrennungssystem und die Verbrennungsroste, wo der Abfall umgesetzt und verbrannt wird. Es gibt viele Zukaufteile, wie Bläser und andere Komponenten, die wir integrieren. Die Größe einer Anlage kann man am besten über den Mülldurchsatz beschreiben, etwa 100.000 Tonnen pro Jahr. Das ist eine typische Größe, aber es geht auch wesentlich größer. Die Anlagen sind modular aufgebaut mit verschiedenen Verbrennungslinien, die unterschiedliche Wartungsintervalle haben.

Wo stehen diese Anlagen? Du hast erwähnt, dass sie weltweit im Einsatz sind. Wo sind die örtlich?

Max

Es handelt sich um Kraftwerke, auch große Kraftwerke, idealerweise im Stadteinzugsgebiet platziert, um Fernwärme zu produzieren. Fernwärmeversorgung ist eins der größten Punkte, die wir mit unserer Anlage oder Kunden betreiben. In München trägt zum Beispiel die Ölverbrennungsanlage wesentlich zum Fernwärmenetz bei und nutzt Reststoffe zur Wärmeerzeugung, die dann in Haushalten genutzt wird.

Also, sie befinden sich in Kraftwerken und nicht etwa in Kellern oder ähnlichen Orten?

Max

Genau, wir sprechen hier von etwa 100 Megawatt thermischer Leistung, also von großen Kraftwerken.

Ich glaube, das hilft so ein bisschen in der Einordnung, das so ein bisschen zu verstehen. Ihr betreut über die gesamte Lebensdauer der Anlagen. Da geht es um Maintenance und Services für eure Kunden. Was ist jetzt hier eure Vision in Richtung Digitalisierung? Ihr sammelt ja schon sehr lange Daten, aber was ist im Bereich IoT eure Vision?

Max

Bei uns ist auch das Servicegeschäft ganz wichtig. Die Anlagen laufen 30-40 Jahre und länger. Es müssen natürlich Sachen gewartet werden, ausgetauscht werden, Ersatzteile, Modernisierungen. Die Anlage lebt quasi und entwickelt sich weiter. Und unser Ziel ist es, zu diesem klassischen Servicegeschäft, das wir betreiben, einfach auch der Ansprechpartner in der thermischen Abfallbehandlung für digitale Services zu werden. Das ist unser Ziel.

[12:30] Herausforderung, Potenziale und Status quo. So sieht der Use-Case in der Praxis aus.

Jetzt hast du erwähnt, dass ihr umfassenden Service anbietet. Könntest du beschreiben, warum ihr diesen Weg geht, vielleicht auch anhand der Probleme eurer Kunden? Was sind genau die Herausforderungen, die eure Kunden erleben?

Max

Genau, die Anlagen sind für uns von hoher Relevanz, weil sie entsorgen müssen, und wir benötigen Entsorgungssicherheit. Daher sind diese Anlagen sehr wichtig. Eines der größten KPIs ist die Verfügbarkeit der Anlage. Sie benötigt eine möglichst lange Verfügbarkeit, also geringe Stillstandszeiten und wenige ungeplante Stillstände, um die Verfügbarkeit hochzuhalten. Verfügbarkeit ist ein relevanter Punkt. Unsere Anlagen stehen auch vor zukünftigen Herausforderungen wie Fachkräftemangel. Viele unserer Kunden haben sehr erfahrene Mitarbeiter, die Trends genau beurteilen können. Unser Ziel ist es, dieses Prozesswissen mit Daten und Datenanalytik zu kombinieren, um den Betreibern smarte Lösungen zu bieten.

Du hast von Trends gesprochen, die die Experten bei euren Kunden kennen. Kannst du einige Beispiele nennen, um über die Daten zu sprechen?

Max

Die Anlage ist komplett mit Messungen ausgestattet – Temperatur, Volumenstrom, Drücke – die sehr wichtig sind, um den Zustand der Anlage zu beurteilen. Fahren wir gute Temperaturen? Erreichen wir die gewünschten Volumenströme und Sauerstoffwerte? Messdaten sind entscheidend, um zu beurteilen, in welchem Bereich wir uns befinden und um sicherheitstechnische Standards zu wahren. Typischerweise wird aus der produzierten Wärme Dampf gemacht, und es darf nicht zu einer sicherheitstechnisch kritischen Überproduktion von Dampf kommen. Daher gibt es Tausende Messinstrumente an den Anlagen, von denen einige besonders wichtig sind, während andere vielleicht weniger beachtet werden, obwohl sie wichtige Informationen liefern könnten. Unser Prozesswissen, das wir durch das Design und die Auslegung der Anlagen haben, ermöglicht es uns, zu evaluieren, ob die Anlage noch im Designpunkt fährt und ob der Betriebszustand den Berechnungen entspricht oder Abweichungen vorliegen.

Okay, also du hast schon erwähnt, dass euch vor allem die Verfügbarkeit wichtig ist. Ihr habt diese Werte digital verfügbar, um den Kunden unterstützen zu können. Was passiert, wenn die Werte nicht im Soll sind, zum Beispiel wenn die Sauerstoffwerte nicht den gewünschten Grenzen entsprechen? Was wäre der Worst Case, wenn diese Daten nicht aufgenommen werden?

Max

Im Worst Case, wenn bestimmte Werte nicht eingehalten werden, haben wir eine strenge Überwachung der Emissionswerte. Wir nutzen ein aufwendiges Gasreinigungssystem in unseren Anlagen, um Schadstoffe aus dem Müll, die in die Gasphase übergehen, abzutrennen. Der Worst Case wäre, dass wir Emissionen überschreiten und Schadstoffe in der Abluft enthalten sind, die schädlich für die Umwelt sind. Wird das gemessen, wird die Anlage abgeschaltet, um zu klären, was schiefgelaufen ist. Unser Ziel ist es, nicht in diese Situation zu kommen, sondern frühzeitig zu erkennen, dass wir uns in diese Richtung bewegen und entsprechend zu handeln, wie etwa die Luftverteilung anzupassen oder Volumenströme zu ändern. Es kann auch sein, dass man mit Lasten runtergeht und bestimmte Sachen abwartet. Die größte Herausforderung bei uns ist eigentlich der Brennstoff, weil das, was in die schwarze Tonne reingeworfen wird, das kennen wir nicht. Man kann es zwar analysieren, aber eigentlich kriegen wir irgendwas und das müssen wir irgendwie verwerten. Deswegen sind die Messwerte, weil wir einfach nur darauf reagieren können, so enorm wichtig.

Und euer Ziel ist es, proaktiv zu handeln, richtig? Also, wenn sich Trends abzeichnen, die außerhalb des Sollwerts liegen, gebt ihr euren Kunden entsprechende Handlungsempfehlungen. Bei dem Thema Emissionen gibt es auch eine strenge Nachweispflicht, oder?

Max

Genau, die Nachweispflicht ist sehr streng reglementiert. Deswegen haben wir uns bisher noch rausgehalten, ist natürlich technisch möglich, das ist gar keine Frage. Für uns ist es einfach wichtiger, mit den Daten auch wirklich den Mehrwert zu den Kunden zu identifizieren. Und unsere Strategie ist, dass wir da ziemlich eng mit den Kunden zusammenarbeiten. Wir entwickeln quasi mit den Kunden gemeinsam KPIs, bestimmte Themen, bestimmte Empfehlungen, die wir ihm geben, um dann auch wirklich zum Kunden fokussiert auch das zu liefern, was er braucht.

[18:31] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien

Ihr habt ja euch jetzt für b.telligent ausgesprochen. Wir haben gerade so ein bisschen gehört, wie ihr zusammengekommen seid. Was waren denn hier so technologische Anforderungen an die Lösung? Eure Maschinen stehen irgendwie weltweit. Ihr habt wahrscheinlich bestimmte technologische Anforderungen, die euch wichtig sind. Welche waren das?

Max

Wichtig war vor allem der erste Schritt, von On-Premises wegzukommen, also die Daten nicht mehr lokal zu hosten. Das war kapazitativ für uns nicht machbar und hätte keinen Mehrwert in Bezug auf Know-how-Aufbau gebracht. Zudem haben wir revidiert, welche Anforderungen erfüllt werden müssen. Unsere Anlagen sind typischerweise KRITIS-Anlagen, also sehr wichtig und müssen strenge Cybersecurity-Regeln einhalten. Wir brauchten eine Plattform, die sehr sicher und transparent ist, wollten aber auch innovative Lösungen integrieren. Der Weg zu Open Source und die Zusammenarbeit mit Stackable, IONOS und b.telligent ergaben sich dann daraus.

Du sagst, ihr wolltet von On-Premises weg. Warum genau wolltet ihr diesen Schritt machen?

Max

Die Problematik bei On-Premises war, dass wir die gesamte Infrastruktur selbst pflegen und betreiben müssten. Unser Kerngeschäft ist jedoch der Bau von Anlagen und die Nutzung der Daten, nicht das Betreiben von IT-Infrastruktur. Wir haben überlegt, ob wir es selbst machen oder Experten hinzuziehen und in eine Cloud-Infrastruktur investieren, die schnelleres Skalieren ermöglicht. Die Entscheidung fiel darauf, wenn wir die Sicherheit in der Cloud gewährleisten können, dann ist das ein machbarer Weg für uns.

Und dann habt ihr euch für b.telligent entschieden?

Max

Ja, wir haben Florian und sein Team beauftragt.

Florian

Genau, wie Max schon erwähnte, ist Skalierbarkeit sehr wichtig, vor allem aufgrund der Datenmengen und der vielen Anlagen mit separaten Linien. Das Skalieren funktioniert mit der Cloud einfach besser.

Was kann eure Lösung jetzt genau? Was beinhaltet diese und was macht die Lösung ein Stück weit besonders?

Max

Auf unseren Anlagen haben wir ein Edge Device installiert, das die Daten sammelt und in die Cloud sendet. In der Cloud haben wir verschiedene Pipelines, um die gewünschte Datenqualität zu erreichen. Wir haben auch Berechnungen und Auswertungen hinterlegt. Zusätzlich gibt es eine Visualisierung, wo wir Trends darstellen können, ähnlich wie im Leitsystem eines Kraftwerks. Wir nutzen auch Power BI, um KPI-Reports zu erstellen und unseren Kunden Zugriff darauf zu ermöglichen.

Florian, kannst du ergänzen, was von b.telligent und Stackable kommt und was die MARTIN GmbH selbst macht? Wo kommt ihr genau ins Spiel?

Florian

Die Stackable Datenplattform ist auf der IONOS Cloud gehosted. Was wir machen, ist, dass die MARTIN-Mitarbeiter das Edge Device an den Anlagen installieren, und die Daten werden dann von OPC UA über einen Broker per MQTT weitergeleitet. In unserer Stackable Datenplattform nehmen wir die Daten am MQTT Broker auf. NiFi nutzen wir als Rule Engine, um die Daten in die verschiedenen Pfade für Echtzeit- und Batch-Analyse zu verteilen.

Bei der Datenaufnahme nutzt ihr also OPC UA, und die Daten werden dann über MQTT weitergeleitet. Wir sprechen hier über Rohdaten wie Temperatur, Volumenstrom, Sauerstoffwerte und Dampfwerte. Ihr liefert keine Hardware, sondern nehmt die Daten auf und koppelt sie an Stackable, richtig?

Florian

Genau, man kann sich Stackable als eine Kubernetes-basierte Datenplattform vorstellen. Diese ist in der IONOS Cloud gehostet. Wir nehmen die Rohdaten auf, speichern diese zunächst ab. Jede Anlage hat unterschiedliche Tag Names, die sie im OPC UA haben, was die Datenharmonisierung erforderlich macht. Nach der Standardisierung der Daten im nächsten Layer führen wir Berechnungen durch und bereiten sie für die Visualisierung in einem „trusted layer“ auf. Im Echtzeit-Part nutzen wir Kafka, um die Daten zu harmonisieren und on the fly zu standardisieren, schreiben sie in eine Zeitreihen-Datenbank, was Echtzeitmonitoring mit Grafana ermöglicht.

An der Stelle übrigens ein Hinweis zu Kafka, zu diesem Thema haben wir mit Confluent eine eigene Folge gemacht. Hört da gerne rein, ich verlinke das in den Show Notes. Es geht hierbei ums Daten-Labeling, also darum, den Daten einen gleichen Nenner und eine einheitliche Verständlichkeit zu geben, um die Datenqualität, die vorliegen muss, zu nutzen und zu verarbeiten.

Florian

Genau, das hast du richtig ausgedrückt.

Bezüglich der Datenübertragung, nutzt ihr Wi-Fi oder Mobilfunk in so einem kritischen Bereich wie einem Kraftwerk?

Florian

Wir nutzen immer die Firewall des Kunden. Die Datenübertragung erfolgt One Way und immer in Absprache mit den Kunden.

Und Florian, wenn ihr die Daten habt, die auf der Stackable Datenplattform sind und in der IONOS Cloud gehostet werden, wie erfolgt dann die Visualisierung und Datenanalyse? Wie erkennt ihr, ob Werte wie Volumenströme oder Sauerstoffwerte nicht im Soll sind?

Florian

Für diese Analysen benötigen wir das Fachwissen von Max und seinem Team. Wir stimmen uns eng ab, um die Sollwerte zu definieren und darauf das Reporting aufzubauen. Wir berechnen neue Werte oder KPIs, indem wir Spark-Applikationen bauen, die diese Berechnungen durchführen und speichern. Wir haben über eine Expertin für Visualisierung in Power BI, die in enger Zusammenarbeit mit dem Team von Max die Soll- und Ist-Werte visualisiert.

Florian, was macht b.telligent besonders im Vergleich zu anderen Anbietern auf dem Markt? Besonders im Hinblick auf die Offenheit gegenüber Hyperscalern, bestimmte Zertifizierungen und Vorteile, sowie das Management und die Sicherheit der Daten?

Florian

Was uns auszeichnet, ist unsere langjährige Erfahrung im Daten-Business; wir sind seit 20 Jahren darin aktiv. Wir sind Experten in der Datenstrukturierung und im Aufbau von Datenarchitekturen mit verschiedenen Layern – raw, standardized, curated – und können diese automatisiert abbilden. Unser Know-how haben wir durch zahlreiche Projekte mit Kunden, besonders im Manufacturing-Bereich, gewonnen. Hier ist oft fachlicher Input erforderlich, den wir schnell in Datenverständnis übersetzen können und bieten von Anfang bis Ende skalierbare Lösungen an. Wir haben auch vorgefertigte Module für den schnellen Aufbau von Lösungen, wie beispielsweise Infrastructure as Code, die wir oft mit Terraform implementieren, oder GitOps-Ansätze mit Argo CD, für die wir Vorlagen entwickelt haben. Diese ermöglichen es uns, Datenplattformen schnell auszurollen und den Kunden dann wirklich schnell einen Mehrwert liefern können.

Genau, auch aus der Praxis heraus. Max, du hast gesagt, ihr habt vor allem nach einem Anbieter gesucht, der hier entsprechende Verschlüsselung und Sicherheit bietet, aber auch, dass ihr die Kontrolle über die Daten behaltet. Was rein- und rausgeht, solche Themen. Was ist da aus deiner Sicht noch das Besondere an b.telligent?

Max

Also für uns war es wichtig, dass sie unabhängig von den Plattformen sind. Sie verfügen über AWS Skills, Azure Skills und Erfahrung mit anderen Plattformen wie IONOS. Das fanden wir sehr interessant, denn während AWS oder Azure großartige Anwendungen haben, wo es Sinn macht, bestimmte Funktionen zu nutzen, müssen wir offen bleiben und herausfinden, wo wir den größten Erfolg erzielen können. Deshalb war es für uns wichtig, dass wir plattformübergreifend einen Ansprechpartner haben, der uns dabei unterstützt.

Ich schaue gerade auf die Zeit, weil ich noch viele Fragen habe, die mich interessieren, aber wir können das auch später klären. Oder wenn ihr sagt, das ist spannend, wir haben ein ähnliches Thema, könnt ihr gerne Max und Florian kontaktieren. Ihre LinkedIn-Profile verlinke ich in den Show Notes. Die letzte Frage für heute: Habt ihr schon Erfahrungen in der Zusammenarbeit gesammelt? Habt ihr etwas, das ihr der Hörerschaft mitgeben möchtet? Welche Erfahrungen könnt ihr teilen? Gibt es Fallstricke, auf die man achten sollte? Was wollt ihr betonen?

Florian

Ich denke, die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden ist sehr wichtig. In unserem Fall hat Max viel Fachwissen eingebracht, und wir haben das Thema Data Governance parallel vorangetrieben, das ist auch sehr wichtig, dass man das frühzeitig angeht und da auch etabliert. Offene Kommunikation ist ein Schlüssel. Wir hatten klare Ziele, aber auch Spielraum, um agil den sinnvollsten Weg zu wählen. Das hat viel erleichtert. Wenn wir noch einmal starten würden, würde ich einen meiner Mitarbeiter von Anfang an stärker einbinden. Das ist ein spannendes Thema, und jeder Softwareingenieur findet das interessant. In dem Kontext, in dem wir arbeiten, ist es besonders faszinierend. Wir sind dabei, die Operations zu übernehmen, und es wäre taktisch klug gewesen, jemanden früher einzubinden. Das ist nicht passiert, aber wenn wir noch einmal ein solches Projekt starten müssten – zum Glück müssen wir das nicht -, würde ich das tun.

Ja, wichtige Learnings, die man für Folgeprojekte mitnehmen kann. Zum Ende hin nochmal zusammenfassen: Heute haben wir gut verstanden, was der Business Case für die MARTIN GmbH ist, was die Kunden bewegt und warum sie diesen Weg gehen. Der Fokus liegt darauf, einen Mehrwert aus den Daten zu schaffen, Analysen durchzuführen und das Maschinenwissen weiterzugeben, um die Verfügbarkeit zu gewährleisten und auch Themen wie Emissionsvorschriften einzuhalten – alles auf Datenbasis. Florian, vielen Dank für die Erläuterungen. Wie funktioniert das genau? Wie geht man von Edge-Geräten in die Cloud, in eure Datenplattform? Vielen Dank für eure Zeit. Das letzte Wort übergebe ich euch. Von meiner Seite vielen Dank für die spannenden Einblicke in euer Projekt.

Florian

Danke, Madeleine. Es hat mich gefreut, hier zu sein. Wer mehr erfahren möchte, am 6.6. ist die World of Data in München am Nockherberg. Dort wird Max einen Vortrag halten. Ansonsten freue ich mich auf das nächste Mal.

Kleiner Hinweis: 6.6.2024, World of Data in München. Florian, kannst du mal kurz erklären, was das für eine Messe ist?

Florian

Die World of Data ist eine Messe für Daten-, IoT- und Data-Analytics-Liebhaber. Dort gibt es Vorträge von Kunden und externen Experten zu ihren Datenprojekten. Genau, das vielleicht kurz zusammengefasst.

Sehr schön, das verlinke ich in den Show Notes. Wenn ihr danach reinhört, auch kein Problem, dann connectet euch einfach mit Florian und dann könnt ihr da auch nochmal Kontakt aufnehmen. Sorry, Max, das letzte Wort jetzt aber wirklich an dich.

Max

Danke. Super, hat viel Spaß gemacht. Ich glaube, wir haben eine super Basis jetzt geschaffen, um den nächsten Use Cases anzugehen. Auch KI ist so ein Thema, wo wir jetzt eigentlich eine super Basis haben, da weiterzumachen und neue Ideen anzubringen. Da haben wir schon viele, viele Ideen, was wir machen könnten, und sind da natürlich gerne bereit, uns mit den Leuten auszutauschen und uns auch ein bisschen zu erzählen, wie wir was machen, warum wir was machen, jederzeit.

Dann vielen Dank und noch eine schöne Restwoche für euch. Macht’s gut. Ciao.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Questions? Contact Madeleine Mickeleit

Ing. Madeleine Mickeleit

Host & Geschäftsführerin
IoT Use Case Podcast