In dieser Sonderfolge des IoT Use Case Podcasts begrüßt Gastgeberin Ing. Madeleine Mickeleit erstmals ihren neuen Podcast Co-Host Dr. Peter Schopf. Gemeinsam sprechen die beiden mit Jens Petri, Manager Business Development Digitalization bei GMN Paul Müller Industrie GmbH und Co. KG und erfahrener IoT-Praktiker aus der Stahlwerksumgebung.
Im Fokus der Episode stehen die Umsetzung von IoT-Projekten, typische Stolpersteine und die Frage, warum viele Initiativen ohne ein klares Warum scheitern. Die Runde teilt Erfahrungen aus über hundert Industrieprojekten und zeigt, wie Unternehmen Use Cases sinnvoll priorisieren, funktionierende Partnerschaften aufbauen und kollektives Erfahrungswissen für ihre eigenen Projekte nutzen können.
Podcast Zusammenfassung
IoT erfolgreich umsetzen: Warum Purpose, Partnerschaften und kleine Use Cases zählen
In dieser Folge sprechen Ing. Madeleine Mickeleit, Dr. Peter Schopf und Jens Petri über zentrale Erfolgsfaktoren in IoT-Projekten. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum viele Initiativen ins Stocken geraten und wie Unternehmen den Fokus vom Technologiestart hin zu einem klaren Nutzen entwickeln. Ein definiertes Warum wird zur Grundlage für Entscheidungen rund um Sensorik, Datenmodelle und Plattformen.
Anhand konkreter Beispiele aus Stahlwerken und Maschinenbau zeigt Jens, wie kleine, präzise Use Cases schnell messbare Effekte erzielen, etwa durch frühzeitige Verschleißerkennung oder die Überwachung kritischer Komponenten. Solche Ansätze schaffen Vertrauen, erleichtern die Skalierung und verhindern teure Fehlentwicklungen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bedeutung von Partnerschaften. IoT-Projekte leben von interoperablen Lösungen. Sensorik, Connectivity, Gateways und Software müssen zusammenwirken. Beispiele wie die fränkische Allianz von GMN zeigen, wie technologische Kooperation echte Innovation ermöglicht und alte Wettbewerbsgrenzen aufweicht.
Außerdem erfahren die Hörer, warum Dr. Peter Schopf künftig den Podcast hosten wird und welche Perspektiven und Erfahrungen er dabei einbringt.
Diese Episode liefert kompakte Orientierung für alle, die IoT-Projekte pragmatisch, skalierbar und mit Blick auf realen Nutzen umsetzen wollen.
Podcast Interview
Hallo liebe Freunde des IoT. Heute gibt es eine kleine Sonderfolge, denn ich stelle euch zum ersten Mal in meiner Podcast-Karriere meinen neuen Podcast Co-Host Peter vor. Und ich habe noch eine große weitere Neuigkeit für euch, die ich gleich verrate. Natürlich gibt es auch heute wieder viel Inhalt zur Umsetzung von IoT-Projekten. In dieser Folge teilen wir Erfahrungen aus über hundert Projekten und geben ein paar echte Denkanstöße und Perspektivwechsel mit. Unter anderem, wie man Projekte von Anfang an auf den Nutzen statt auf die Technik ausrichtet, wie man über alte Feindschaften hinwegkommt hin zu echten IoT-Partnerschaften, die wirklich funktionieren, und wie ihr von kollektivem Erfahrungswissen profitieren könnt. Wie immer anhand von realen Use Cases. Mit dabei ist heute ein Anwender, Jens, mit Vergangenheit in der Stahlwerksumgebung. Er ist heute Manager Business Development Digitalization bei GMN, einem mittelständischen Maschinenbauer. Alle Infos zur Umsetzung eurer Projekte findet ihr wie immer unter www.iotusecase.com und die Kontaktdaten in den Show Notes. Viel Spaß und ab ins Podcaststudio.
Hallo Peter! Peter, wer bist du eigentlich?
Peter
Hallo zusammen. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt bei der ersten Folge dabei sein darf und auch auf die weiteren Folgen. Wer bin ich? Das ist fast eine existenzielle Frage zum Einstieg. Ich fange mal mit der typischen Vorstellung an. Ich war viele Jahre bei Siemens in verschiedenen Führungspositionen, angefangen bei Metals Technology über Smart Grid und den Mobilitätssektor. Zum Schluss war ich bei Digital Industries und habe dort unterschiedliche Themen verantwortet, vor allem Business Development, Strategie, kaufmännische Themen und zuletzt eine Datenplattform, die dem einen oder anderen im IoT-Umfeld vielleicht bekannt vorkommt, Mindsphere. Dieses Umfeld hat sich sehr dynamisch entwickelt und ich habe dort viel gelernt. In dieser Zeit habe ich auch meine Promotion in Wirtschaftsinformatik begonnen. Ich promoviere an der Friedrich Alexander Universität in Erlangen, wo ich auch lebe.
Grüße nach Erlangen.
Peter
Genau, ich sitze und lebe in Erlangen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Mittlerweile habe ich mich mit meinen zwei Brüdern selbstständig gemacht. Wir konzentrieren uns stark auf generative KI, ein wirklich spannendes Umfeld. Da kommt vieles zusammen und darüber können wir heute hoffentlich auch sprechen. Wo kommen die Daten her? Wie werden sie verarbeitet, auch durch KI? Und wie geht es weiter? Das sind die Themen, die mich gerade beschäftigen und prägen.
Sehr schön. Daher kennen wir uns auch. Falls ihr euch wundert, wie diese Runde heute zustande kommt, Peter und ich kennen uns schon eine ganze Weile. Ich habe eben auf LinkedIn nachgeschaut, ich bin 2018 zu Siemens gekommen und hatte damals auch das Thema Mindsphere auf dem Tisch, aus der Region Deutschland herausgetrieben. In dieser Rolle haben wir uns kennengelernt. Es ist schon lange her. Richtig cool, dass wir immer Kontakt gehalten haben. Eine spannende Zeit, aus der wir heute einige Einblicke teilen können.
Peter
Genau, im Guten wie im Lehrreichen haben wir viel mitgenommen.
Schön formuliert. Für alle, die sich fragen, warum ich Peter jetzt hier dabei habe. Ich gehe in Elternzeit. Richtung Ende des Jahres 2025 ziehe ich mich etwas aus dem Operativen zurück, bin aber nächstes Jahr wieder am Start. In der Zwischenzeit haben wir viele spannende Themen, die wir im Podcast weiter vorstellen wollen. Deshalb freue ich mich, das Ganze vertrauensvoll in deine Hände zu geben. Ich freue mich auch darauf, den Podcast selbst zu hören und auf die Folgen, die du gestalten wirst. Vielleicht kannst du noch etwas Persönliches von dir erzählen und sagen, worauf du dich bei den kommenden Folgen am meisten freust.
Peter
Dir an der Stelle auch noch einmal herzlichen Glückwunsch. Zwillinge bekommt man nicht alle Tage. Da wartet einiges auf dich. Schön, dass ich dir für die Zwischenzeit ein wenig abnehmen kann. Ich habe selbst zwei Töchter, neun und zwölf Jahre alt. Wir machen gerade zusammen die Platzreife. Golf hatte ich immer mal im Blick, aber nie richtig ausprobiert. Neulich haben wir bei einem Turnier für Nicht-Golfer mitgemacht. Es hat so viel Spaß gemacht, dass sogar meine Kinder, sonst eher typische Teenager, richtig motiviert waren. Jetzt freuen sie sich darauf, gemeinsam rauszugehen in die Natur und Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich freue mich daher auf mögliche Golfpartien. Vielleicht hat ja jemand Lust. Ich stehe noch am Anfang, aber habe richtig Gefallen daran gefunden.
Nice, irgendwie ist das in meinem Freundeskreis auch ein Thema geworden. Ich selbst habe noch nie Golf gespielt, aber kenne einige im Umfeld. Kurz bevor wir zu dir kommen, Jens, spielst du auch Golf?
Jens
Zu meinem Leidwesen nein. In Korea hätte es in den letzten Jahren gut gepasst, wenn ich mit dem einen oder anderen hätte Golf spielen können. Aber ich kann es leider nicht.
Nicht so, okay, vielleicht kommt das ja noch.
Peter
Ich habe auch gehört, es ist nie zu spät. Das kann noch werden.
Ihr habt es gerade gehört, Peter hat schon gesagt, wir bekommen Zwillinge. Normalerweise teile ich privat nicht so viel, aber ja, wir bekommen zwei Mädchen, also zwei zukünftige IoT-Lerinnen. Spaß, wir lassen uns überraschen, was sie in den nächsten Jahren machen werden. Ich bin total gespannt auf die Zeit. Mir ist wichtig, dass ich den Podcast seit über fünf Jahren mache und wir eine tolle Hörerschaft haben, über 2800 monatliche Hörerinnen und Hörer. Danke an euch, dass ihr die Folgen hört oder vielleicht heute zum ersten Mal dabei seid. Ich bin wirklich dankbar für die Community und möchte, dass wir hier keinen Cut machen und eine Pause einlegen, sondern weitermachen. Ihr bekommt weiterhin spannende Einblicke, wie IoT in der Praxis umgesetzt wird.
Deshalb leite ich jetzt einfach mal fachlich über, denn wir wollen heute natürlich nicht nur darüber sprechen. Das waren jetzt vielleicht Big News, aber wir wollen auch Inhalte teilen. Deshalb habe ich die Runde erweitert, Jens, auch um dich. Wir kennen uns aus dem IoT Use Case Anwenderkreis, unserer Community, in der wir in kleinen Gruppen bestimmte Themen besprechen. Ich dachte mir, Jens passt hier hervorragend rein, denn du warst noch nie im Podcast und hast viel Wissen und Erfahrung aus den letzten Jahren gesammelt. Sag doch mal, wer bist du und was sind die Themen, die dich aktuell beschäftigen?
Jens
IoT begleitet mich seit etwa 15 bis 18 Jahren. Irgendwann hieß es mal Condition Monitoring, wir haben damals sehr klein angefangen. Aktuell arbeite ich wahrscheinlich ganz in Peters Nähe in Nürnberg bei GMN und kümmere mich dort um die Digitalisierung der Werkzeugmaschine.
Ich habe in den letzten sechs Jahren viel Freiheit gehabt, im Bereich private 5G Netze gearbeitet, IoT für Stahlwerke umgesetzt und die Data Analytics Plattformen in der Cloud mit Daten versorgt. Mein Steckenpferd war immer die Verbindung von der Physik über den Sensor zum Bus, damit die Kollegen die Daten in der Cloud nutzen können. Das war über viele Jahre meine Passion, mit ganz unterschiedlichen Anbindungsszenarien.
Ich bin ausgebildeter Elektro- und Automatisierungsingenieur und habe klassisch als Konstruktionsingenieur für elektrische Antriebe angefangen. Dann kamen viel Versuch und viel Service. Die letzten 15 Jahre war ich überwiegend in Asien, vor allem in Japan, China und Korea. Dort habe ich eine ganz andere Herangehensweise an Digitalisierungsthemen erlebt. Vor allem, was möglich ist, wenn man die Einstiegshürden nicht so hoch setzt wie wir in Deutschland. Es hat viel Spaß gemacht, diese Denkweisen mitzunehmen.
Aktuell habe ich eine Art Digitalisierungsauftrag. Die Frage ist, wie ich einen klassischen deutschen Hidden Champion mit 80 Jahren Maschinenbauerfahrung – Kugellager, Motoren, Antriebe, alles wie man es kennt – sinnvoll mit dem Standbein Digitalisierung ergänzen kann. Es macht gerade richtig viel Freude, das Wissen der letzten Jahre zu bündeln. Und ich glaube, wir sind gar nicht so schlecht unterwegs. Wenn wir uns noch ein paar Punkte vornehmen, wird das sehr gut funktionieren.
Sehr gut. Ich freue mich darauf, euer Wissen und auch die Erfahrungen aus den letzten Jahren hier im Podcast zusammenzubringen. Vielleicht können wir später ein paar Thesen durchgehen und inhaltlich tiefer einsteigen. Eine Frage vorab, Jens. Du bist ja auch bei uns in der Community. Warum eigentlich? Was war der Hintergrund für dich, dich mit anderen in diesem Rahmen auszutauschen? Ich weiß gar nicht mehr genau, wie lange wir uns schon kennen, wahrscheinlich über das Netzwerk.
Jens
Der Hintergrund ist eigentlich folgender. Die Zeit vor Nürnberg, also vor GMN, war ein digitales Start-Up. Wir waren eine Ausgründung aus einem großen Anlagenbaukonzern und haben dort versucht, IoT für Stahlwerke umzusetzen. In dieser Rolle wirst du ständig von der klassischen Industrie gefragt, wofür man das braucht, warum man es machen sollte und welchen konkreten Nutzen es bringt.
Wir waren damals sehr in unserer eigenen Suppe unterwegs, ein kleines Team, das Lösungen gebaut hat, aber wenig externen Austausch hatte. Mein Kollege und ich haben dann nach einem Ort gesucht, an dem man sich austauschen kann, ohne dass es darum geht, wie viele Stückzahlen jemand kaufen soll. Wir wollten einen lösungsorientierten, technischen Austausch mit Gleichgesinnten. So sind wir auf den IoT Use Case und die Community gestoßen.
Heute finde ich genau diese Mischung dort stark. Die positive Aufteilung in die Technical Nerds, die Lösungen bauen, und die Business Case Betrachtung. Ich bin da ein Grenzgänger zwischen beiden Welten. Ich habe Kollegen, die im Hintergrund alles zusammenpuzzeln, die Techniker. Die haben einen sehr guten Austausch in den technischen Use Groups. Ich selbst mag aber vor allem das Umsetzen in echte Lösungen. Und dafür haben wir im IoT Use Case eine richtig gute Basis gefunden.
Cool. Und was du gerade sagst, dieses Warum und das Gefühl, in der eigenen Suppe zu schwimmen, bringt mich direkt zur ersten These, mit der wir einsteigen können. In unserer Community hören wir oft, dass der Start mit IoT viel zu nerdig war oder immer noch ist. Man redet über MQTT und OPC UA, bevor überhaupt klar ist, welches Problem man lösen will. Also eher ein Business Thema.
Wenn ich die These aufmache, dass die meisten IoT-Initiativen ohne ein klares Warum scheitern, würdet ihr da mitgehen? Wie seht ihr das?
Peter
Aus meiner Sicht ist das absolut zentral. In der Zeit, in der ich viele Digitalisierungsprojekte begleitet habe, habe ich für mich analysiert, warum manche Projekte gut laufen und andere nicht. Es gibt viele Gründe, aber ein Muster sieht man immer wieder. Man spricht viel zu früh und viel zu viel über Technologie, viel zu wenig über Prozesse und am allerwenigsten über den Menschen, der die Lösung später nutzen soll. Wenn man diesen Teil nicht versteht, laufen die einen in die falsche Richtung, die anderen in eine andere und manche bleiben einfach stehen. Genau das ist in vielen Projekten passiert.
Ein konkretes Beispiel war ein Automobilzulieferer. Das C-Level hatte beschlossen, Digitalisierung und IoT voranzutreiben. Ein großes Projekt wurde gestartet, aber man hat nie klar kommuniziert, wohin die Reise gehen soll und wie das Zielbild aussieht. Das Ganze wurde einfach nach unten weitergegeben. Meine Teams haben dann Wochen gebraucht, um überhaupt Termine und die ersten Workshops zustande zu bringen. Die Plattform war da, sie wurde bezahlt, aber niemand wusste wirklich, was damit passieren sollte. Es gab Widerstände auf allen Ebenen, weil niemand verstanden hat, warum er sich damit beschäftigen sollte.
Dieses Warum herauszuarbeiten ist aus meiner Sicht essenziell. Es reduziert Widerstände, gibt Orientierung und schafft ein gemeinsames Verständnis. Jens, mich würde sehr interessieren, wie dieses Warum bei euch aussah.
Jens
Das Warum hat sich zuerst das ganze Team gefragt. Wir sind mit einem Auftrag gestartet, der eigentlich aus einer ganz anderen Richtung kam. Vor knapp sechs Jahren wurde uns die Frage gestellt, Herr Petri, was machen wir eigentlich mit 5G? Das war der ursprüngliche Auslöser, ohne dass dabei überhaupt über IoT, Datenerfassung oder konkrete Anwendungsfälle gesprochen wurde. Wir sind extrem technologisch gestartet. Wir haben Technologien verglichen, Übertragungsverfahren bewertet und rein technisch gedacht. Anderthalb Jahre lang, was in der Covid-Zeit noch schwieriger war, weil wir gar nicht in die Stahlwerke konnten. Wir haben alles virtuell durchgespielt.
Der entscheidende Wendepunkt war der Moment, in dem wir die Perspektive gedreht haben. Weg von wir lösen etwas hin zu gib uns euer Problem. Die großen Fortschritte kamen erst später, als wir wieder in die Werke konnten und mit den User-Gruppen vor Ort gesprochen haben, also mit Produktionsleitern, Qualitätsteams oder dem Service. Da hatten wir zum ersten Mal echtes Feedback.
Ein Beispiel, das viele kennen werden. Die Kollegen im Maintenance-Bereich, die samstags durchs Werk gehen. Sie sehen, hören und fühlen Dinge, die sie über Jahre gelernt haben. Wenn diese Leute in Rente gehen, geht dieses Wissen verloren. Unser erster echter Use Case war deshalb das Bewahren dieses Wissens. Wir haben uns angehört, was die Kollegen wahrnehmen, und haben an den entsprechenden Punkten passende Messverfahren ausgewählt. Dann haben wir erste Dashboards gebaut und innerhalb eines Tages die ersten Daten sichtbar gemacht.
In dem Moment, in dem die Daten sichtbar wurden, hat die eigentliche Arbeit erst begonnen. Da haben wir noch nicht über Integration oder komplexe Architekturen gesprochen. Es ging darum, den Leuten zu zeigen, was IoT leisten kann. Vorher war IoT für viele nur ein abstrakter Begriff. Die Brücke entstand erst, als wir verstanden haben, welche konkreten Probleme die Kollegen vor Ort haben.
Für uns war das der Gamechanger. Nicht 40 PowerPoint-Folien zu erstellen, sondern vor Ort zuzuhören. Wir haben ein paar Werkzeuge im Kopf und fragen, wo wir helfen können. So simpel war der Einstieg.
Ich glaube, viele Unternehmen haben in den letzten Jahren einiges gelernt. Gerade die Firmen, mit denen wir in der Community arbeiten, haben ihre Strategie inzwischen viel klarer im Blick. Je nach Größe sieht das natürlich unterschiedlich aus. Liebherr Hydraulikbagger zum Beispiel, Folge 157, hat 78 Use Cases identifiziert. Sie haben ausgerechnet, dass sie bei einem klassischen projektbasierten Vorgehen pro Use Case sechs Monate bräuchten und damit am Ende knapp 40 Jahre benötigen würden. Das ist völlig verrückt.
Ich habe aber das Gefühl, dass viele Unternehmen in den letzten ein bis zwei Jahren einen Schritt weitergekommen sind. Viele sagen pragmatisch, wir starten mit ein oder zwei Use Cases und lernen daraus. Die großen Player haben dann eben sofort 78 auf der Liste. Ein anderes Beispiel ist Schaeffler zusammen mit der Kohrener Landmolkerei. Die wollten ganz praktisch verstehen, wo im Werk heute Energie verloren geht. Bisher kannten sie nur die Zahl auf der Stromrechnung, wollten aber wissen, welche Verbraucher konkret dahinterstecken.
Ich finde, man merkt diese Entwicklung. Unternehmen stellen Verantwortliche ein, bauen erste Strukturen auf und starten mit realen Use Cases, ob einzeln oder mehrere gleichzeitig. Seht ihr das auch so? Oder habt ihr immer noch das Gefühl, dass viele Firmen eher herumtaumeln und sich fragen, welche Use Cases sie eigentlich angehen sollen? Vielleicht bewege ich mich auch zu stark in Kreisen, in denen es bereits Verantwortliche für IoT gibt, die das aktiv vorantreiben.
Peter
Das Problem, das ich von Anfang an gesehen habe, war die Suche nach dem einen Killer Use Case. Also der Erwartung, dass ein einzelner Use Case die gesamte Digitalisierungsreise finanziert. Dass dieser eine Case alle Sensoren, das Training der Mitarbeitenden, den Mindset-Change, die Zielbildentwicklung und externe Unterstützung rechtfertigt. Man erwartet, dass ein Use Case oder eine kleine Handvoll davon alles trägt. Das ist aus meiner Sicht eines der größten Missverständnisse.
Ich habe immer versucht, das mit Bildern klarzumachen. Die Suche nach dem Goldbarren funktioniert nicht. Goldschürfen bedeutet, viele kleine Goldkörnchen zu finden. Hat man davon genug, hält man am Ende trotzdem eine Handvoll Gold in der Hand. Und genau so verhält es sich mit IoT.
Ein Beispiel aus einem Projekt. Dort wurden Maschinen angebunden und begonnen, Laufzeiten und Produktionsdaten aufzuzeichnen. Es gab zwei Bereiche, Stanzen und Biegen. Der Fokus lag zunächst auf Biegen. Plötzlich waren aber beim Stanzen die Output-Zahlen um 14 Prozent besser. Das hat alle überrascht. Niemand hatte bewusst eingegriffen. Der einzige Unterschied war, dass kommuniziert wurde, dass die Maschinen jetzt überwacht werden. Die berüchtigten Kaffeepausen wurden kürzer. Das wurde vorher niemandem bewusst. Allein diese Transparenz hat den Output deutlich verbessert.
Ein anderes Beispiel aus einem weiteren Werk. Dort stellte man fest, dass das Einschalten des Standby-Betriebs über das Wochenende rund 20.000 Euro im Jahr kostete. Einfach weil niemand darauf geachtet hatte. Sobald man Daten sammelt und sichtbar macht, entstehen solche Erkenntnisse automatisch.
Und das bringt uns zurück zum Warum. Ohne ein langfristiges Zielbild, zum Beispiel in fünf Jahren die Daten für viele Anwendungsfälle nutzen zu können, wirken die initialen Kosten viel zu hoch.
Wenn man sich nur auf einzelne Use Cases konzentriert, fängt man oft gar nicht erst an. Die Stärke liegt im explorativen Vorgehen und darin, Digitalisierung überhaupt zu denken.
Jens
Vollkommen, Peter, das kann ich nur unterstreichen. Unsere ersten fünf echten POCs waren trotz Bezahlvereinbarung viel zu groß gedacht. Die Lernphase aus den Daten war lang und mühsam. Es gab aber einen POC, den wir klein gestartet haben, weil ein Kunde konkret nach einer Lösung gefragt hatte. Das war unser wirklicher Gamechanger.
Es ging um 80 Rollen, auf denen gepresste Doppel-T-Träger auskühlen. Die Träger kommen aus der Presse, werden auf eine hundert Meter lange Strecke geschossen und dort bremsen die Rollen das Material ab, bevor es weiter transportiert wird. Die Rollen sind nicht angetrieben, teuer beschichtet, mit hochwertigen Kugellagern ausgestattet, aber sie laufen passiv. Durch die Temperaturen von über vierhundert Grad ist der Verschleiß vorprogrammiert. Die Beschichtung hat eine begrenzte Lebensdauer und auch das Fett in den Lagern hält nicht ewig.
Wenn eine Rolle blockiert, sei es wegen eines defekten Kugellagers oder einer beschädigten Beschichtung, entstehen Macken im Material. Diese Macken sieht man aber erst nach sechs weiteren Prozessschritten. Man produziert also weiter, obwohl das Produkt längst Ausschuss ist.
Wir haben dann vorgeschlagen, die ersten vier Rollen für drei Monate zu monitoren, basierend auf einer einfachen Idee. Der Kunde wollte ursprünglich nur wissen, ob eine Rolle läuft oder steht. Daraus wurde dann eine Drehzahlerfassung, Messung von Beschleunigungs- und Verzögerungskurven und plötzlich konnten wir Ausfälle vorhersagen. Das war eine glückliche Kombination aus ein paar Goldkörnchen, keine Frage. Aber genau solche Fälle findet man nur, wenn man es ausprobiert.
Das Ergebnis: in sechs Monaten wurden fast eine halbe Million Euro an Qualitätskosten eingespart, allein durch diese vier Sensoren. Der gesamte Aufwand für den Start lag bei etwa 15.000 Euro. Das war ein Volltreffer. Und vor allem hat es uns beigebracht, wie wichtig Geduld bei der Skalierung ist. Hätten wir direkt alle 80 Rollen ausgestattet und 300.000 Euro Invest gefordert, hätte kein Kunde das mitgemacht.
Dieser kleine Start war der Grund, warum alle weiteren POCs erfolgreicher wurden. Wir haben bewusst gesagt, wir beginnen klein und skalieren später. Wir bringen Sensorikerfahrung, Connectivity und Können mit und können innerhalb eines Tages Daten liefern, über die man sprechen kann. Dieses gemeinsame Einstiegsagreement war der Schlüssel.
Das eigentliche Problem ist immer der Einstieg. Klein anfangen, Goldkörnchen finden und nicht vom fetten Goldbarren träumen. Dafür braucht es Geduld und etwas Langmut, bis sich alles auszahlt.
Stark, das sind zwei richtig gute Praxisbeispiele. Und genau das ist ja auch Teil unserer Gründungsvision bei IoT Use Case. Wir sagen, es gibt einen Use Case, und der muss sauber definiert sein. Es ist nicht einfach Condition Monitoring, sondern vielleicht Verschleißüberwachung an einer konkreten Stelle. Oder was auch immer der spezifische Case ist. Das weiß der Betrieb in der Regel sehr genau.
Genau dort steigen wir ein und zeigen, dass es dafür fertige Lösungen gibt. Es ist der konkrete Use Case, nicht der abstrakte Oberbegriff. Eben dieses kleine Gold Nugget, das aber für jeden Betrieb individuell anders aussieht.
Peter
Man kann das Beispiel mit dem Goldgraben sogar noch etwas weiterdenken. Man braucht nicht nur die Goldkörnchen, sondern auch die Ausrüstung. Also Schaufel, Sieb und alles, was dazu gehört. Übertragen auf IoT heißt das, man braucht nicht nur Technologie, sondern auch ein klares Verständnis der Prozesse. Man muss diese Prozesse visualisieren und verstehen, wie sie ablaufen, wo Fehler auftreten und wo sich ansetzen lässt. Und die Menschen spielen eine zentrale Rolle. Sie müssen verstehen, wie man sucht, wo man sucht und warum. Sie müssen auf die Reise mitgenommen werden.
Beim Goldgraben weiß jeder, warum er das macht. Man hat das große Ziel vor Augen. Übertragen auf die Digitalisierung heißt das, das Warum liegt oft in der Zukunft. Wir haben zum Beispiel mit mehreren Innovationsverantwortlichen über künstliche Intelligenz gesprochen. Ich fokussiere mich dabei stärker auf generative KI, während bei IoT die klassische KI noch wichtiger ist. Wir haben die Verantwortlichen abstimmen lassen, warum sie in KI investieren. Die Antwort war meistens Effizienz.
Effizienz ist verständlich, aber das greift zu kurz. Wenn man weiterdenkt, geht es für viele Firmen langfristig ums Überleben. Wir erstellen dazu ganz gern Szenarien, das kann die KI sehr gut. Sie soll einmal durchspielen, was wäre, wenn ein Wettbewerber, zum Beispiel aus Asien, all das konsequent umsetzen würde. Also strukturiert Daten erfassen, sie modellbasiert auswerten, daraus Qualität verbessern und schneller iterieren. Wir verlassen uns in Deutschland gerne auf unsere traditionelle Stärke, die Qualität. Aber künftig wird diese Qualität nur noch mit strukturierten Daten möglich sein.
Wenn wir das nicht tun, wird es schwer. Deshalb geht es nicht nur um Effizienz, sondern aus meiner Sicht um Zukunftsfähigkeit.
Ja, total. Wenn ihr zuhört, schreibt gern in die Kommentare, wie ihr das seht. Mich interessiert immer, welche Use Cases ihr umsetzt und welche Herausforderungen ihr habt. Ich packe Peters und Jens’ LinkedIn Profile in die Show Notes. Peter ist sowieso euer Ansprechpartner und auch Jens, vielleicht stellvertretend aus der Community. Kommt gern in den Austausch und sagt mir, wie ihr das Thema seht.
Für unsere erste These kann man festhalten, dass das Warum klar sein muss. Ohne dieses Warum scheitern die meisten Initiativen. Und als zweiten Punkt die Golden Nuggets, also die konkreten kleinen Use Cases, mit denen man starten kann. Ihr habt gerade zwei Beispiele genannt und es gibt Hunderte weitere. Ich verbringe ja einen großen Teil meiner Zeit damit, mir genau diese spezifischen Use Cases anzuschauen und herauszufinden, wer das schon gelöst hat, damit andere Betriebe davon profitieren können.
Bevor wir zur dritten These kommen und über Technologie sprechen, würde ich gern noch die zweite These aufmachen, nämlich das Thema Partnerschaften. Viele Firmen aus der Community sagen, dass die Umsetzung oft ein riesiges Projekt ist. Gerade im Mittelstand fehlen manchmal die Ressourcen, um alles selbst zu entwickeln. Man braucht starke Kooperationspartner und zuverlässige Lieferanten, die mitziehen.
Daher meine offene Frage: Wie seht ihr das Thema Partnerschaften und Kooperationen? Die These wäre, dass man ohne Partnerschaften nicht vorankommt. Wie blickt ihr darauf?
Peter
Ja, das ist aus meiner Sicht absolut zentral. Ich finde es stark, Jens, dass wir durch die Community dieses Austauschformat haben, in dem sich Gleichgesinnte treffen. Denn genau dieser Austausch ist entscheidend. Ich sehe im Grunde drei Archetypen, wie Firmen an das Thema herangehen.
Der erste ist ein strategischer Ansatz. Man entwickelt ein Zielbild für die nächsten fünf oder sechs Jahre und fragt sich, welche Daten man braucht, um dieses Zielbild überhaupt zu erreichen.
Der zweite ist ein Bottom-up-Ansatz, wie Jens ihn beschrieben hat. Man spricht mit den Leuten im Werk, hört zu, wo Probleme entstehen, wo etwas riecht, wo etwas klingt, wo jemand ein Gefühl hat, dass etwas nicht stimmt. Aus dieser Perspektive ergeben sich oft sehr klare und praxisnahe Anwendungsfälle.
Der dritte Ansatz sind Leuchtturmprojekte. Man schaut ins Ökosystem und sucht nach Partnern, bei denen etwas bereits funktioniert, und überlegt, was man davon für sich übernehmen kann. Genau dafür braucht es Austausch.
Und dieser Austausch muss auf vielen Ebenen stattfinden. Technologisch, aber auch politisch und organisatorisch. Wie setzt man so etwas im Unternehmen durch? Wie überzeugt man ein C-Level, das gewohnt ist, in ROI von ein bis zwei Jahren zu denken, dass es in Digitalisierung investieren muss, um die nächsten zehn Jahre zu sichern? Das sind Gespräche, die Führungskräfte mit Menschen führen müssen, die in ähnlichen Situationen stecken.
Genauso wichtig ist der Austausch innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette. Woher bekomme ich Daten? Wie arbeite ich mit Maschinenlieferanten zusammen?
Ein Beispiel: Wir setzen gerade eine Datenplattform für einen Retail-Verbund auf. Der Einzelhandel sieht, was Amazon tut. Amazon sammelt Daten aus jeder Ecke und ist dadurch extrem effizient in der Ansprache von Konsumenten. Der Druck ist so groß, dass Retailer jetzt bereit sind, ernsthaft Geld in die Hand zu nehmen. In der Industrie sehe ich das noch nicht überall. Viele sitzen auf ihren Daten und fragen sich, warum sie diese mit anderen teilen sollten.
Deshalb ist Austausch wichtig. Aber man muss auch verstehen, wo die Industrie gerade steht, und wer warum Schwierigkeiten hat.
Jens
Das ist ein wichtiger Aspekt bei der Zusammenarbeit. Für mich gibt es immer zwei bis drei Arten von Allianzen. Die erste Ebene ist der Baukasten für Lösungen. Dafür brauche ich Partnerschaften mit Sensorherstellern, Gateway-Anbietern und allen, die zur technischen Basis gehören. Ohne dieses Ökosystem funktioniert keine IoT-Lösung.
Eine zweite Art von Allianz haben wir auf der EMO gezeigt. Das war eine fränkische Allianz, eine wirklich spannende Sache. Etwa 150 Kilometer von Nürnberg entfernt sitzt ein Marktmitbewerber, die Firma Weiss, mit dem wir uns technologisch zusammengeschlossen haben. GMN hat eine IoT-Lösung entwickelt, ursprünglich mit dem Ziel, unser eigenes Produkt IO-Link-fähig zu machen. Wir haben dann aber gemerkt, dass diese Lösung in der Skalierung nicht ausreicht und dass wir anders denken müssen. Also haben wir uns gefragt, wem das, was wir tun, eigentlich noch nutzen kann.
Wir haben schließlich bei einem ursprünglichen Konkurrenten einen Mitstreiter gefunden. Wir haben deren Produkt mit unserer Technik ausgestattet und sind gemeinsam auf der Messe aufgetreten, als technologische Allianz. Beide Firmen profitieren davon und auch andere können diese Lösung für sich nutzen. Es ist kein geschlossenes Inselsystem, sondern ein offenes Produkt für die IoT-Welt.
Dafür braucht es Öffnung. Gerade in unserem Markt gibt es alte Rivalitäten, Firmen, die sich seit Jahrzehnten nicht besonders mögen. Aber ich glaube, diese Zeit muss vorbei sein. Wir sprechen hier über Unternehmen in Deutschland und der Schweiz, die weltweit zu den Marktführern gehören. Viele sind technisch immer noch stark, aber der Vorsprung ist nicht mehr groß. Gleichzeitig wächst der Druck aus China und Korea massiv.
Wenn wir weiter in kleinen Kämmerchen entwickeln und nur Insellösungen bauen, werden wir überholt. Die fränkische Allianz hat gezeigt, dass es einen enormen Mehrwert bringt, wenn man über den eigenen Schatten springt und Allianzen bildet. Die Diskussionen, die daraus entstanden sind, waren extrem wertvoll. Genau so können wir als deutsche und europäische Industrie weiter konkurrenzfähig bleiben.
Ja, hundert Prozent. Wir sehen das bei uns ganz genauso. Viele Anfragen, die wir bekommen, sind wiederkehrend. Die Logik ist jedes Mal ähnlich, aber der entscheidende Punkt ist, dass Firmen ihr Wissen untereinander kaum teilen. Oft weil sie Marktbegleiter sind, manchmal auch wegen politischer Abhängigkeiten oder einfach weil es keinen strukturierten Austausch gibt.
Was wir inzwischen deutlich sehen: Für viele Use Cases gibt es längst einen gemeinsamen Nenner, wie man sie typischerweise umsetzt. Ein Klassiker ist zum Beispiel die Füllstands- oder Distanzmessung bei Silos. Wenn ein Hersteller dazu anfragt, sehen wir oft, dass wir genau diesen Case im letzten Monat schon fünfzehnmal hatten. Und die Lösung war dann jedes Mal ähnlich. Ein bestimmter Sensortyp, bestimmte Gateway-Logik, Datenübertragung über LoRaWAN und MQTT oder etwas Vergleichbares.
Das Wissen existiert also längst. Nur kommt niemand dran, weil der Austausch nicht stattfindet. Genau deshalb haben wir Anfang 2025 begonnen, eine Datenbank aufzubauen, in der wir dokumentieren, welche Use Cases bereits gelöst wurden und wie. Also: dieser Use Case wurde schon umgesetzt, und zwar so und so. Schaut euch diese Firmen an, dort liegt das Know-how.
So kann man den Wissens-Gap ein Stück weit überbrücken. Man nutzt das Kollektivwissen vieler Betriebe, ohne dass jeder wieder bei Null anfängt. Whitelabel-Wissen, wenn man so will. Das sehen wir genauso wie du.
Deswegen vielleicht auch dieses Konzept mit Appstores oder was jetzt aufkommt, dass man dieses Wissen über Applikationen, die schon gelöst wurden, bereitstellt.
Aber dafür braucht es Strukturierung. Der Markt hat keinen gemeinsamen Nenner. Viele nutzen dieselben Begriffe und meinen doch etwas anderes. Oder sie verwenden unterschiedliche Begriffe und meinen dasselbe. Das sehen wir ständig. Und genau das ist eine der größten Herausforderungen, die wir lösen müssen.
Jens
Vollkommen. Wir hatten das Thema ja bereits: den Unified Namespace. Allein dafür, dass sich Systeme zuverlässig austauschen können, braucht es gemeinsame Strukturen. Für mich bleibt die umati-Initiative im OPC UA Umfeld eines der besten Beispiele dafür. Dort wurde die Werkzeugmaschine durchgängig beschrieben, mit klaren Begriffen und einheitlichen Datenmodellen. Wir arbeiten gerade daran, das für die Motorspindel weiterzuführen, damit sie genauso konsistent beschrieben ist.
Sobald man Systeme koppelt, scheitert es nämlich oft an Kleinigkeiten. Der eine schreibt Kühlwasser-Vorlauf, der andere Vorlauf-Kühlungswasser. Das klingt trivial, aber genau an solchen Punkten bricht Kommunikation zwischen Systemen zusammen. Dafür braucht es Leitplanken.
Im Grunde ist das wie eine große natürliche KI. Eigentlich müssten wir uns alle zusammenschalten und austauschen. Davon werden wir in den nächsten fünfzehn Jahren leben.
Peter
Und genau deshalb finde ich Formate wie IoT Use Case so stark. Das hat viel mit Vertrauen und Konsistenz zu tun. Gerade weil KI heute unglaubliche Marketingeffekte erzeugen kann. Jeder kann eine perfekte Story erzählen, Videos generieren, Bilder bauen, Präsentationen automatisch erstellen. Und der Markt wird damit geflutet werden.
Aber am Ende geht es nicht darum, wer am lautesten schreit oder die schönste Marketing-Story hat. Sondern darum, herauszufinden, wer etwas wirklich umgesetzt hat und ob es funktioniert hat. Das sind die Basics. Und Plattformen wie IoT Use Case sind dafür ein Vertrauensanker. Man kann sehen, wo ein Case umgesetzt wurde, wie er funktioniert hat und welche Varianten andere Betriebe erfolgreich genutzt haben.
Ich glaube, genau diese Form der kuratierten, praxisnahen Transparenz hat eine enorme Bedeutung für die Zukunft. Besonders jetzt, wo jeder alles irgendwie darstellen kann, aber nur wenige es wirklich gemacht haben.
Ja, Peter, vielleicht sollten wir uns dazu wirklich noch einmal zusammensetzen. Wir haben inzwischen eine riesige Datenbank dazu, wie man bestimmte Use Cases am besten umsetzt. Die KI kann das mit Kontextualisierung natürlich noch einmal verstärken.
Ich bin da komplett bei euch. Du hattest es vorhin als praktischen oder praktikablen Ansatz beschrieben. Die drei Wege: strategisch denken, Bottom-up anfangen und dann auf das aufzusetzen, was bereits funktioniert. Genau das verfolgen wir auch mit der Plattform, der Community und den Daten aus den realen Fällen. Für mich ist dieser Austausch deshalb so wertvoll, weil man echte Erfahrungen nutzt, statt alles selbst neu zu erfinden.
Ich bin überzeugt, dass genau das die nächsten Jahre entscheidend sein wird.
Peter
Die Richtung passt auf jeden Fall. Diese Offenheit können wir jetzt noch aus einer Position der Stärke in Deutschland und Europa zeigen. Bald tun wir es vielleicht aus einer Position der Verzweiflung, weil andere einfach schneller und besser sind. Vielen fällt das aber schwer. Es ist ein Prozess, bei dem man das eigene Denken anpassen muss. Austauschformate auf verschiedenen Ebenen, technologisch, prozessseitig, organisatorisch und auch mit Blick auf die Menschen, sind enorm wertvoll. Das gilt genauso für Trainings, für das C-Level und für die operative Ebene. Ich finde, jeder sollte sich an solchen Formaten beteiligen, sonst bleibt man in seinem eigenen Saft.
Jens
Wenn ich ein gesundes Selbstbewusstsein für meine Lösung habe und weiß, wie ich sie umsetze und damit Geld verdiene, dann kann ich auch einen Teil davon teilen. Ohne gleich alles preiszugeben. Beispiele wie der Fensterheber oder der Dreipunktgurt zeigen, dass so etwas funktionieren kann. Wir hätten die Chance, mit strategischem Weitblick zu handeln und nicht nur auf ein oder zwei Jahre zu schauen. Dieses Denken in Richtung meine Daten darf niemand sehen verhindert Fortschritt. Ich bin da voll bei Peter. Wir müssen selbstbewusster und offener werden. Wenn meine Lösung funktioniert, kann ich offen vertreten, dass sie alltagstauglich und industrietauglich ist. Dafür braucht es Rückgrat. Und dann kann ich dieses Wissen auch teilen.
Dann war das doch ein schönes Schlusswort für heute. Ich wollte eigentlich noch ein bisschen tiefer in Technologie und Umsetzung einsteigen, aber das ist so individuell pro Use Case und pro Projekt, dass wir das lieber in anderen Folgen oder in der Community vertiefen. Deshalb herzliche Einladung: kommt gern in die Community. Ich packe euch den Link in die Show Notes. Wir haben eine Warteliste, aber für Anwender ist es kostenlos. Kommt dazu, vernetzt euch, tauscht Best Practices aus und bringt eure eigenen Projekte voran.
Peter, ich freue mich sehr auf die nächsten Folgen. Der Podcast ist ein tolles Format, um zu zeigen, wie Anwender IoT im Betrieb wirklich umsetzen. Schaut gern in die anderen Episoden rein. Da gibt es viele Firmen, die über ihre konkreten Use Cases berichten. Perfekt auch für unterwegs.
Von meiner Seite vielen Dank, dass ihr heute dabei wart. Peter, ich freue mich auf die Zukunft. Jens, wir sehen uns im Anwenderkreis. Und jetzt überlasse ich euch beiden das letzte Wort.
Jens
Danke für die Einladung und die Möglichkeit, ein paar Einblicke aus dem Alltag mitzugeben. Wie wir vorab schon gesagt haben, das Thema ist eigentlich ein abendfüllendes Programm. Deshalb sehe ich das heute als Auftakt für viele weitere Folgen. Ich freue mich aufs Zuhören, auf den Austausch in der Community und auf eure Praxisfragen. Meldet euch gern bei mir, auch einfach über LinkedIn.
Peter
Vielen Dank auch von meiner Seite. Ich fand es super interessant, dich kennenzulernen, Jens, und deine Inputs hier zu hören. Madeleine, vielen Dank für dein Vertrauen, dass ich deinen Podcast in den nächsten Monaten weiterführen darf. Ich habe richtig Lust darauf, gerade weil es so konkret ist. Es sind echte Anwendungsfälle aus der Praxis, und viele davon funktionieren bereits. Das hat einen unglaublichen Wert. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung.
Ich freue mich sehr auf die Zeit. Vielen Dank an euch und eine schöne Restwoche. Macht’s gut, ciao.
Jens
Tschüss.
Peter
Tschüss.


