In Episode 185 des IoT Use Case Podcasts spricht Gastgeberin Ing. Madeleine Mickeleit mit Raphael Elm, EDV bei der Kohrener Landmolkerei, sowie Maximilian Adam, Sales Consultant, und Adrian Büttner, Product Owner bei der Schaeffler Digital Solutions GmbH. Im Mittelpunkt steht das Thema Energiemanagement in der Lebensmittelproduktion. Die Gäste berichten, wie die Molkerei mit der Software autinityE3 Transparenz über Strom, Dampf, Wasser und Druckluft geschaffen hat – trotz älterer Maschinen ohne Netzwerkanbindung. Im Gespräch geht es um die Identifikation von Hauptverbrauchern, die Anbindung von Bestandsmaschinen und die Frage, wie unterschiedliche Abteilungen wie Controlling oder Qualitätsmanagement die Daten im Alltag nutzen.
Folge 185 auf einen Blick (und Klick):
Podcast Zusammenfassung
Wie gelingt Energiemanagement in einer mittelständischen Molkerei mit heterogenen Bestandsanlagen, steigenden Energiekosten und dem Bedarf an Transparenz für Controlling und Qualitätsmanagement? Diese Folge liefert praxisnahe Antworten.
Raphael Elm von der Kohrener Landmolkerei schildert die Ausgangssituation: fehlende Transparenz, nur Rechnungswerte und der Wunsch, konkrete Einsparpotenziale sichtbar zu machen. Gemeinsam mit Maximilian Adam und Adrian Büttner von der Schaeffler Digital Solutions GmbH wurde die Software autinityE3 eingeführt, die Energiedaten aus Strom, Dampf, Wasser und Druckluft erfasst und visualisiert.
Die Gäste berichten von typischen Herausforderungen wie alten Zählern ohne Netzwerkanbindung oder Maschinen, die zwar Messgeräte hatten, deren Daten aber nicht genutzt wurden. Erste Aha-Momente entstanden beim Vergleich von Laufzeiten – etwa bei Kompressoren, die länger liefen als die zugehörigen Anlagen – sowie beim Einbeziehen zusätzlicher Parameter wie Abwasser-pH. Heute nutzen verschiedene Abteilungen die Dashboards mit jeweils eigenen Sichten: vom Controlling bis zur Qualitätssicherung.
Mit autinityE3 Starter begann das Projekt klein und wird nun Schritt für Schritt erweitert. In Zukunft sollen auch KI-gestützte Analysen und aktives Lastspitzenmanagement hinzukommen. Diese Episode richtet sich an Produktionsleiter, Energiemanager sowie IT-/OT-Verantwortliche, die Energiemonitoring praxisnah umsetzen und konkrete Einsparpotenziale heben wollen.
Podcast Interview
Hallo, liebe Freunde des IoT. Heute sprechen wir über einen Use Case, den viele von euch kennen: das Thema Energiemonitoring. Steigende Kosten und fehlende Transparenz machen es oft schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Heute gibt es ein Praxisbeispiel aus der Lebensmittelindustrie. Uns interessiert, wie die Kohrener Landmolkerei dieses Thema umsetzt. Sie berichten gemeinsam mit ihrem IoT-Partner Schaeffler Digital Solutions, wie sie mit deren Software autinityE3 ein praxisnahes Energiemanagement aufgebaut haben.
Zur Einordnung: Schaeffler Digital Solutions ist die Digitalisierungssparte des Schaeffler-Konzerns, eigenständig am Markt aktiv mit Sitz in Chemnitz und spezialisiert auf Softwarelösungen für die produzierende Industrie. Seit 2025 ist das Unternehmen auch international aufgestellt, unter anderem mit einem Standort in Indien.
Mit dabei sind heute Raphael Elm von der Kohrener Landmolkerei sowie Maximilian Adam und Adrian Büttner von Schaeffler Digital Solutions. Sie geben Einblicke in das Projekt, berichten, wie es umgesetzt wurde, und teilen Best Practices. Außerdem greifen wir Community-Fragen auf: Wie bekommt man Daten aus Bestandsmaschinen? Welche Daten sind relevant? Und wie identifiziert man die größten Verbraucher?
Alle Infos zur Umsetzung solcher und ähnlicher Projekte findet ihr wie immer unter www.iotusecase.com und in den Show Notes. Damit würde ich sagen: Let’s go – viel Spaß bei dieser Folge!
Hallo in die Runde, hallo Raphael, Max und Adrian. Ich starte mal mit dir Raphael, wie geht es dir heute und wo bist du gerade?
Raphael
Hallo, mir geht es gut. Ich komme direkt aus dem Urlaub und habe meine erste Woche auf Arbeit wieder erleben dürfen. Erlebnisreich, was so nach zwei Wochen alles anfällt. Ich bin heute Gast bei Schaeffler und wir nehmen den Podcast hier zusammen auf.
Das heißt, ihr sitzt heute quasi alle in einem Gebäude.
Raphael
Genau, da kann man sich auch mal gut kennenlernen.
Und kurze Frage zur Molkerei selbst, wo sitzt ihr sonst? Also eure Hauptzentrale, oder wie man das nennen würde?
Raphael
Die Molkerei ist in Penig ansässig, einem kleinen Vorort in der Nähe von Chemnitz.
Sehr schön. Ich habe es gerade mal bei Google Maps aufgemacht. Wenn man reinzoomt, sieht man den Betrieb von oben. Ganz spannend. Und da sitzt du sonst wahrscheinlich mit deinen Kolleginnen und Kollegen vor Ort.
Raphael
Genau, da bin ich jeden Tag vor Ort, betreue die Büro-IT und übernehme zusätzlich kleine Projekte in der Produktion. Darüber hat sich dann das Projekt mit Schaeffler ergeben, um unser Energiemanagement genauer zu beleuchten.
Da erfahren wir gleich noch mehr drüber, perfekte Vorlage. Vielleicht nochmal in die Runde. Adrian, wie geht es dir und wo bist du gerade? Ihr seid ja wahrscheinlich nicht alle im selben Raum.
Adrian
Ich bin jetzt remote zugeschaltet, bin aber oft in Chemnitz, wo auch die Entwicklungsteams für das Produkt sitzen und die Entwicklung stattfindet. Da wir eng mit Schaeffler zusammenarbeiten, bin ich auch häufig in Herzogenaurach im Headquarter. Dort nehmen wir die Anforderungen der Kunden auf, gestalten das Produkt gemeinsam und können direkt Feedback einholen.
Sehr gut. Und dann last but not least, Max, wie geht es dir heute?
Maximilian
Mir geht es super. Ich bin gerade von einer Dienstreise zurück und wieder im Büro, um die letzten Tage nachzuarbeiten. Zusammen mit Raphael habe ich mir schon angeschaut, was bei uns alles Neues ansteht. Wir waren gemeinsam Mittagessen und starten jetzt entspannt und zufrieden in diese Aufnahme.
Sehr gut. Was autinityE3 genau ist und wie man es einsetzt, dazu kommen wir gleich. Vielleicht kurz zu dir, Raphael, als Person. Auf LinkedIn steht noch ERP Key User, du hast aber gesagt, du bist jetzt in der IT. Ich stelle mir das so vor, dass du eine Art IT-Projektleitungsrolle bei der Kohrener Landmolkerei hast und dort auch das autinity-Projekt auf Anwenderseite initiiert und umgesetzt hast. Kann man das so sagen?
Raphael
Genau.
Okay. Das heißt, du hast wahrscheinlich auch einen Hintergrund in IT?
Raphael
Genau, ich habe Informatik studiert und schon früh im Familienunternehmen PCs kennengelernt. Was ist ein Netzwerk, wie administriert man es und welche Möglichkeiten gibt es. Nach dem Studium habe ich mir dann etwas gesucht und bin bei der Kohrener Landmolkerei im Bereich ERP-Systeme gelandet. Dort konnte ich neben der IT-Administration auch Projekte mitbetreuen. Unter anderem hat sich das Energiemanagement angeboten, weil es technisch orientiert ist. Da bin ich als Projektleiter tätig und helfe, solche Projekte zu implementieren, aufzubauen und Erkenntnisse zu gewinnen.
Sehr spannend. Vielleicht ganz kurz zu euch als Unternehmen. Ich würde euch in der Lebensmittelproduktion einordnen. Es geht bei euch um Rohmilchverarbeitung. Ihr habt wahrscheinlich Anlagen für Kühlung, Dampfkessel und so weiter. Kannst du uns ein bisschen erzählen, wie es bei euch in der Produktion aussieht und auch über eure Branche berichten. Wer sind eure Kunden?
Raphael
Genau, der Name sagt es ja schon. Wir sind eine Molkerei. Wir verarbeiten Rohmilch und veredeln sie, machen daraus ganz normale H-Milch, wie man sie im Supermarkt kaufen kann. Dazu kommen Milchmischgetränke, Trinkmahlzeiten, High-Protein-Pudding, also alles, was man aus Milch herstellen kann. Käse gehört nicht zu unserem Portfolio, aber Getränke und Pudding sind unsere Kernprodukte. In den letzten Jahren ist die vegane Branche stark gewachsen, und auch dort haben wir uns eine Nische gesucht und gefunden. Wir produzieren mittlerweile Milchersatzgetränke auf veganer Basis.
Okay, das heißt, ihr habt Anlagen für die Rohmilchveredelung und zusätzlich Anlagen für vegane Produkte, also zum Beispiel Hafermilch.
Raphael
Genau. Bei der Milchverarbeitung kommen viele Maschinen zum Einsatz, die Strom verbrauchen und auch Dampf benötigen. Das Produkt wird erhitzt, wieder abgekühlt, auf einen bestimmten Fettwert eingestellt und im zweiten Schritt in der Abfüllmaschine verarbeitet. Dort wird ebenfalls mit Dampf gearbeitet, um ein steriles und aseptisches Produkt herzustellen. Dafür wird viel Energie benötigt, und gleichzeitig steckt darin großes Potenzial, die Prozesse zu optimieren.
Wenn du jetzt von Energie sprichst und sagst, da steckt viel Potenzial, kannst du ein bisschen berichten, wie ihr überhaupt in das Thema Energiemanagement eingestiegen seid. Seit wann macht ihr das und wie kam die Zusammenarbeit mit Schaeffler Digital Solutions zustande?
Raphael
Energie betrifft natürlich jedes Unternehmen und die Kosten steigen stetig. Wir haben uns deshalb überlegt, wo wir Einsparungen erzielen können. Das war der Grundgedanke, überhaupt einmal genauer auf das Thema Energie zu schauen. Vorher hatten wir nur die Stromrechnung vom Anbieter, am Ende des Monats mit einer Zahl darunter. Das war uns nicht ausreichend. Über die IHK sind wir dann auf Schaeffler gestoßen, die ein System anbieten, mit dem man diese Zahl aufdröseln und Sparpotenziale erkennen kann.
Okay, vielleicht noch einmal zu Schaeffler beziehungsweise speziell zu den Digital Solutions, bevor wir auf die Potenziale eingehen. Adrian, du bist Product Owner bei Schaeffler Digital Solutions. Kannst du kurz sagen, welches IT-Produkt du hier genau verantwortest und in welchem Bereich es einzuordnen ist?
Adrian
Genau, ich verantworte das Produkt autinityE3. Das ist bei Schaeffler Digital Solutions das Energiemanagementsystem. Wir haben auch weitere Produkte, die schon in anderen Podcasts genannt wurden, zum Beispiel autinityDAP. Mit autinityE3 bauen wir auf unserem Steckenpferd der Datenerfassung auf, haben uns aber speziell den Anwendungsfall Energiemanagement herausgepickt und als eigenes Produkt umgesetzt.
Okay. Und Max, du bist Sales Consultant bei euch. Betreust du dann dieses Projekt und wahrscheinlich auch noch viele weitere? Kann man sich so deinen Job vorstellen?
Maximilian
Ja, ganz klar. Es ist das klassische Leben zwischen Vertrieb und Consulting. Die Unternehmen kennenlernen, ihre Anforderungen verstehen und dann die Pain Points feststellen. Wo können wir eingreifen, wo können wir mit dem System arbeiten, um genau diesen Schmerz, wie Raphael schon sagte, mit den hohen Kosten abzudecken, aber auch erst einmal überhaupt Transparenz zu schaffen.
Was würdest du sagen, was ist an diesem gemeinsamen Projekt besonders für euch oder auch für dich in der Betreuung dieses Kunden? Ist es ein ganz klassisches Projekt rund um Energiemonitoring oder etwas speziell Cooles? Wie würdest du es einordnen?
Maximilian
Sowohl als auch. Klassisch insofern, als dass viele Unternehmen in Deutschland, vor allem mittelständische, ihren Energieverbrauch gar nicht wirklich kennen und keine Transparenz über die Stellschrauben im Unternehmen haben. Genau dort wollen wir mit unserem System ansetzen. Besonders spannend ist für mich, dass die Kohrener Landmolkerei unser allererster externer Kunde für dieses Produkt war. Wir hatten es vorher nur intern in verschiedenen Werken von Schaeffler im Einsatz und wussten, was uns erwartet. Dann haben wir gemeinsam mit Adrian entschieden, dass das Produkt eine gewisse Marktreife erreicht hat und wir damit auf den Markt gehen können. So kam dann der Kontakt zustande. Das macht das Projekt besonders interessant, weil wir hier nicht auf bestehende interne Daten zurückgreifen konnten, sondern wirklich auf einer grünen Wiese gestartet sind.
[09:18] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus
Was ich bisher verstanden habe, ist, dass es um die Produktion geht, konkret um Energiemanagement. Ihr habt verschiedene Anlagen vernetzt. Ich habe etwas von Dampf als Datenpunkt gehört, also wahrscheinlich Dampfkessel oder andere Anlagen, die angebunden sind. Ist das so richtig, oder könnt ihr noch etwas mehr erzählen, welchen Umfang das Projekt genau hatte, bei dem ihr die Energiepotenziale untersucht habt?
Raphael
Genau, der Plural war etwas großzügig. Wir haben eine zentrale Dampfanlage, die den Dampf erzeugt und damit die Milch erhitzt und anschließend wieder abkühlt. Aber das ist nur ein Teilaspekt. Wir haben viele verschiedene Maschinen, die Strom, Wasser, Dampf oder Druckluft benötigen. Diese Kombination aus unterschiedlichen Maschinen und Medien war besonders interessant. Dabei haben wir später viele Erkenntnisse speziell an den einzelnen Maschinen gewonnen.
Sehr spannend. Dann lass uns über die geschäftliche Herausforderung sprechen, also den Business Case. Am Ende ist das ja ein Investment in Technologie und kein Selbstzweck. Man schaut, wie ihr schon gesagt habt, wo die Potenziale liegen. Habt ihr euch von Anfang an angesehen, welche Daten vorhanden sind und welche Potenziale sich daraus ergeben? Gab es eine Art Business-Case-Rechnung oder wie seid ihr vorgegangen? Welche Herausforderung habt ihr adressiert?
Maximilian
Wir gehen das strukturiert an und betrachten nicht nur Energie, sondern auch weitere Ressourcen wie Dampf, Wärme oder Druckluft. Energie ist dabei oft der Einstieg, weil es für jeden greifbar ist, auch privat. Gemeinsam mit dem Kunden schauen wir uns den Gesamtverbrauch an und identifizieren Potenziale. In jedem Unternehmen gibt es Stellschrauben, manchmal klein, aber immer vorhanden. Dann prüfen wir gezielt, was die Hauptverbraucher im Werk sind. Welche Anlagen laufen beispielsweise bei der Landmolkerei rund um die Uhr. Genau diese machen wir transparent, um daraus Maßnahmen zur Einsparung abzuleiten. Im Projekt mit der Landmolkerei sind wir den klassischen Projektablauf gegangen. Wir haben uns die Anlagen angesehen und zunächst den Energieverbrauch analysiert, da Energiemessgeräte oft schon in den Steuerungen verbaut sind. So konnten wir direkt Daten anzapfen. Wenn das funktioniert, gehen wir mit dem Kunden den nächsten Schritt und fragen, was für ihn besonders wichtig ist. Ist es eher der Betrieb mit hohem Dampf- oder Wasserverbrauch oder geht es um Druckluft, wo sich zum Beispiel Leckagen frühzeitig erkennen lassen, um Einsparungen zu erzielen.
Okay, und Raphael, würdest du das aus der Praxis auch so bestätigen, was Max gerade gesagt hat? Oder würdest du etwas ergänzen?
Raphael
Im Großen und Ganzen kann ich das nur bestätigen. Man denkt zuerst immer an Strom, aber das Thema ist vielschichtiger. Bei uns sind Dampf und Wasser sehr große Themen. Mit dem System, das wir jetzt einsetzen, war es relativ einfach, diese Ressourcen einzubinden. Das war für uns ein wichtiger Punkt, denn wir hatten die Daten, aber genutzt hat sie bisher niemand.
Um die Potenziale zu heben, muss man ja überhaupt erst einmal an die Daten rankommen. Gab es bei euch bestimmte technische Herausforderungen bei der Umsetzung? In unserer Community hören wir oft von sehr alten Anlagen, die keine Siemens S7-Steuerung haben, sondern ältere Systeme, oder von Maschinen, bei denen man zwar gern den Verbrauch messen würde, die aber bisher keine Datenerfassung haben. Was waren bei euch die technischen Herausforderungen in diesem Projekt?
Raphael
Zum einen war die Überraschung, dass es bereits Messgeräte gab, sogenannte Siemens SENTRON PAC. Diese Geräte können Strom und Energie messen und waren bei einigen Maschinen schon verbaut. Bei anderen Maschinen mussten wir jedoch erst einmal ansetzen, weil sie gar keine Netzwerkanbindung hatten. Da stand dann eine Maschine in der Ecke, hat ihre Arbeit gemacht, aber ohne jede Anbindung. Eine weitere Herausforderung waren Messzähler, die zwar vorhanden waren, aber so alt, dass sie nicht mehr kompatibel mit den heutigen Systemen waren. Diese mussten ausgetauscht werden, weil sie nicht mehr in eine Steuerung eingebunden werden konnten.
Und Max, Adrian, ihr seht ja viele solcher Projekte. Würdet ihr sagen, das sind typische Herausforderungen oder gibt es noch weitere, bei denen man heute viel Zeit verliert, weil man Daten sonst manuell anbinden müsste? Wie seht ihr das?
Adrian
Das sind typische Hürden und Anforderungen, die wir in vielen Projekten sehen. Auch bei Schaeffler selbst war das Thema Heterogenität der Anbindungen ein ständiger Punkt. Genau darin liegt unsere Stärke bei Schaeffler Digital Solutions. Wir unterstützen verschiedene Abfrageprotokolle, um an die Daten heranzukommen. Energiemanagement ist nur ein Bereich, auch hier gibt es viele Messgeräte und Protokolle, die angebunden werden können. Wie Raphael schon sagte, zum Beispiel die Siemens-Messgeräte PAC. Das sind für uns übliche Abfrageprotokolle, die einfach zu integrieren sind. Wir haben eine Standardisierung mit Device Templates, sodass Nutzer im Grunde nur notwendige Variablen wie die IP-Adresse hinzufügen müssen. Alles andere, also wo die Leistung oder der Energieverbrauch abgelegt ist, ist bereits vorkonfiguriert, sodass die Daten schnell und einfach erfasst werden können.
Bevor wir zur Umsetzung im Detail kommen, habe ich noch eine Nachfrage. Raphael, du hattest erwähnt, ERP ist bei euch ein Thema. Waren für euch auch IT-Systemdaten relevant, oder habt ihr rein OT-Daten wie von Dampfkesseln und Anlagen aufgenommen?
Raphael
Das war bisher noch kein Thema, wird aber kommen. Die Frage ist ja: Wenn ich ein Produkt herstelle, was kostet mich das und wo kann ich Einsparungen finden? Mit der neuen Version von E3 kann man das abbilden, sodass man genau sieht, was ein Produkt auf einer Linie kostet. Bisher war das bei uns kein Schwerpunkt, aber das soll jetzt kommen.
Ja, okay. Ich könnte mir vorstellen, ihr kennt andere Projekte, wo das bereits so umgesetzt wird. Ihr habt ja selbst einen großen Erfahrungsschatz, weil ihr eure eigenen Werke angebunden habt und die Herausforderungen dort selbst lösen musstet. Jedes Projekt ist sicher ein bisschen anders, und am Ende hängt es vom jeweiligen Use Case ab, welche Daten man benötigt.
Maximilian
Ja, definitiv. Es gibt immer zwei Herausforderungen. Erstens: Habe ich meine Daten schon vorliegen und woher kommen sie? Dafür gibt es die ganze Zählerinfrastruktur und alles, was wir gerade beschrieben haben. Zweitens: Was mache ich mit den Daten, wenn sie vorliegen? Im klassischen Energiemonitoring geht es darum, erst einmal Transparenz zu schaffen. Im nächsten Schritt geht es ins Management. Raphael hat es eben schon angedeutet: Wir können auch Produktionsdaten mit hineinnehmen und sehen, ob eine Maschine lief oder stand, welches Produkt gerade hergestellt wurde und wie viel Energie pro Teil verbraucht wurde. Da wird es richtig spannend, nicht nur fürs Energiemanagement, sondern für alle Ebenen im Unternehmen. Man erkennt Optimierungspotenziale, kann Einsparungen erzielen und gleichzeitig Prozesse und Prozessketten verbessern, um die Wertschöpfung zu maximieren.
[17:07] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien
Fangen wir bei der Datenerfassung an. Ihr habt gesagt, die Daten werden von den verschiedenen Geräten aufgenommen. Wie seid ihr praktisch vorgegangen, um Bestandsmaschinen oder den Dampfkessel ins System zu bekommen? Wie funktioniert das und welches Produkt kommt dabei von euch zum Einsatz?
Maximilian
Wir haben uns das bei der Landmolkerei genau angeschaut und über unser Partnermanagement einen Partner eingebunden, der vor Ort die Anlagen prüft. Er schaut sich an, welche Gegebenheiten vorhanden sind, was die Steuerung bereits leisten kann und wo Eingriffsmöglichkeiten bestehen. Oft finden wir Energiemessgeräte, die zwar verbaut sind, aber bisher nicht genutzt wurden. Diese können wir dann direkt einbinden. Gleichzeitig analysiert der Partner gemeinsam mit uns, welche zusätzlichen Messpunkte sinnvoll sind und wie die Umsetzung konkret aussehen sollte. Genau so sind wir auch bei euch in der Molkerei vorgegangen, Raphael.
Raphael
Genau. Wir hatten zum Beispiel eine Maschine, an der ein Messgerät verbaut war, das aber auch eine nachgelagerte Maschine mit erfasste. Da war es sinnvoll, ein zweites Messgerät zu installieren, um die beiden zu unterscheiden. Beide Maschinen laufen gleichzeitig, aber muss das wirklich so sein? In unserem Fall war es ein Kompressor, der Druckluft erzeugt, und die vorgelagerte Maschine, die diese Druckluft nutzt. Beide hingen an einem Zähler. Wenn man das aufsplittert und getrennt betrachtet, kann man potenzielle Druckluftleckagen finden. Konkret lief der Kompressor 24 Stunden, obwohl die vorgelagerte Maschine nur 23 Stunden lief. Solche Differenzen helfen, Probleme aufzudecken.
Gab es noch weitere solcher Aha-Momente, bei denen ihr festgestellt habt, dass man genauer hinschauen sollte, weil bestimmte Anlagen gezielter gesteuert oder Verbräuche gemessen werden können?
Raphael
Nicht direkt als Einsparpotenzial, aber wir haben gemerkt, dass es Unterschiede zwischen der Verarbeitung von Rohmilch und veganen Produkten gibt. Die veganen Produkte basieren in der Regel auf Wasser mit Hafer- oder Sojagrundstoff. Dabei haben wir festgestellt, dass wir beim Erhitzen und Abkühlen dieser Produkte weniger Energie benötigen als bei der Rohmilch. Am Anfang war uns das gar nicht bewusst, weil wir dachten, die Maschine läuft ja sowieso und braucht daher immer gleich viel Energie. Aber wir haben erkannt, dass die Unterschiede zwischen den Produkten selbst durchaus einen Einfluss auf den Energieverbrauch haben.
Das ist natürlich super spannend, wenn man solche Daten erstmals auswerten kann und dadurch Potenziale sichtbar werden. Der nächste Schritt war dann die Auswertung. Ihr habt ja schon die Software E3 erwähnt. Max, kannst du vielleicht aus deiner Sicht nochmal beschreiben, wie autinityE3 genau funktioniert, was das für eine Software ist, was sie kann und wie sie solche Use Cases löst?
Maximilian
autinityE3 gibt es in zwei Softwarepaketen, den autinityE3 Starter und den autinityE3 Enterprise. Wir haben mit dem Starter bei der Landmolkerei begonnen. Dieses Paket wurde für Unternehmen entwickelt, die bisher noch nichts mit ihren Energiedaten gemacht haben. Es ermöglicht die reine Erfassung von Energiedaten, bis zu 50 Messpunkte können hinterlegt werden. Damit baut man ein erstes Energiemonitoring auf, ergänzt durch ein einfaches Maßnahmenmanagement, und kann anschließend mit den Daten arbeiten. Der nächste Schritt ist dann autinityE3 Enterprise, gedacht für größere Unternehmen und Konzerne wie Schaeffler. Hier geht es darum, mehrere Standorte zu verknüpfen, Vergleichbarkeit herzustellen, und das Ganze in ein System zu integrieren.
Also für euch intern ist Schaeffler quasi wie ein interner Kunde, kann man das so sagen?
Maximilian
Genau, Schaeffler ist für uns ein interner Kunde, aber wir liefern die Lösung auch an externe Unternehmen. Dort gehen wir oft noch tiefer in die Produktionsanalyse. Das bedeutet, wir binden Produktionsdaten ein, beispielsweise über ein BDE- oder MES-System. So können wir sehen, ob eine Maschine stand oder lief, welche Auftragsdaten vorlagen und welches Material gerade verarbeitet wurde. Bei der Landmolkerei geht es hauptsächlich um Milch und Wasser. In Branchen wie Automotive oder Stahl ist das viel komplexer, da es verschiedene Materialien und Materialstärken gibt. Das hat direkten Einfluss auf den Energieverbrauch und wie man ihn steuern kann. Wir hatten das auch schon mit Raphael besprochen: Wenn ihr Wasser verarbeitet, sind die Energiedaten ganz anders als bei Milch. Maßnahmen, die bei einem Material funktionieren, lassen sich nicht eins zu eins auf ein anderes übertragen. Mit der Software können wir das validieren und prüfen.
Sehr schön. Wenn ihr gerade zuhört und denkt, dass ihr einen ähnlichen Use Case habt oder in einem ähnlichen Projekt arbeitet, dann packe ich die Kontaktdaten der drei Gäste in die Show Notes. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch zum Erfahrungsaustausch melden. Ich glaube, das ist hilfreich, weil jedes Projekt ein bisschen anders ist. Außerdem findet ihr in den Show Notes die Links zu autinityE3. Schaut da gerne vorbei. Eine Frage habe ich noch zur Auswertung der Daten. Wie macht ihr das architektonisch? Es gibt ja autinityE3 als Software auf der Anwendungsebene. Dann habt ihr noch autinityDAP, dazu gibt es auch schon ein oder zwei Podcastfolgen. Habt ihr das in diesem Projekt auch verwendet oder war das hier gar kein Thema?
Adrian
Das wird auch verwendet. Das ist sozusagen die Basis. Wenn wir bei der Landmolkerei den autinityE3 Starter einsetzen, läuft auf einem IPC das autinityDAP, um die Datenerfassung der Energiemessgeräte zu ermöglichen. Parallel dazu läuft die Software autinityE3, die für die Visualisierung sorgt. Beides wird als Standalone-Lösung ausgeliefert, sodass der Kunde direkt mit der Datenerfassung und Visualisierung starten kann.
Das heißt, autinityDAP ist der Datenerfassungslayer von der OT in die IT und auf der IT-Ebene läuft dann eure Software E3, wo die eigentliche Auswertung stattfindet. Sehr schön. Vielleicht noch eine letzte Frage, Raphael. Was ist für euch bisher das Ergebnis? Wo steht ihr gerade und was kommt noch? Kannst du erzählen, wie ihr das Produkt aktuell im Alltag nutzt?
Raphael
Wir sind noch im Aufbau. Der Starter ist installiert, und wir haben bereits einige Messpunkte eingerichtet. Aber man merkt schnell, dass man mehr Messpunkte haben möchte, um noch genauer hinschauen zu können. Deshalb bauen wir gerade weitere Messstellen ein und beziehen zusätzliche Energieträger ein. Bei uns ist zum Beispiel auch das Abwasser wichtig. Hier sollen pH-Wert und Temperatur erfasst werden, das wird noch ergänzt. Für uns ist das zum einen im Controlling wichtig, um am Ende die Zahlen und möglichen Einsparungen im Blick zu haben. Zum anderen nutzt auch die QM-Abteilung die Daten, etwa beim Abwasser, um sicherzustellen, dass die Werte stimmen und gegebenenfalls nachgesteuert werden kann. Das Tool ist also nicht nur fürs Controlling relevant, sondern für verschiedene Abteilungen, die jederzeit sehen können, was im System gerade passiert.
Das heißt, jeder User hat unterschiedliche Rollen und braucht daher auch unterschiedliche Daten. Das hängt stark vom Use Case ab. Das eine betrifft das Abwasser, wie du gesagt hast, das andere ein ganz anderes Thema. Könnte man sagen, das sind wie kleine Teilprojekte bei euch mit jeweils eigenen Ansichten für die Nutzer?
Raphael
Genau, richtig. Jeder braucht einen anderen Graphen und ein eigenes Dashboard, je nachdem, was für seine Abteilung wichtig ist. Die einen wollen auf explizite Zahlen schauen, den anderen reicht ein Temperaturverlauf oder ein Verlauf an sich. Das lässt sich mit E3 sehr gut abbilden, auch für verschiedene Abteilungen parallel.
Spannend ist auch zu sehen, dass ihr klein gestartet seid und jetzt Schritt für Schritt weitergeht. Mit den Daten gewinnt ihr Insights, die euch dazu bringen, genauer hinzuschauen. Das ist, glaube ich, ein klassischer Projektverlauf.
Raphael
Genau. Andere Abteilungen haben auch eigene Wünsche, wie etwa das Thema Abwasser-pH-Wert. Das kam später auf, als die QM-QS-Abteilung sagte, das wäre auch wichtig. Ich denke, das wird nicht die letzte Messstelle sein, die wir einbauen. Das Projekt wird bei uns noch länger laufen und sicher auch größer werden.
Schön, das klingt nach einem Update. Vielleicht sprechen wir uns in einem Jahr wieder und schauen, wie sich das Ganze entwickelt hat. Adrian, noch eine Rückfrage zum Produkt selbst. Gibt es bestimmte Kennzahlen, die ihr zur Priorisierung der Daten nutzt, also Erfahrungswerte oder Wissen, das ihr von Produktseite einfließen lasst? Oder sind es eher Individualprojekte, wo ihr jedes Mal neu prüft, welche Prozesse welche Daten brauchen? Wie läuft diese Datenanalyse bei euch genau?
Adrian
Aus der Erfahrung bei Schaeffler starten wir immer mit den Energiedaten für die verschiedenen Medien und bauen darauf auf. Das war auch das Schöne, was wir intern gesehen haben und was nun auch Raphael und die Landmolkerei erkannt haben. Wenn man tiefer reinschaut, stellt man fest, dass die Verbräuche stark von der Produktion abhängen. Daraus ergab sich, wie schon in den Schaeffler-Werken, dass man für eine fundierte Plausibilitätsprüfung oder Analyse mehr braucht als nur Energie- und Verbrauchsdaten. So entstand das Thema, zusätzlich Produktionsdaten einzubeziehen, um eine bessere Bewertung und Analyse zu ermöglichen. Genau darauf baut unser Ansatz auf. Mit autinityE3 Enterprise können wir zusätzliche Systeme mit Produktionsdaten verknüpfen und dadurch die Analyse deutlich verbessern. Das ist unsere Basis, auf der dann auch zukünftige Funktionen aufsetzen.
[27:23] Übertragbarkeit, Skalierung und nächste Schritte – So könnt ihr diesen Use Case nutzen
Das Projekt entwickelt sich ja weiter, genauso wie eure Produkte bei Schaeffler Digital Solutions. Könnt ihr uns einen Ausblick geben, wie sich das Projekt in den nächsten Jahren entwickeln wird? Raphael, vielleicht zunächst in deine Richtung, und dann natürlich auch Max und Adrian. Wenn ihr in die Glaskugel schaut, was ist eure Prognose für die nächsten drei bis vier Jahre?
Adrian
Ich fange mal an, Max kann das gleich noch ergänzen. Wie eben schon erwähnt, haben wir inzwischen mehrere Daten im Energiemanagementsystem integriert. Relativ schnell kam von den Technologen das Feedback: Ihr habt doch alle Daten im System, könnt ihr uns nicht direkt sagen, wo Verbräuche oder Verschwendungen auftreten. Darauf setzen wir jetzt mit einem ersten KI-Feature auf. Das System analysiert automatisch die Energie- und Produktionsdaten und gibt den Nutzern Hinweise, etwa wenn am Wochenende bei einer bestimmten Produktion mehr Verbrauch entsteht. So haben die Anwender konkrete Ansatzpunkte, wo Maßnahmen umgesetzt werden können, um Energie einzusparen. Genau an dieser selbständigen Analyse arbeiten wir gerade intensiv.
Maximilian
Und da gehen wir die Schritte gemeinsam mit den Kunden. Wir hören zu, wie die Landmolkerei, aber auch andere Kunden wie Schaeffler, sich die langfristige Umsetzung vorstellen. Welche Features braucht es, wo liegen die größten Schmerzpunkte. Ein Thema kommt wirklich immer: Lastspitzen. Jede Lastspitze verursacht enorme Kosten, je nach Unternehmensgröße zwischen 25.000 und 70.000 Euro, ohne dass Wertschöpfung entsteht. Das tut jedem Unternehmen weh. Deshalb wollen wir künftig stärker in Richtung Energiespeicher und deren Steuerung gehen. Wie kann man sie effizient einsetzen, wie können wir Kühlaggregate oder andere Anlagen aktiv steuern. In den nächsten Jahren geht die Entwicklung in Richtung aktives Lastspitzenmanagement, bei dem das System die Anwender unterstützt. Mit KI-Features wie Anomalieerkennung legen wir dafür den Grundstein. Wenn das einmal etabliert ist, ergeben sich noch viele weitere Möglichkeiten.
Eine schöne Ausrichtung und ein Riesenthema. Vielleicht können wir wirklich irgendwann noch einmal eine Folge dazu machen und schauen, wie sich das Produkt weiterentwickelt. Da kommt bestimmt noch einiges. Von meiner Seite schon einmal vielen Dank für eure Zeit. Damit richte ich das letzte Wort an euch. Ihr könnt die Session einfach schließen, tschüss sagen oder noch etwas ergänzen. Ich wünsche euch viel Erfolg für die weiteren Schritte, ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Adrian
Vielen Dank, wir freuen uns auch weiterhin auf die Zusammenarbeit mit der Landmolkerei und mit vielen weiteren Kunden. Das hilft uns, das Produkt in die richtige Richtung weiterzuentwickeln.
Raphael
Dem kann ich mich nur anschließen. Vielen Dank für die Einladung. Ich denke, es wird nicht die letzte Zusammenarbeit mit Schaeffler gewesen sein. Da gibt es sicher noch ein bis zwei Projekte, die wir gemeinsam angehen können.
Maximilian
Das hört man gerne. Auch von mir vielen Dank für die Zeit und das angenehme Interview. Vielleicht noch ein Hinweis: Am 30. September und 1. Oktober sind wir auf der all about automation in Chemnitz. Dort kann man uns auch persönlich treffen, ins Gespräch kommen und weitere Einblicke erhalten.
Perfekt, dann packe ich den Link noch in die Show Notes. Falls die Folge später gehört wird, kein Problem, einfach direkt Kontakt aufnehmen. Vielen Dank euch, eine schöne Restwoche und bis zum nächsten Mal. Ciao.
Raphael
Danke, ciao.
Adrian
Tschüss.
Maximilian
Ciao.


