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Smart Building mit Klimazielen – WAGO zeigt, wie es geht

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IoT Use Case Podcast Folge 180 – WAGO

In Episode 180 des IoT Use Case Podcasts spricht Gastgeberin Ing. Madeleine Mickeleit mit Achim Zerbst, Energiemanager bei WAGO, und Jannis Held, Industry & Strategic Account Manager Energy & Factory bei WAGO.
Im Fokus: Der Aufbau eines neuen energieeffizienten Standortgebäudes in Sondershausen – mit intelligentem Lastmanagement, PV-Anlage, Speicherlösung und einem skalierbaren Energiemanagementsystem. Ein Projekt zwischen Klimaschutz, ESG-Zielen und smartem Technikeinsatz.

Podcast Zusammenfassung

Smart Building mit Klimazielen: Wie WAGO einen neuen Standort energieeffizient und zukunftssicher aufbaut

In dieser Folge berichten Achim Zerbst und Jannis Held von der Umsetzung eines neuen WAGO-Logistikzentrums in Sondershausen – und wie dort ein ganzheitliches Energiemanagementsystem von Anfang an mitgedacht wurde. Der Anspruch: nicht nur Stromflüsse regeln, sondern CO₂ einsparen, Lastspitzen vermeiden und ESG-Vorgaben erfüllen.

Im Zentrum steht ein modularer Baukasten: von der Erfassung signifikanter Energieverbraucher (SEUs) über intelligentes Lastmanagement für Ladeinfrastruktur bis zur Integration von PV-Anlage, Speicher und Gebäudeautomation. WAGO setzt dabei auf Interoperabilität – mit offenen Schnittstellen zu SCADA-Systemen, Drittsensorik und bestehenden Gebäudemanagementsystemen.

Die Besonderheit: In Sondershausen wurde Energiemanagement schon in der Planungsphase mitgedacht – mit Simulationen, einer Masterarbeit zur Energieflexibilität und einem klaren Zielbild: wirtschaftlich, klimafreundlich und stabil.

Diese Folge liefert wertvolle Einblicke für alle, die neue Standorte aufbauen, Bestandsgebäude modernisieren oder konkrete Klimaziele mit IoT-Technologien umsetzen möchten.

👉 Jetzt reinhören – und erfahren, wie WAGO Digitalisierung und Klimaschutz praxisnah verbindet.

Podcast Interview

Hallo liebe Freunde des IoT. Heute sprechen wir über ein Gebäude, das sinnbildlich für den Wandel in der Industrie durch IoT steht – weg von fossilen Energieträgern hin zu einer smart vernetzten Logistikimmobilie. Was genau dahintersteckt, erfahrt ihr heute, wie immer direkt aus der Praxis.
Ich habe mir dafür die Firma WAGO eingeladen. Sie zeigen an ihrem Neubauprojekt in Sondershausen in Thüringen, wie man durch frühzeitige Planung, IoT-Technologie und ein starkes Projektteam ein echtes Vorbild für die Industrie schaffen kann.
Warum das Projekt so besonders ist, erfahrt ihr jetzt.
Mit dabei sind: Achim Zerbst, Energiemanager bei WAGO. Er verantwortet unter anderem das Projekt in Sondershausen.
Und Jannis Held, Industry & Strategic Account Manager für Energy und Factory bei WAGO. Er bringt heute die Markt- und Kundensicht mit.
Wir sprechen über Herausforderungen, Learnings und konkrete Ansätze – für alle, die sich mit Energiesystemen, Digitalisierung im Gebäude, Logistik, Produktion oder ESG-Vorgaben beschäftigen. Oder wenn ihr einfach Lust auf neue IoT Use Cases habt.
Alle Infos zur Umsetzung solcher oder ähnlicher Projekte findet ihr wie immer unter www.iotusecase.com und natürlich in den Show Notes.
Damit würde ich sagen: Ab ins Podcaststudio – let’s go!

Ja, und damit herzlich willkommen. Hallo Achim, hallo Jannis. Jannis, wo erreiche ich dich gerade?

Jannis

Hi Madeleine. Ich bin gerade tatsächlich bei uns im Headquarter, im Besprechungsraum. Den haben wir uns extra für den Podcast reserviert – hier im schönen Ostwestfalen. Unser Headquarter ist in Minden, direkt am Mittellandkanal.

Dann Grüße in die Region, und natürlich auch an alle, die gerade zuhören.
Achim, wo bist du gerade? Seid ihr eigentlich im selben Raum?

Achim

Nein, wir sind in zwei verschiedenen Besprechungsräumen auf derselben Etage. Ein Kollege aus dem Marketing geht gerade noch etwas herum und filmt uns. Spannend, wie das hier abläuft.

Sehr cool! Wenn ihr also den Podcast hört, schaut gerne auch bei unserem LinkedIn-Kanal vorbei, dort teilen wir ein paar Eindrücke aus der Aufnahme.
Kommen wir zum Einstieg. Achim, ich würde dich gerne kurz vorstellen: Du bist Energiemanager in der – ich nenne es mal – Bauabteilung von WAGO, also im Bereich Real Estate. Du verantwortest dort die technische Gebäudeausrüstung sowie die Energiekonzepte, zum Beispiel im Projekt Sondershausen.
Was mich interessiert: Was reizt dich persönlich an solchen Projekten? Was ist dein Hintergrund, und warum machst du diesen Job so gerne?

Achim

Da gibt es verschiedene Motivationen. Ich bin jetzt seit 18 Jahren bei WAGO, habe damals das Facility Management sowie unsere Bauabteilung mit aufgebaut und das Energiemanagement eingeführt.
Als Gebäudetechniker interessiere ich mich natürlich sehr für Energie und Energieprozesse. In unserer Bauabteilung sind wir die Schnittstelle zwischen der Produktion, den Nutzern – sowohl aus der Fertigung als auch aus den Büros – und den Baufirmen. Wir arbeiten mit externen Planern, dem technischen Service im laufenden Betrieb, mit der IT und vielen Fachabteilungen zusammen.
Dabei sind wir sozusagen die Übersetzer der Anforderungen, das macht die Arbeit sehr spannend.
Es ist einfach schön zu sehen, wie man Projekte über Jahre weiterentwickeln kann, Erfahrungen aus vorigen Projekten in Version 2.1 oder 2.3 einfließen lässt und neueste technische Entwicklungen mit integriert. Wir können aktuelle WAGO-Produkte und auch solche, die sich noch in der Entwicklung befinden, direkt in unseren Projekten testen und Feedback zurückgeben. Das macht das Feld sehr spannend.
Gerade im Energiebereich spüre ich eine große Verantwortung, auch mit Blick auf die Zukunft und die eigenen Kinder. Was kann man selbst beitragen? Wie kann man etwas verändern?
Themen wie Energieeffizienz, CO₂-Neutralität oder die Transformation der Energieversorgung sind in den letzten Jahren stark gewachsen, und genau da helfen uns digitale Prozesse immer weiter.

18 Jahre – das ist eine Ansage!
Da bringst du natürlich viel Erfahrung aus unterschiedlichsten Projekten mit. Und genau darüber sprechen wir heute auch etwas ausführlicher.
Zur Einordnung: Ich denke, viele kennen WAGO als weltweiten Technologieführer im Bereich der Federklemmtechnik. Aber ihr liefert weit mehr als nur Komponenten; ihr seid mittlerweile auch als ganzheitlicher IoT-Lösungsanbieter unterwegs, mit verschiedenen Systempaketen. Welche das sind, erfahren wir gleich noch im Detail.
Vielleicht vorab noch die Frage an dich: Bist du bei diesem Projekt eher auf der internen Nutzerseite bei WAGO unterwegs? Also ist das ein internes Projekt, oder wie ordnet man deine Rolle genau ein?

Achim

Genau, ich bin intern in diesem Bauprojekt für die Gebäudetechnik und die Energiekonzeption verantwortlich, also von Anfang an mit dabei.
Grundsätzlich bin ich bei uns im Bereich Real Estate zuständig für technische Energie- und Gebäudekonzepte.
Im Grunde für alles, was heute noch nicht direkt in der ISO 50001, also dem klassischen Energiemanagement, verankert ist – etwa erneuerbare Energien, Transformation und Versorgungssicherheit.

Okay, und jetzt hast du es schon angesprochen – es geht hier um das Projekt in Sondershausen, wir hatten es eben schon erwähnt.
Kannst du uns ein bisschen abholen: Worum geht es da genau? Was ist das Ziel dieses Projekts?
Vielleicht erst mal ein kleiner Überblick.

Achim

WAGO ist seit 1991 in Sondershausen aktiv.
Das Werk dort ist über die Jahre stetig gewachsen, aktuell arbeiten dort über 1.000 Mitarbeiter. Es ist einer der größten Arbeitgeber in der Region.
Sondershausen fungiert heute als unser Logistik-Hub für Europa. Das bedeutet: Alle Produkte, die wir zum Beispiel hier in Minden für den Elektrobetrieb beziehen, kommen aus diesem Werk.
Die Logistik wächst dabei kontinuierlich – entsprechend der Anforderungen und auch mit dem Umsatzwachstum von WAGO.
Deshalb haben wir direkt gegenüber dem bestehenden Werk ein neues Logistikzentrum gebaut. Ein kleiner neuer Werksstandort, der das Gesamtkonzept sinnvoll ergänzt.

Kommen wir zu dem, was dieses Projekt so besonders macht.
Wir sprechen hier über ein nahezu energieautarkes System, konkret ein Logistikzentrum, das ihr ohne fossile Brennstoffe betreibt oder betreiben wollt.
Das ist gesellschaftlich, ökologisch, aber auch wirtschaftlich hochrelevant.
Warum ist euch das so wichtig – dir persönlich, aber auch im Team?
Was ist der Hintergrund, und was macht dieses Gebäude so besonders?

Achim

Für uns steht ganz klar die Verantwortung im Vordergrund, den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.
Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit dem Thema Effizienz, insbesondere in technischen Anlagen und im Umgang mit Energie.
Als wir vor etwa drei Jahren mit der Planung gestartet sind, haben wir uns bewusst entschieden, dieses Gebäude ohne fossile Brennstoffe zu errichten, vor allem bezogen auf das Heizsystem.
Energieautarkie im Sinne von vollständiger Netzunabhängigkeit war dabei nicht unser Hauptziel.
Wir wollten uns nicht vom Netz abkoppeln, aber wir haben sehr früh in der Planungsphase ein umfassendes Energiekonzept entwickelt.
Darin haben wir alle verfügbaren erneuerbaren Energieträger berücksichtigt, etwa Photovoltaik auf dem Dach oder auch die mögliche Nutzung von Windenergie am Standort.
Diese Ideen wurden von Anfang an in das Energiekonzept integriert.
Das war für uns in der Gebäudetechnik ein riesiger Vorteil.
Denn aus den Anforderungen des Energiekonzepts leiten sich automatisch die Konzepte für die technische Gebäudeausstattung ab.
So hatten wir schon sehr früh eine klare und stabile Planungsgrundlage.

Sehr spannend – gerade weil der Gebäudesektor ja einer der größten CO-Treiber in Europa ist.
Und im Kontext steigender und volatiler Energiepreise in der Industrie ist das natürlich auch wirtschaftlich ein großes Thema.
Jannis, du bist Industry & Strategic Account Manager bei WAGO mit dem Fokus auf Energie und Factory.
Du begleitest Industriequartiere und Kunden auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz – mit Lösungen aus dem WAGO-Portfolio.
Du hattest auch schon verschiedene Stationen im Unternehmen.
Deshalb an dich die Frage: Warum sind genau solche Projekte aktuell so wichtig – für den Markt, aber auch für eure Kunden, die du betreust?

Jannis

Vielen Dank, Madeleine.
Das ist für uns ein ganz zentraler Punkt: Wir legen großen Wert darauf, unseren Kunden nur Lösungen anzubieten, die wir selbst im eigenen Haus auch einsetzen.
Deshalb freue ich mich besonders, dass ich mit Achim einen starken Kollegen habe, mit dem wir solche Projekte gemeinsam umsetzen können. Wir testen die Technologien bei uns intern und bringen sie erst dann zum Kunden. Dieser Praxisbezug schafft Vertrauen.
Unsere Kunden bekommen nicht nur PowerPoint-Präsentationen zu sehen, sondern echte Referenzen aus der Praxis.
Wir zeigen, was tatsächlich funktioniert und umgesetzt wurde.
Das hat auch eine gewisse Signalwirkung: Wir demonstrieren, dass Themen wie Microgrid oder Microgrid-Energiemanagement kein Luxus oder „nice to have“ sind, sondern ein Muss.
Gerade bei den neuen Verbrauchern und Erzeugern, die heute hinter dem Netzanschlusspunkt integriert werden, ist das entscheidend. Denn alles, worüber wir im Microgrid sprechen, betrifft den Bereich hinter dem Netzanschlusspunkt, also den Bereich, in dem der Kunde selbst agieren kann.

Also alles, was nicht mehr im öffentlichen Netz liegt, sondern innerhalb des Betriebs des Kunden? Dort, wo der Kunde verantwortlich ist und nicht mehr ihr?

Jannis

Genau. Im öffentlichen Netz können wir als Endkunde – wie auch WAGO als Unternehmen – natürlich wenig beeinflussen.
Deshalb schauen wir: Wie integriere ich Ladesäulen? Wie binde ich meine PV-Anlage ein?
Wie setze ich Batteriespeicher ein? Und welche Arten von Speichern gibt es?
Hinzu kommen gesetzliche Anforderungen, etwa im Kontext des ESG-Reportings.
All das sind Herausforderungen, die Achim in seinem Projekt genauso hat wie unsere Kunden. Unser Standort ist hier eine echte Referenz, und wir können sehr erfolgreich zeigen, wie das in der Praxis funktioniert.

Gibt es für euch aus Markt- oder Vertriebssicht eigentlich eine Art Return-on-Investment-Betrachtung?
Ich meine, der Umweltbundesamt-Bericht vom letzten Jahr hat ja zum Beispiel gezeigt, dass der Gebäudesektor für rund 30 Prozent der CO
-Emissionen verantwortlich ist.
Zudem steigen die Energiepreise weiter.
Gibt es von eurer Seite konkrete Daten oder Überlegungen dazu?

Jannis

Ja, auf jeden Fall. Ich habe mich dazu mal intensiver mit den Empfehlungen der Deutschen Energie-Agentur beschäftigt. Die geben zum Beispiel an, dass man allein durch die Einführung eines Energiemanagementsystems – also nicht nur durch das reine Erfassen von Energiedaten, sondern durch ein echtes, strukturiertes System – bis zu 10 Prozent der Energiekosten allein durch organisatorische Maßnahmen einsparen kann.
Das bedeutet zum Beispiel, das manuelle An- und Ausschalten von Maschinen zu automatisieren, um Lastspitzen zu vermeiden.
Weitere 25 Prozent Einsparung sind durch gezielte Investitionen möglich, etwa in energieeffizientere Maschinen.
In Summe sprechen wir also über Einsparpotenziale von bis zu 35 Prozent.
Ich habe dazu auch mal eine Beispielrechnung gemacht: Wenn wir von einem Jahresverbrauch von 35.000 bis 250.000 Kilowattstunden bei kleinen und mittleren Unternehmen ausgehen, können bis zu 62.500 Kilowattstunden eingespart werden.
Bei einem angenommenen Preis von 18 Cent pro Kilowattstunde entspricht das über 11.000 Euro pro Jahr. Damit hat man den Return on Investment oft schon innerhalb eines Jahres erreicht, selbst bei kleineren Betrieben.
Das ist ein entscheidender Punkt. Oft denkt man, dass nur die großen Unternehmen anfangen müssten, aber auch im Mittelstand besteht enormes Einsparpotenzial – teils mit relativ geringen Investitionen, abhängig von Branche und Verbrauchsstruktur.

Okay, super. Ich packe euch das gerne in die Show Notes.
Wenn ihr die Quellen und Details nachlesen wollt, findet ihr dort alle Primärquellen zu dem, was gerade zitiert wurde.

[12:17] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus

Dann lasst uns doch mal in die Praxis schauen, ins Projekt.
Jannis hat es eben schon angesprochen: Ladesäulen, PV-Anlagen, Speicher.
Achim, vielleicht die Frage an dich: Welche Prozesse und Gewerke sind in diesem Projekt eigentlich beteiligt? Und welche IoT-relevanten Geräte oder Asset-Typen habt ihr angebunden?
Kannst du uns da etwas mehr ins Detail mitnehmen?

Achim

Sehr gerne. Ich möchte aber noch kurz auf das eingehen, was Jannis gerade gesagt hat – zu den Einsparpotenzialen.
Das kann ich aus der Praxis nur bestätigen.
Es ist ein langer Prozess, und es geht nicht darum, einmal zu investieren und dauerhaft zu sparen.
Man muss dranbleiben und den Aufwand kontinuierlich betreiben.
Die Einsparungen kommen nicht auf einen Schlag, sondern über die Zeit, und man muss sie auch immer wieder neu erschließen.
Aber: Es lohnt sich. Denn jede Maßnahme zur Energieeffizienz und jede Transparenz über den Energieverbrauch schafft auch Klarheit über Prozesse, sowohl im Gebäude als auch in der Produktion.
Wenn man z. B. plötzlich einen erhöhten Energieverbrauch erkennt, kann man daraus Rückschlüsse auf Prozessprobleme ziehen, selbst wenn die Qualität noch nicht leidet.
Das bringt eine zusätzliche Prozesssicherheit.
Es geht also nicht nur um die 10.000 oder 11.000 Euro – oder entsprechend mehr – an Einsparung, sondern auch um bessere Kontrolle und Stabilität im Betrieb.

Du hast gerade schon die Prozesse angesprochen. Aber wie sieht ein typischer Prozess aus, der in der Praxis wirklich Mehrwert bringt?

Achim

Bei uns starten die Prozesse immer in der Kernnutzung, und das ist die Logistik.
Ich habe noch mal beim Kollegen nachgefragt: Insgesamt haben wir über 300.000 einzelne Behälterplätze im Logistikbereich.
Durch den Neubau kommen noch einmal 85.000 Behälterplätze sowie zusätzliche Palettenstellplätze dazu.
In jedem dieser Behälter liegt eine bestimmte Anzahl an Kartons oder Tüten mit Produkten, die eingelagert, ausgelagert oder mit bestimmter Priorität und Geschwindigkeit bewegt werden müssen.
Dabei entstehen enorme Datenmengen; das macht die Logistik zu unserem ersten IoT-Asset.
Für uns ist es in dem Fall eigentlich nicht „Internet of Things“, sondern eher „Intranet of Things“ – aus Datenschutzgründen natürlich in einer eigenen abgeschirmten Umgebung.
Rund um die Logistik gibt es viele unterstützende Prozesse: Kältetechnik, Druckluftversorgung, Gebäudewärme und Lüftung, sicherheitsrelevante Systeme wie Sprinkleranlagen und Brandmeldeeinrichtungen, sowie die komplette Gebäudebeleuchtung.
Im elektrischen Bereich gehört dazu auch die Ladeinfrastruktur, sowohl für Mitarbeiterfahrzeuge als auch für interne Logistikfahrzeuge.

Hast du bei der Lüftung ein konkretes Beispiel?
Mich würde interessieren, wie das früher ohne Vernetzung gelöst wurde, und was ihr jetzt anders macht.
Was genau macht ihr da mit der Lüftung?

Achim

Sehr gerne. Der Vergleich zu früher ist etwas schwierig, weil wir bei WAGO schon seit Jahrzehnten in jeder Lüftungsanlage eine Wärmerückgewinnung integriert haben.
Auch die Luftmengen wurden immer bedarfsgerecht angepasst; zeitlich gesteuert über Zeitschaltprogramme, also schon früh automatisiert.
Unsere gesamte Gebäudetechnik wird mit unserer eigenen WAGO-Steuerung betrieben, wir setzen dafür Standardprodukte ein.
Dazu gehören die Parametrierung, Programmierung und Visualisierung der Prozesse.
Ein gutes Beispiel für Effizienzsteigerung ist die Präsenzerkennung, nicht nur fürs Licht, sondern auch für Volumenstromregler: Wenn ein Bereich nicht genutzt wird, wird die Luft dort komplett abgeschaltet.
Ein weiteres Beispiel sind Luftqualitätssensoren: Wird in einem Bereich wenig gearbeitet oder gibt es kaum Luftverunreinigung, kann die Luftmenge entsprechend reduziert werden.
Das führt zu erheblichen Einsparungen, sowohl bei der elektrischen Energie als auch bei der Heiz- oder Kühlenergie, die für diesen Bereich ansonsten bereitgestellt werden müsste.

Verstanden. Das heißt, ihr nehmt unterschiedlichste Datenpunkte auf, und jede Komponente hat ihren eigenen Effizienznutzen, den ihr gezielt analysiert und nutzt.
Manche Dinge macht ihr ja schon seit Jahren, andere kommen neu hinzu – wie zum Beispiel die Luftqualitätssensoren oder Volumenstrommessungen, die euch helfen, effizienter zu arbeiten.

Achim

Wir nutzen die Datenpunkte nicht nur für Effizienz, sondern auch zur Verbesserung der Nutzungs- und Prozessqualität.
Überall dort, wo wir konzentriert Luft, Licht, Druckluft oder andere Medien bereitstellen, geht es auch um Produktionssicherheit und Nutzerqualität.
Alle Datenpunkte werden zuerst dahingehend analysiert: Sind die Mitarbeitenden zufrieden?
Welche individuellen Einstellungen benötigen sie? Welche Parameter können sie selbst in ihrem Büro oder Bereich anpassen?
Darüber hinaus nutzt der technische Service diese Daten, um im laufenden Betrieb zu optimieren, sowohl für die Nutzerfreundlichkeit als auch für Instandhaltung und Wartung.
Und natürlich fließen alle diese Daten auch in unsere Effizienzbetrachtungen mit ein.

Gab es spezielle technische Hürden, die ihr mit dem Team meistern musstet?

Achim

Die technischen Herausforderungen waren tatsächlich nicht das größte Problem.
Wir konnten auf einen umfangreichen Baukasten an Produkten und Lösungen zurückgreifen, die wir schon in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt haben – und auch hier wieder verwenden konnten.
Die eigentliche Herausforderung liegt in jedem Projekt in der Organisation: Wie bekomme ich die einzelnen Gewerke, die Nutzergruppen und die Prozessbeteiligten wirklich integriert in den Bauprozess?
Wie stimmen wir alles frühzeitig ab, damit Klarheit herrscht – darüber, was gesteuert wird, wo gesteuert wird und wann gesteuert wird?

Ja, das ist spannend. Die Frage kommt auch bei uns in der Community immer wieder:
Wie gelingt es, Mitarbeitende frühzeitig einzubinden und Akzeptanz für solche Projekte zu schaffen?
Wie habt ihr das konkret gelöst? Wie bringt man die Teams aus Technik, Facility Management und Betrieb so zusammen, dass sie das Projekt mittragen?

Achim

Sehr gern. Das ist tatsächlich Kernaufgabe unserer Abteilung im Bereich Real Estate.
Wir sehen uns nicht nur verantwortlich für den Bau bis zur Schlüsselübergabe, um dann die Schleife durchzuschneiden und das Projekt zu beenden.
Sondern wir sind auch nach dem Einzug weiterhin begleitend im Betrieb aktiv, etwa durch das Energiemanagement.
Wir sind in den laufenden Projekten kontinuierlich eingebunden, sammeln Erfahrungen und setzen diese gezielt für künftige Projekte ein.
Gerade deshalb ist die Interaktion mit den Nutzern und deren Feedback für uns enorm wichtig.

Also alle mit einzubinden, ist ein entscheidender Punkt.
Trotzdem noch eine technische Frage: Du hast gesagt, der Standort wurde 1991 gebaut. Das ist zwar kein ganz alter Standort, aber eben auch nicht brandneu.
Gab es bei euch Herausforderungen beim Einbinden von Sensoren oder älteren Steuerungssystemen?
Also zum Beispiel bei der Integration eines Luftqualitätssensors – war das kompliziert?

Achim

Nein, überhaupt nicht, an keiner Stelle.
Auch im laufenden Betrieb unseres Bestandswerks war es völlig unproblematisch, solche Systeme schrittweise zu erweitern und nachzurüsten.
Unsere Steuerungen und die gesamte Architektur sind modular aufgebaut und genau dafür ausgelegt.

[19:57] Übertragbarkeit, Skalierung und nächste Schritte – So könnt ihr diesen Use Case nutzen

Vorher aber noch eine Frage an dich, Jannis: Siehst du solche – ich nenne sie mal – Use Cases auch bei anderen Kunden?
In meiner Welt wären das Dinge wie Behälterplatzierung, Luftstromsteuerung oder Volumenstrommessung.
Sind das Themen, die du häufiger siehst, wenn du mit anderen Kunden sprichst?

Jannis

Ja, auf jeden Fall. Diese Use Cases sind natürlich sehr branchenindividuell, je nachdem, in welchem Bereich unsere Kunden unterwegs sind.
Ein Automobilzulieferer hat andere Anforderungen als ein Unternehmen in der Lebensmittelproduktion – oder wie bei uns in Sondershausen im Bereich Logistikzentren.
Wenn ich auf den Markt schaue, sehe ich derzeit einen sehr typischen Use Case: Die Anbindung von PV-Anlagen.
Gerade bei Neubauten ist das ideal – dort kann die Infrastruktur von Anfang an zukunftssicher und effizient aufgebaut werden.
Aber wir sehen auch eine große Zahl an Bestandsstandorten, bei denen es mit der ersten PV-Anlage losgeht.
Dann kommt der erste Speicher, es folgen immer mehr Ladestationen für Mitarbeiterfahrzeuge oder die gesamte Flotte.
Beispiel WAGO: Unsere Flotte besteht inzwischen zu 100 % aus E-Fahrzeugen.
Diese müssen natürlich intelligent geladen werden, idealerweise auf dem Mitarbeiterparkplatz, wo das Auto oft acht Stunden steht.
Da kann es leer ankommen und vollgeladen wieder abfahren.
Das bedeutet: Wir haben plötzlich große neue Verbraucher im System.
Und dabei geht es nicht nur darum, über IoT Daten sichtbar zu machen, sondern auch darum, diese Komponenten in ein intelligentes Energiemanagementsystem zu integrieren.
Das ist derzeit einer der zentralen Use Cases, den wir mit unseren Kunden umsetzen.
Denn es gibt viele Anbieter: für Speicher, für PV-Systeme, für Maschinen, und alles muss vernetzt, koordiniert und gesteuert werden.
Das Ziel: Kosten senken, Lastspitzen vermeiden und die Energieflüsse optimal regeln.
Die Use Cases sind also sehr individuell – aber sie sind überall da.

Wo verlieren Unternehmen hier eigentlich konkret Zeit und Geld, wenn sie das nicht sauber integriert haben? Also ganz überspitzt gefragt: Wo ist die Schwachstelle, wenn man es ohne eure Lösung versucht?

Jannis

Gute Frage. Aufgrund der hohen Komplexität ist das sehr unterschiedlich – je nach Unternehmen, Branche und Ausgangslage.
Ein Kunde hatte keine Transparenz über seine Energiedaten.
Der Energieverbrauch stieg kontinuierlich an; langsam, aber stetig.
Was nicht auffiel: Eine seiner Maschinen hatte starken Verschleiß, weil sie nicht gewartet wurde. Sie lieferte zwar weiterhin den gleichen Output, brauchte dafür aber immer mehr Energie. Ohne entsprechende Datentransparenz ist das nicht aufgefallen.
Und genau das ist eines der größten Probleme, die wir heute sehen: Es fehlt häufig an Transparenz über den tatsächlichen Energieverbrauch, vor allem in komplexen Strukturen mit vielen neuen Erzeugern und Verbrauchern, also im sogenannten Microgrid.
Zudem fehlt es oft an der Vernetzung der Komponenten: Beispielsweise müsste der Speicher genau dann entladen werden, wenn Strom für die Ladesäule gebraucht wird – und gleichzeitig eine Lastspitze am Netzanschlusspunkt droht.
Aber das passiert nur, wenn die Systeme intelligent miteinander kommunizieren.
Es reicht eben nicht, einfach eine PV-Anlage aufs Dach zu setzen, einen Speicher zu kaufen und zu hoffen, dass er zur richtigen Zeit entlädt. Da braucht es Lastmanagement.
Viele Unternehmen scheuen diesen Schritt, weil sie den Integrationsaufwand und den Planungsaufwand als hoch empfinden. Energiemanagement wird dann leider oft noch als Luxus oder Hobby wahrgenommen. Aber spätestens, wenn die ersten Rechnungen wegen unkontrollierter Lastspitzen ins Haus flattern, wird das Thema plötzlich sehr schnell zur Top-Priorität.
Dazu kommen Anforderungen wie ISO 50001-Zertifizierungen und das ESG-Reporting,
Und schließlich die Versorgungssicherheit. Gerade in kritischen Infrastrukturen, etwa im Krankenhausbereich, kann ein gut gesteuertes Microgrid entscheidend sein, um zu wissen, wann welche Komponente versorgt oder geladen werden muss.
Aus meiner Sicht ist Versorgungssicherheit oft der wichtigste Punkt. Unternehmen verlieren hier Zeit und Geld, wenn sie nicht in smarte Energiemanagementsysteme investieren, aber das lässt sich mit den richtigen Lösungen, ob mit unserem modularen Baukasten oder individuell angepassten Systemen, gezielt angehen.

Ja, verstanden. Und Achim, noch eine Frage an dich: Wie sieht das konkret in eurem Projekt in Sondershausen aus?
Habt ihr dort auch Return-on-Investment-Betrachtungen gemacht – vielleicht auf technischer oder wirtschaftlicher Ebene?

Achim

Wir haben ganz klare strategische Ziele. Ein zentrales Thema ist dabei die CO₂-Reduktion, das ist für uns fest im Fahrplan verankert.
Wir haben uns den Science Based Targets verpflichtet, und deshalb ist für uns die Frage, ob sich ein Return on Investment ein halbes Jahr früher oder später einstellt, nicht ausschlaggebend.
Wir denken hier strategisch langfristig. Natürlich behalten wir die Kosten im Blick – das ist selbstverständlich. Aber wichtig ist: Dinge, die man schrittweise aufbaut, muss man auch schrittweise vordenken.
Ein Beispiel: Beim Ladepark müssen wir uns fragen: Wie weit wollen wir im Maximum ausbauen? Was ist realistisch?
Gleiches gilt für die PV-Anlage, die Produktionsnutzung, das Gebäude selbst: Was rüste ich jetzt aus, was später? Was kann ich nachrüsten? Und wie denke ich in Systemschritten?

Jannis

Vielleicht darf ich da kurz einhaken: Gerade aus Kundensicht ist es oft schwierig, den Return on Investment bei einem Neubau konkret zu berechnen. Denn im Gegensatz zu Bestandsgebäuden weiß man noch nicht, welche Lastspitzen man gefahren hätte.
Im Idealfall wird ja von Anfang an vieles richtig gemacht.
Im Bestand kann ich die vorhandenen Energiekosten genau sehen und im Nachhinein vergleichen, was sich verändert hat.
Das ist beim Neubau schwieriger, weil man keinen echten Vorher-Nachher-Vergleich hat.

Achim

Wir haben den Vorteil, dass wir bereits Energiedaten aus der Vergangenheit besitzen, durch unser langjähriges Energiemanagement.
Wir kennen unsere internen Prozesse sehr gut und haben vergleichbare Standorte, auch in der Logistik, sowohl in der Größe als auch im Aufbau.
Das erlaubt uns, sehr spezifisch zu rechnen, auch für das neue Bauprojekt.
Deshalb sind wir schon früh in der Planungsphase – gemeinsam mit der Hochschule Nordhausen – in eine Energiesimulation eingestiegen.
Wir wollten wissen: Was macht an der Stelle Sinn? Wie viel können wir realistisch erzeugen und versorgen? Und da helfen – wie du sagst, Jannis – bestehende Energiedaten enorm weiter. Deshalb auch meine Empfehlung an alle: Einfach anfangen. Man muss nicht alles sofort messen und analysieren, aber jeder Schritt zählt. Alles, was man heute bereits misst, hilft beim nächsten Schritt.
Und was du eben gesagt hast, Jannis, ist mir auch noch mal wichtig: Investitionen in Energiemessung und Datenqualität bringen auch Prozessqualität, Betriebssicherheit und Versorgungssicherheit.

Vielleicht auch direkt an euch, liebe Hörerinnen und Hörer: Kennt ihr solche Herausforderungen auch?
Oder beschäftigt ihr euch aktuell mit ähnlichen Themen in euren Projekten?
An dieser Stelle eine herzliche Einladung in unsere IoT-Community: Kommt gerne dazu, tauscht euch mit anderen Betrieben aus, und vernetzt euch bei Interesse auch mit Achim und Jannis.
Ich finde es super spannend, wie viel Know-how ihr bei WAGO intern aufgebaut habt, und wie ihr diese Erfahrungen jetzt auch auf andere Kundenprojekte übertragt.
Jannis, vielleicht die Frage an dich: Ihr tretet ja heute ganz klar als Lösungsanbieter auf. Was macht euch zum Systempartner für solche, und ähnliche, Projekte? Wie geht ihr da konkret vor?

Jannis

Ja, das ist eine gute Frage.
Wie du schon gesagt hast, vieles in diesem Bereich ist sehr individuell. Wir sind bei WAGO ursprünglich mit dem Bereich der Interconnection gestartet, also allem, was die Verbindungstechnik betrifft. Danach folgte die Interface-Elektronik und später haben wir uns entlang der Automatisierungspyramide weiterentwickelt in Richtung Automationsebene. Als letztes Puzzlestück kam dann unsere Business Unit Solution dazu, mit der wir heute ganzheitliche Lösungen als modularen Baukasten anbieten.
Das bedeutet, wir können als Systempartner viele Komponenten aus eigener Hand liefern, achten aber immer bewusst darauf, offen für bestehende Systeme zu bleiben. Ich finde das besonders wichtig, denn ein funktionierendes Gebäude-Energiemanagementsystem muss nicht ersetzt werden, nur weil wir eine Lösung haben.
Wir setzen auf offene Schnittstellen, liefern unsere Komponenten gezielt hinein und versuchen, möglichst viele Funktionen auf einer Plattform zu bündeln.
In der Praxis starten wir meist mit der Energiedatenaufnahme: Wir schauen, welche Daten gebraucht werden, welche bereits verfügbar sind, und identifizieren die SEUs, also die signifikanten Energieverbraucher.
Dann gehen wir über in die I/O-Ebene. Je nach Anforderung setzen wir verschiedene Softwarepakete ein – zum Beispiel unsere intelligente Kundenübergabestation, an der wir exakt tracken, welcher Verbrauch dort stattfindet. Oder das modulare Applikationspaket für Load Management. Wenn der Kunde beispielsweise sagt, dass vor allem die Ladeinfrastruktur bei ihm Lastspitzen verursacht, können wir ein System einsetzen, das die Informationen vom Speicher, vom Netzanschlusspunkt und vom Gebäude in einen Controller bringt.
Von dort aus wird die Regelung direkt an den Lasten, in dem Fall den Ladestationen, vorgenommen. Das ist häufig der schnellste und einfachste Weg, um Lastspitzen zu reduzieren – indem man die Ladeinfrastruktur kurzzeitig absenkt.
Wenn das allein nicht ausreicht, greifen wir auf ein umfassenderes EMS zurück, also ein komplettes Microgrid-Energiemanagementsystem, das mehrere Verbraucher gleichzeitig regelt oder abregelt.
Unser Lösungsportfolio reicht also von der einfachen Sensoranbindung bis hin zu Cloudlösungen, oder auch unser WAGO Building Cloud Service für das komplette Gebäudemanagement. Dieser modulare Baukasten ermöglicht es uns, sowohl sehr kleine als auch sehr große Kunden individuell abzubilden.
Besonders wichtig ist uns dabei, die Integration und Kommunikation auch mit Drittsystemen wie SCADA oder mit Komponenten wie PV-Anlagen und Batteriespeichern zu ermöglichen. Als Systempartner wollen wir nicht nur Transparenz bei den Kosten schaffen, sondern auch aktiv zur Vermeidung von Lastspitzen beitragen und unsere Kunden bei der Erfüllung ihrer ESG-Ziele unterstützen – auch in Hinblick auf regulatorische Anforderungen.

Ja, ein Riesenthema. Wenn ihr also Interesse habt, nehmt gerne direkt Kontakt mit Jannis auf, vernetzt euch bei LinkedIn, schaut euch das Ganze mal an. Ich packe alle Links zu den genannten Produkten auch in die Show Notes, dann könnt ihr dort einfach mal reinschauen. Und Achim, vielleicht noch mal eine Frage aus der Praxis: Wie habt ihr es technisch geschafft, all diese unterschiedlichen Systeme zu koppeln?
Um den Kreis zum Anfang zu schließen – ihr habt Use Cases in der Logistik, Volumenstrommessungen, Luftqualitätssensoren, Ladesäulen, PV-Anlagen, Speicher. Wie bringt man das alles auf ein gemeinsames System? Wie habt ihr das umgesetzt?

Achim

Das läuft schrittweise. In diesem Projekt sind wir von der Simulation über die Umsetzung wirklich bis in den laufenden Betrieb gegangen. Wir haben – wie vorhin erwähnt – mit der Hochschule zusammengearbeitet und eine Masterarbeit zum Thema Energieflexibilität schreiben lassen, weil das aus unserer Sicht einer der zentralen Treiber der Zukunft ist.
Ziel ist es, die Energie, die kostenlos vom eigenen Dach kommt, auch wirklich effektiv zu nutzen. Wir wollen nicht, dass Elektroautos dann geladen werden, wenn der Strom teuer eingekauft werden muss, sondern genau dann, wenn wir ihn selbst erzeugen – um Lastspitzen zu vermeiden.
Wir sind da auf einem sehr guten Weg. Der Kern ist das Energiemanagement, also die Erfassung der Energiedaten und die Bildung von Kennzahlen.
Damit schaffen wir die Basis, um die nächsten Schritte wie zum Beispiel die Integration von Energiespeichern oder die Optimierung in der Produktion umzusetzen.

Und was bedeutet das als Ergebnis für den Endnutzer, der in den jeweiligen Wertströmen arbeitet? Das Projekt ist ja noch laufend – aber was ist das gewünschte Ergebnis im Alltag?

Achim

Dass der Endnutzer im besten Fall gar nichts davon mitbekommt.
Das Auto soll zuverlässig geladen sein, ohne dass es durch eine Lastspitze abgeregelt wird. Die Produktion soll reibungslos laufen, ohne Einschränkungen oder Verzögerungen.

Okay, sehr gut.

Dann vielleicht noch eine letzte Frage an dich, Jannis. Wie flexibel sind eure Systeme eigentlich für die unterschiedlichen Anforderungen eurer Kunden?

Jannis

Das kommt, wie so oft, darauf an – aber grundsätzlich ist die Flexibilität sehr hoch. Es hängt davon ab, was der Kunde möchte.
Soll zum Beispiel ein eigenes Programm geschrieben werden? Sollen containerisierte Anwendungen eingesetzt oder bestehende Systeme integriert werden? Möchte der Kunde die gesamte Lösung selbst programmieren – was mit unserer Hardware definitiv möglich ist – oder möchte er lieber auf fertige Bausteine von uns zurückgreifen?
Wenn ich beispielsweise an das WAGO Applikationspaket für Load Management denke, das ich vorhin angesprochen habe: Dort ist der Funktionsumfang zunächst auf das Steuern von Ladestationen begrenzt. Aber natürlich lässt sich das Ganze weiterdenken.
Genau das wird auch in der zweiten Jahreshälfte spannend, denn wir bringen die unterschiedlichen Applikationen auf eine gemeinsame Plattform. Und diese Plattform wird nicht nur unsere eigenen Lösungen integrieren, sondern auch Applikationen von Drittanbietern.
Damit schaffen wir einen Gesamtüberblick, etwa über eine Art Prozessleittechnik oder SCADA-Ebene. Die Flexibilität ist also sehr hoch. Und genau in diese Richtung wollen wir uns weiterentwickeln.
Einerseits bieten wir fertige Applikationen an, um es unseren Kunden so einfach wie möglich zu machen. Andererseits wissen wir, dass Energie-Flexibilität immer auch ein gewisses Maß an Individualität mit sich bringt.
Deshalb lautet unser Anspruch: Wir wollen komplexe Systeme möglichst einfach zugänglich machen. Vom fertigen Applikationsbaustein bis hin zur vollständigen Standortvisualisierung auf SCADA-Ebene.

Sehr schön. Was ist euer Zielbild für die nächsten Jahre?
Achim, zunächst an dich für den internen Bereich bei WAGO, und dann Jannis für die Perspektive eurer Kunden. Wo geht die Reise hin – technisch, aber auch strategisch?

Achim

Was wir bei WAGO ganz klar sehen, ist, dass Nutzerzufriedenheit und Prozessstabilität zentrale Erfolgsfaktoren sind, genauso wie Energieeffizienz und die Fähigkeit, wirtschaftlich zu handeln. CO₂-Neutralität spielt dabei für uns eine große Rolle.
Mein Wunsch ist, dass trotz der zunehmenden Komplexität mit immer mehr Daten und Systemen, wie Jannis es gesagt hat, alles beherrschbar und einfach bleibt. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Jannis

Ich kann Achims Zuversicht nur unterstreichen. Wir entwickeln unsere Lösungen konsequent weiter. Die bestehenden Systemlösungen werden noch erweitert, und wie schon erwähnt, wird es in den nächsten Monaten eine übergeordnete Plattform geben.
Unser Fokus liegt klar auf dem Thema Microgrid-Energiemanagement – nicht als Option, sondern als Muss. Wir müssen die Netze stabil halten und perspektivisch Unternehmen in Richtung Netzautarkie führen.
Auch wenn wir davon aktuell noch ein gutes Stück entfernt sind – vor allem wegen der Investitionskosten und der Verfügbarkeit von Speichern – ist es entscheidend, diese Systeme intelligent zu managen. Das Energiemanagement wird dabei immer zentraler. Früher lag der Fokus rein auf der Transparenz, heute geht es darum, gezielt Effizienz zu schaffen.
Wir sehen immer mehr Verbraucher, aber auch mehr Erzeuger, und damit eine größere Volatilität im Netz. Genau das wollen wir einfangen. Dahin werden wir uns weiter ausbauen.

Dann bleibt mir nur noch, mich herzlich bei euch zu bedanken. Vielleicht machen wir ja wirklich noch eine zweite Folge, wenn die ganzheitliche Plattform steht und ihr zeigen könnt, wie ihr konkrete Kundenprojekte darauf aufbaut.
Für heute sage ich schon mal vielen Dank für diese spannende Session, für all die Praxis-Insights und Best Practices, die ihr mitgebracht habt – und vor allem dafür, dass ihr gezeigt habt, wie das Thema Energieeffizienz und IoT konkret im Alltag gelebt wird.
Das letzte Wort für heute gehört euch. Ihr dürft die Folge gerne schließen oder einfach Tschüss sagen, wie ihr mögt. Vielen Dank, dass ihr dabei wart.

Achim

Ich kann mich auch nur bedanken – wir können uns nur bedanken. Wenn man sonst im Tagesgeschäft oder in Bauprojekten steckt, bekommt man über so einen Podcast wirklich mal einen ganz anderen Blick auf die eigene Arbeit. Man sieht es aus einer anderen Perspektive, fasst die Dinge nochmal neu zusammen.
Es macht unheimlich Spaß. Und es hat großen Spaß gemacht, mit dir, Madeleine.

Jannis

Da schließe ich mich Achim voll und ganz an. Vielen Dank für den tollen Podcast – und auch dir, Achim, vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit. Du bist für uns wirklich einer der besten Kunden im Haus. Es ist für uns jedes Mal ein Vergnügen und eine echte Win-Win-Situation.

Dann macht’s gut und euch eine schöne Restwoche. Ciao!

Jannis

Also, ciao!

Achim

Ciao!

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Ing. Madeleine Mickeleit

Mrs. IoT✌️Gründerin der IIoT Use Case GmbH | IoT Business Development | Welche Use Cases funktionieren – und WIE? Fokus auf Praxis! #TechBusiness #Mehrwert