Das Amazon für Zerspanungswerkzeuge liefert Werkzeuge aus der IoT-Cloud 24/7

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🍫 Automaten kennen wir! Diesmal gibt’s nur kein Snickers, sondern hochwertige Werkzeuge wie Bohrer und Schneidplatten. Wie dieser spezielle Werkzeugautomat funktioniert und wie das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit geliefert werden kann - das erfahrt ihr in dieser Folge! Innovation im "Aftersales & Service" auf Basis von IoT-Daten - jetzt reinhören! In Podcastfolge 72 mit dabei sind Marcus Götting und Tobias Baur, die gemeinsam mit Ing. Madeleine Mickeleit erklären wie die IoT-fähigen Automaten von CERATIZIT optimale Verfügbarkeit, Materialbefüllung und Remote Support ermöglichen! Der Fokus des Projekts: Der Werkzeugexperte geht mit seinem IT-Dienstleister Materna Information & Communications SE den nächsten Technologieschritt in ihrer Automatenanbindung und skaliert diese für die Zukunft! 🌎 Mit 1000+ angebundenen Geräte weltweit können nun Serviceeinsätze auch bspw. in Mexiko kosten- und zeitoptimiert und direkt aus Kempten - einem Standort von CERATIZIT mit über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - durchgeführt werden! Im SAP erfolgt dazu die Zuordnung zu Kunden und Projekten und ermöglicht zentral die optimale Administration, Bestände, Abrechnung der Automaten. ☑️ Werkzeuge immer verfügbar ☑️ Verbrauch transparent ☑️ Zahlung nach Verbrauch ☑️ Remote Support ☑️ Prozessoptimierung ☑️ Nachhaltig Der Präzisionswerkzeug-Spezialist CERATIZIT erklärt in diesem Zuge auch, wie man mit der schnellen Bereitstellung von Werkzeugen an Kunden zum nachhaltigerem Arbeiten beitragen kann. Wie genau ihre Ideologie gestaltet ist und welche Use Cases Tobias Baur, tätig als Director Business Administration bei CERATIZIT, mitgebracht hat, zeigt diese Folge. Materna, Partner von CERATIZIT und IT-Dienstleister, realisiert schon jahrelang IT- und Digitalisierungsprojekte. Marcus Götting, Vice President IoT Consulting and Development, zeigt, welche digitale Lösungen dem Kunden geboten werden, um kontrolliert Abläufe zu regulieren und inwiefern Firmen beraten werden können. Er wird  ebenfalls einen Einblick in die sozialen, kommunikativen Hürden geben, welche sich aus den internationalen Arbeitsbereichen ergeben.

Folge 72 auf einen Blick (und Klick):

  • [05:31] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus
  • [15:04] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien
  • [30:45] Ergebnisse, Geschäftsmodelle und Best Practices – So wird der Erfolg gemessen
  • [33:48] Übertragbarkeit, Skalierung und Nächste Schritte – So könnt ihr diesen Use Case nutzen

Zusammenfassung der Podcastfolge

Automaten, die uns auf Knopfdruck Produkte liefern, kennen wir. In dieser Podcastfolge gibt’s allerdings kein Snickers, sondern hochwertige Werkzeuge wie Bohrer und Schneidplatten. Wie dieser spezielle Werkzeugautomat funktioniert und wie das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit geliefert wird, ist das Kernthema von Folge 72.

Als Experten mit dabei sind Marcus Götting und Tobias Baur, die gemeinsam mit Ing. Madeleine Mickeleit erklären, wie die IoT-fähigen Automaten von CERATIZIT optimale Verfügbarkeit, Materialbefüllung und Remote Support ermöglichen. Der Fokus des Projekts: Der Werkzeugexperte geht mit seinem IT-Dienstleister Materna Information & Communications SE den nächsten Technologieschritt in ihrer Automatenanbindung und skaliert diese für die Zukunft. 

Mit 1000+ angebundenen Geräten weltweit können nun Serviceeinsätze auch bspw. in Mexiko kosten- und zeitoptimiert und direkt aus Kempten – einem Standort von CERATIZIT mit über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – durchgeführt werden. Im SAP erfolgt dazu die Zuordnung zu Kunden und Projekten und ermöglicht zentral die optimale Administration, Bestände, Abrechnung der Automaten.

– Werkzeuge immer verfügbar
– Verbrauch transparent
– Zahlung nach Verbrauch
– Remote Support
– Prozessoptimierung
– Nachhaltig

Innovation im „Aftersales & Service“ auf Basis von IoT-Daten mit optimierter Supply Chain für eine 24/7 Verfügbarkeit.

Podcast Interview

Ressourcenschonendes Handeln und Nachhaltiges Produzieren über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg – das steht bei fast allen produzierenden Betrieben ganz weit oben auf der Agenda. Dabei ist ein Lieferantennetzwerk aus wirklich innovativen Partnern ein wichtiger Schlüssel. Ein Paradebeispiel ist die Firma Ceratizit, Präzisionswerkzeugspezialist, die für ihre Kunden einen IoT-Service entwickelt haben. Dreh- und Angelpunkt ist ihr Werkzeugautomat für die produzierende Industrie, der nun in Kooperation mit ihrem Partner und IT-Dienstleister Materna die Daten für die Zukunft nutzbar und vor allem integrierbar macht. Stichworte sind hier unter anderem SAP und die Disposition. Welcher Business Case umgesetzt wird und welche Technologien zum Einsatz kommen, erfahren wir in dieser Folge.

 

Hallo Marcus und Tobias! Marcus, du bist Vice President IoT Consulting & Development bei Materna Information & Communications SE. Ihr realisiert seit über 40 Jahren sehr erfolgreich IT- und Digitalisierungsprojekte für Kunden aus der Wirtschaft, aber auch der Verwaltung. Weltweit arbeitet ihr an 35 Standorten mit mehr als 3200 Mitarbeitern. Ihr seid ein Familienunternehmen, das heißt, ihr arbeitet auch viel mit dem Mittelstand, aber auch mit Konzernen und Behörden und wollt entsprechend Innovationen und neue Services gemeinsam mit den Kunden ausbauen.

Marcus

Das ist richtig so. Wir haben dabei nicht nur ein großes Kundenspektrum, sondern auch ein sehr großes Portfolio anzubieten. Das geht von Check-in-Automaten an Flughäfen über Securitylösungen für Wirtschaft und Behörden. Natürlich die Entwicklung und auch der Betrieb von Softwarelösungen, bei uns im eigenen Rechenzentrum oder auch in der Cloud. Das Thema Journey to Cloud ist bei uns ein ganz wichtiges, wo wir mit unseren Kunden zusammen Lösungsansätze zu suchen, um existierende Anwendungen – wenn es denn sinnvoll ist – in die Cloud zu verschieben. Da gibt es sehr große Bedarfe bei einigen Kunden in der Richtung. Und last, but not least: Das Thema IoT – weshalb wir heute hier zusammensitzen. Wo es nicht nur um die Technik, sondern auch um die Geschäftsmodelle dahinter geht. Das sind alles Themen, die wir mit einer sehr großen Entwicklungsmannschaft betreuen, aber auch mit vielen Kollegen, die die Thematik drumherum adressieren.

Für uns ist auch wichtig, eine langfristige Partnerschaft mit den Kunden zu haben, sodass wir da wirklich gemeinsame Lösungen entwickeln und gemeinsam ein einheitliches Ziel verfolgen.

 

Du bist heute nicht allein da – wen hast du mitgebracht und worum geht es in diesem spezifischen Projekt?

Marcus

Ich freue mich sehr, dass Tobias Baur sich bereit erklärt hat, teilzunehmen. Wir arbeiten seit mittlerweile schon sechs Jahren zusammen am Projekt Tool-O-Mat. Technisch geht es ganz grob darum, dass wir Automaten, die mit Ceratizit-Produkten bestückt sind, mit einem SAP-System verbinden, um darüber zum einen die Verkaufsdaten, aber auch die Lagerhaltung zu administrieren. Das Ganze stützt ein entsprechendes Geschäftsmodell, was, glaube ich, auch ein ganz wichtiger Punkt dahinter ist – es geht nicht nur um Technik, sondern auch um ein passendes Geschäftsmodell.

 

Tobias, du bist Director Business Administration bei der Ceratizit Deutschland GmbH. Ihr sind mit über 100 Jahren die Präzisionswerkzeug-Spezialisten, könnte man sagen, und macht alles rund um anspruchsvolle Hartstofflösungen für Zerspanung und Verschleißschutz. Für unterschiedlichste Branchen, wie Werkzeugherstellung, Stahl und Metall, Bauwesen, Automotive, you name it.

Tobias

Genau, so ist es. Ich bin hier in Kempten ansässig. Die Ceratizit-Gruppe hat weltweit Fertigungsstandorte. Wir in Kempten sind die Vertriebseinheit für die Zerspanungswerkzeuge. Wie Marcus schon angesprochen hat, wir versuchen einfach durch unsere Services, dem Kunden die Bereitstellung seiner Werkzeuge optimal zu ermöglichen.

Die Grundidee unseres Firmengründers: Er hat erkannt, dass viele Werkzeughersteller Werkzeuge nur verkaufen, aber nicht, wie man sie richtig einsetzt. Er hat dann sehr schnell erkannt, dass es mehr Service braucht. Das waren dann zwei Bausteine: Zum Team vom technischen Service, Vertriebsmitarbeitern, kamen schnell Anforderungen an Verfügbarkeit hinzu – Logistikkompetenz, die wir aufbauen mussten. Aus heutiger Sicht würden wir sagen, ein Amazon für Zerspanungswerkzeuge. Das heißt, wir haben mittlerweile etwa 60 000 Standardwerkzeuge bei uns in Kempten am Lager, die wir mit einer 99 prozentigen Verfügbarkeit dem Kunden am nächsten Tag bereitstellen können. Auch Bestellungen bis 19 Uhr am Abend.

Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus [05:31]

Marcus, du hast eben angesprochen, ihr seid mit ganz unterschiedlichen Use Cases unterwegs. Mich freut es auch, dass ihr bei uns im Partnernetzwerk verschiedenste davon schon vorgestellt habt. Ganz kurz zur Verortung: Welche Use Cases habt ihr bei Materna generell? Und dann können wir vielleicht die Überleitung ins Projekt machen, um da tiefer einzusteigen.

Marcus

Ich kann mal zwei Beispiele bringen, die inhaltlich recht unterschiedlich aufgestellt sind. Hinter dem einen Projekt steckt die Firma ITW, Illinois Tool Works. Die kommen aus Amerika, ein Konzern mit Milliardenumsätzen jährlich. Sie beschäftigen sich mit unterschiedlichen Bereichen. Wir sind da im Bereich Food Equipment Group (FEG) unterwegs. Da geht es darum, dass die FEG mit verschiedenen Firmen Geräte für professionelle Küchen herstellt. Das sind Backöfen, Herde, Geschirrspüler, Kühlschränke, die sich alle im Profibereich, das heißt Restaurants, große Kantinen wiederfinden. Da war die Herausforderung, dass diese Geräte zwar lokal eine ganze Menge von Daten mittlerweile speichern, diese aber nur schwer zu greifen waren – beziehungsweise nur vor Ort über entsprechende Techniker-Tools.

Der Wunsch war, dort eine Lösung aufzubauen, die über eine mobile App beziehungsweise eine Webanwendung Zugriff auf die Daten ermöglicht, sodass die Anwender völlig problemlos darauf zugreifen können. Speziell war die Herausforderung für uns zum einen, dass es sehr unterschiedliche Geräte sind. Ein Kühlschrank und ein Backofen – kann man sich vorstellen – haben sehr unterschiedliche Daten. Wenn man dann noch den Geschirrspüler mit reinnimmt, treten die verschiedensten Werte und auch Interessenlagen an den einzelnen Werten zutage. Unsere Aufgabe war es, diese unterschiedlichen Geräte alle in einer einheitlichen Oberfläche zusammenzufassen – was an sich schon recht komplex ist.

Hinzu kommt noch mal beim Kunden eine spezifische Situation: Die Firmen, die diese Geräte herstellen, sind alle eigenständig. Daher gab es neben der technischen Integration noch eine persönliche Integrationsebene in dem Projekt, was auch wirklich sehr international aufgesetzt ist. Ich hatte schon erwähnt, ITW selbst sitzt in den USA. Wir haben aber Firmen in Deutschland, England, Frankreich, in der Schweiz … also da gibt es auch sehr viele kulturelle Unterschiede zu berücksichtigen.

Das Ganze gibt es noch mal in einer anderen Ausprägung. Da machen wir aktuell Beratung und sind nicht diejenigen, die die Software entwickeln. Im Gegensatz zu FEG: Dort betreiben wir auf Microsoft Azure basierend eine Cloudlösung. Die Frontends, die wir dort entwickeln, für iOS und Android, kommen auch aus unserem Hause. Bei der Pomo – ein Unternehmen aus Finnland, das Heizkörper, Heizventile, Kühllösungen herstellt, Fußbodenheizungen – sind wir mit einem reinen Beratungsprojekt unterwegs. Die Pomo fokussiert sich tatsächlich auf die Herstellung von Heizkörpern und -ventilen und braucht aber aufgrund von Anforderungen am Markt auch dort digitale Lösungen. Da ist auch der Wunsch sehr stark, im Bezug auf Smart Home zum Beispiel, digitale Lösungen zu haben. Eine App, mit der man die Heizungen steuern kann, die Temperatur einstellen. Mit der man sehen kann, wie es der Heizung aktuell geht; wie der Status ist.

Pomo arbeitet da mit Lieferanten im internationalen Bereich zusammen, und wir als Materna sind mit dabei und beraten sie bezüglich der Anforderungen an die Lösung. Wir sorgen dafür, dass eine Diskussion auf Augenhöhe mit den Lieferanten stattfinden kann. Denn das technische Know-how der Pomo im Bereich App-Entwicklung speziell ist nicht ausreichend, um wirklich jede Detaillösung bis ins Letzte zu diskutieren. Dafür sind wir da mit drin.

 

Das ist auch insofern sehr spannend: Wir haben einmal den Kunden mit den Küchengeräten. Dann haben wir die Heizkörper. Und es ist immer ähnlich, dass man sagt, man bringt Intelligenz und zusätzliche Daten, wo man Mehrwerte heben will, zu den einzelnen Gerätschaften mit … Und heute geht es ja um die Automaten. Das heißt, die Logik ist immer ähnlich: Man will Daten nutzen; Mehrwerte durch Daten heben, was auch ein Stück weit die Anforderung des Marktes ist. Ganz spannend, das zu sehen!

Marcus

Das ist so ganz gut abstrahiert, würde ich sagen. Dieses Muster findet man wirklich an verschiedenen Stellen. Wir sehen es hier wieder genauso: Wir haben Automaten, teilweise solche, wie man sie aus dem täglichen Leben kennt. Wo man sich typischerweise sonst ein Snickers oder eine Cola zieht, und die in unserem Fall nun mit Werkzeugen bestückt werden. Das geht aber auch bis hin zu Automaten, die sehr spezifisch für ihren Einsatzfall gebaut sind, weil da teilweise sehr spezifische Anforderungen bestehen. Aber schlussendlich hast du recht: Es geht immer darum, man hat eine Hardware, man hat eine digitale Komponente, die man dort hinzufügt, um den Nutzen deutlich zu vergrößern.

 

Vielen Dank, man kann sehr schön erkennen, welche Arten von Projekten ihr adressiert. Tobias, du hast so ein bisschen eure Gründungsmission schon vorgestellt. Es geht um den Service; vor allem auch den Einsatz der Werkzeuge – da mehr Intelligenz reinzubringen. Diese Themen Ressourcenschonendes Handeln, Nachhaltiges Produzieren … Welche Potenziale beziehungsweise Visionen habt ihr denn mit der DIGITALISIERUNG? In welche Richtung geht ihr da?

Tobias

Wir ein Team aus rund 120 Anwendungstechnikern, Außendienstmitarbeitern – mal nur in der DACH-Region – beim Kunden vor Ort. Da kommen wir her, vom kleinen und mittelständischen Kunden bis hin zum Großkunden zum Beispiel in der Automobilbranche. Hier decken wir unterschiedlichste Anforderungen ab. Neben unserem Team beim Kunden vor Ort haben wir natürlich aber auch 24 Stunden-Erreichbarkeit über unsere E Shop-Lösung. Wir sind 12 Stunden am Tag, von 7 bis 19 Uhr, per Telefon erreichbar – auch das ist noch wichtig. Und wir haben sogar noch ein Fax, wo wir Aufträge bekommen … auch das gibt es noch.

Die Besonderheit ist, bis 19 Uhr die Order, und dann wird das Päckchen heute noch verschickt und ist morgen bei dir in der Fertigung. Und das europaweit! Egal ob in Zwickau oder in Saragossa in Spanien.

Neben diesen Standardwerkzeugen entwickeln wir auch technisch gesehen für bestimmte Anforderungen spezifische Werkzeuge. Wem dieses Konzept noch nicht genügt hat, für den gibt es seit fast 25 Jahren unser Tool-O-Mat-Konzept. Die Idee damals war, wie Marcus schon ansprach, vergleichbar mit einfachen Snickers- oder Coke-Automaten. Wem das nicht genügt, das Werkzeug am nächsten Tag bei sich zu haben, sondern vielleicht auch kleine Unternehmen, die nicht so gut organisiert sind – »Ich brauche das Werkzeug dann, wenn der Verschleiß erreicht ist … wenn es aufgebraucht ist, vor Ort, um direkt weiterproduzieren und weiter fertigen zu können«

Die Idee – mit Werkzeugen, die natürlich einen höheren Wert haben als Snickers oder Coke – war einfach, dass wir dann mit einem Schrank die komplette Werkzeugbeschaffung beziehungsweise den Einkauf der Werkzeuge für den Kunden zu übernehmen. Die ersten Schränke hatten sogar noch eine Kühlung integriert, weil es keine spezifischen Hersteller gab. Wir disponieren nun auch das Lager, also den Inhalt für ihn, und übernehmen auch die Werkzeugausgabe. Das Spezielle hier war, der Anspruch von uns ist, dem Kunden in dem Zusammenhang wirklich ALLES abzunehmen. Wir sprechen bei uns von einem »geschlossenen System«. Er macht eigentlich nichts mehr weiter, außer zu entnehmen. Wir befüllen und wir disponieren auch für ihn. Über die Schnittstelle kennt auch unser SAP die Verbräuche beim Kunden vermutlich besser als er selbst.

Dazu gibt es noch verschiedene Mechanismen, verschiedene Sicherheiten. Zum Beispiel unser Refill-Service, der in bestimmten Abständen, oder bei Bedarf, zum Kunden fährt. Wenn ein Verbrauch außerordentlich groß ist, wissen wir sofort, es wird kritisch; es ist ein kritischer Bestand erreicht. Dann senden wir auch sofort ein Paket zu ihm, dass ihm das Werkzeug nie ausgeht. Das ist unser Qualitätsversprechen: Dass er Transparenz über seine Verbräuche bekommt; aber auch, dass er immer verfügbar ist. Dass das Werkzeug, was er im Schrank hat, für ihn immer greifbar ist.

Mittlerweile sind wir auch mit unseren Lösungen aus der Gruppe – zum Beispiel unserer ToolScope-Lösung – dabei, auch den Bedarf beim Kunden noch früher zu erkennen und ihm über verschiedene Datenflüsse das richtige Werkzeug immer zur richtigen Zeit bereitzustellen.

 

Ich versuche, mir das bildlich vorzustellen. So ein bisschen die Automaten, die wir kennen – funktioniert das bei euch auch so, dass ich so eine Spirale habe, die sich herausdreht, und dann kommt eben ein Bohrer oder eine Schneidplatte da raus?

Tobias

Genau. In der ersten Generation, zum Beispiel Beginn waren es überwiegend Spiralautomaten. Wie gesagt, ganz analog dem, was man, glaube ich, kennt von den verschiedenen Vending Machines. Mittlerweile gehen wir aber mehr in Richtung, was passt besser zu Werkzeugen? Denn es ist doch auch sehr viel Aufwand damit verbunden, so eine kleine Schneidplatte zum Beispiel in so eine Spirale zu packen. Hauptsächlich sind das nun Automaten mit Förderbändern, die klassischen Schubladenschränke. Oder unser Flagship ist ein intelligenter Schieberautomat, der unter anderem zum Beispiel auch eine hochmoderne, videoüberwachte Werkzeugausgabe bietet.

Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien [15:04]

Es geht auch darum, ihr habt zusammen mit Materna Intelligenz hineingebracht. Was sind denn eure Herausforderungen dabei gewesen? Das hört sich so an … Tool-O-Mat gibt es am Markt, das funktioniert. Aber was ist konkret die Herausforderung auf den Automaten bezogen? Und auch Potenziale, die ihr in diesen Prozessen gesehen habt – wo wolltet ihr da hin?

Marcus

Wie Tobias schon erwähnt hat – die Lösung gibt es schon länger, als Materna und Ceratizit zusammenarbeiten. Es gab also, als wir dazugestoßen sind, bereits eine Anbindung der Automaten an das SAP-System. Die war aber schon zu jenem Zeitpunkt eigentlich überfordert. Einerseits wurde da noch auf eine alte Mobilfunktechnik gesetzt, das sogenannte CSD – genau genommen, Modemklingeln über Mobilfunkverbindung. Das dauert sehr lange mit der Datenübertragung und war auch nicht besonders stabil und verlässlich. Im Zusammenhang mit einer Polling-Funktion, die da realisiert worden ist, hat es wirklich viele Stunden gedauert, alle Automaten abzufragen und die Daten einzuholen. Das war eine Herausforderung: Dieses ganze Thema wächst enorm. Wir haben eine ganze Menge Automaten mittlerweile im Feld, auch international. Da musste einfach eine andere Möglichkeit der Skalierung gefunden werden.

Wir haben das Ganze damals umgestellt auf Edge – GSM-basierte Technik. Durch digitale Datenübertragung konnten wir die Übertragungszeiten extrem verkürzen. Inzwischen sind wir dabei, auf 4G und 5G umzusteigen, da jetzt ja auch die GSM-Netze immer mehr unter Beschuss stehen, sage ich mal. In einzelnen Ländern, in der Schweiz zum Beispiel, ist GSM sogar schon abgeschaltet. Das heißt, man muss da einfach den nächsten Technologieschritt gehen.

Das Wichtige ist tatsächlich diese Integration mit dem SAP-System. Was Tobias eben schon erwähnt hat: Die Administration der Automaten, der Bestände, die Abrechnung … das findet alles im SAP-System statt. Die Automaten sind genau genommen die Frontends und die Ausgabegeräte für das System.

 

Welche Daten sind hier denn interessant? Geht es da um klassische Verkaufsdaten?

Marcus

Die Verkaufsdaten sind natürlich auch spannend. Schlussendlich möchte Ceratizit ja eine Rechnung schreiben, für die Dinge, die die Kunden aus den Automaten entnommen haben. Das ist auf jeden Fall eine ganz wichtige Information. Diese Daten werden nächtlich übertragen; das heißt, die Automaten versenden ihre entsprechenden Verkaufslisten an das SAP-System. Das SAP-System kann über Metadaten, die wir mitschicken, eine Zuordnung zum einzelnen Kunden oder auch sogar zu einzelnen Projekten beim Kunden durchführen, sodass dieser dort eine strukturierte Abrechnung erhält. Das sind also tatsächlich die Verkaufsdaten im klassischen Sinne.

 

Also, welcher Kunde hat gekauft, wie viel hat er gekauft? Wann hat er vielleicht auch gekauft und so weiter – das sind so die Daten?

Marcus

Exakt, genau. Das sind solche Informationen. Jetzt hatten wir aber eben schon kurz gesagt, dass wir wirklich sehr viele Automaten im Feld haben. Das heißt, wir brauchen unbedingt eine zentrale Administration der Automaten. Also immer wenn wir Softwareupdates machen, immer wenn wir Updates des Produktkatalogs machen oder auch des UI, des User Interfaces, das wir am Automaten anzeigen … dann ist es dort, muss man schon fast sagen, ein No-Go, das manuell zu tun, da mit USB-Sticks vom einen Automaten zum nächsten zu laufen. Sondern es war schon von Anfang an die Anforderung, da eine zentrale Software- und Datenverteilung zu haben.

Das heißt, im Gegenzug zu den Daten, die wir von den Automaten erhalten, erhalten diese auch immer vom SAP-System wieder Updates bezüglich der Konfiguration oder, wie gesagt, auch komplette Softwareupdates, wenn wir neue Funktionen ausrollen.

 

Das heißt, es ging primär auch darum, solche alten, veralteten Technologien abzulösen. Du hast Modems angesprochen. Was waren noch wichtige Anforderungen zu Beginn?

Marcus

Tatsächlich ist auch wichtig, die Geschwindigkeit der Datenübertragung zu erhöhen, und auch die Verlässlichkeit. Das war ein Punkt. Und wir haben mittlerweile, da wir aktuell drei Automatenlinien unterstützen, das Thema, dass wir dort natürlich gerne eine Vereinheitlichung der Software herbeiführen möchten. Das ist eine Sache, die wir bereits angegangen sind. Wir haben jetzt auch die Möglichkeit, verschiedene Automatenlinien miteinander zu kombinieren am Standort. Ich glaube, die Zahlen haben wir noch gar nicht genannt. Es gibt ja den TOM 60, also Tool-O-Mat 60 – die Zahl steht immer für die Anzahl der möglichen Produkte im Automaten –, den TOM 80 und das Flagship, den TOM 840. Der ermöglicht wirklich 840 verschiedene Produkte im Automaten. Da kann man sich schon vorstellen, dass die unterschiedliche Formfaktoren haben. Die sehen ganz anders aus. Da haben wir den Ansatz verfolgt, ein einheitliches Benutzerinterface zu haben, sowie die Möglichkeit, neben einen TOM 840 einen TOM 80 stellen, wenn wir die Ausgaben erweitern wollen.

 

In den Shownotes werde ich ein Bild verlinken, da kann man sich das anschauen, wie so ein Automat aussieht und wie sich das Ganze anfühlt.

Tobias, ihr habt über 120 Mitarbeiter auch im Team. Habt ihr da gesagt, das ist eine Anforderung, solche Tätigkeiten für euer Team zu vereinfachen?

Tobias

Die 120 Mitarbeiter im Vertrieb, das ist allein die DACH-Region. Wie Marcus schon sagte, wir haben mittlerweile weit über 1000 Geräte weltweit, in 22 Ländern platziert. Das war natürlich auch für uns ein großes Thema, eine große Anforderung zusammen mit Materna, dass wir einen Remotezugriff auf die Automaten brauchen und das immer wichtiger wird. Weil es nicht mehr möglich ist, wenn wir Probleme haben, mal schnell zum Automaten zu fahren, Service-Einsatz zu machen. Das geht vielleicht in München ganz gut. Aber zum Beispiel in Mexiko, wo wir einige Automaten mittlerweile haben, ist es sehr zeitaufwendig, kostenintensiv und vermutlich auch ökologisch nicht so ganz sinnvoll dort hinzufliegen. Und einfach so simple Tätigkeiten: Das klassische Beispiel, Reboot des Gerätes. Falls irgendetwas nicht funktioniert, dass wir das remote von einem unserer TOM-Hubs machen können.

Damit ist der Support – vom technischen Service, aber auch einfach unseren Anwendungstechnikern vor Ort, die immer wieder probiert haben, Probleme zu lösen – massiv reduziert worden. Natürlich geht mal was kaputt, auch am Automaten. Aber es ist extrem selten geworden, dass wir vor Ort etwas reparieren müssen, und von der technischen Seite praktisch gar nicht mehr. Das können wir von Kempten aus machen. Das hat uns enorm viel gebracht.

 

Ich kann mir vorstellen, dass so was auch etwas ist, wo ihr eng mit euren Endkunden arbeitet? Dieses ganze Thema Ressourcenschonendes Handeln und auch Nachhaltiges Produzieren wird immer wichtiger. Gerade über die gesamte Wertschöpfungskette. Da sind ihr ja quasi Vorreiter, in dem Bereich vorausschauende Maßnahmen zur Absicherung dieser Themen zu treffen. Es geht ja am Ende darum, wie du schon sagst, zu gucken, dass keine Ausfallzeiten entstehen. Dass man Dinge schon vorher sieht und es generell auch agiler macht, das Ganze, und datenbasiert, nicht?

Tobias

Absolut. Ich meine, das Versprechen, was uns ganz wichtig ist: Die Verfügbarkeit für den Kunden. Ein Ausfall so eines Gerätes, er kann nicht entnehmen – das ist natürlich der Super-GAU. Was du aber auch sagst, mit dieser zentralen Belieferung zu bestimmten Zeitpunkten – das ist ein nachhaltigerer Ansatz, einmal viel zu liefern und dann zu befüllen, anstatt immer wieder Kleinstmengen zu versenden und so auch weit mehr Aufwand zu kreieren. Auch unsere Verpackungen sind wiederverwertbar. In dem Zusammenhang machen wir hier sehr, sehr viel.

 

Marcus, ich denke, ihr kennt solche Themen auch von anderen Kunden? Nachhaltigkeit ist so einer der größten Punkte, oder?

Marcus

Ja, absolut! Das ist ein Punkt, der immer, immer wichtiger wird, aus verschiedenen Gründen. Das ist natürlich die Eigenmotivation der Firmen, sich da ein bisschen besser aufzustellen. Aber es gibt auch mittlerweile ja gesetzliche Regelungen, die einen dazu anschieben, sage ich mal vorsichtig, mehr in diese Richtung zu denken. Das ist ganz klar ein Treiber für viele Projekte. Manchmal steht die Nachhaltigkeit im Fokus, ist also das eigentliche Projektthema. Manchmal ist es aber auch eine Sache, die als günstiger Nebeneffekt entsteht, weil man dadurch – wie wir es hier zum Beispiel gerade gesehen haben – unnötige Fahrten reduzieren kann und darüber eine bessere Positionierung erreicht.

 

Um die Lösung, die ihr gemeinsam gebaut habt, noch mal zu konkretisieren: Ihr habt quasi diese IoT-fähigen Automaten modernisiert und mit neuer Technologie ausgestattet. Welche Hardware setzt ihr vor Ort genau ein, also wie funktioniert die Datenaufnahme?

Marcus

Wir setzen eigentlich Standardautomaten ein. Sie werden nicht speziell für dieses Projekt gebaut, gleichwohl sie dafür modifiziert werden. Das ist also nicht das, was man direkt von der Stange kaufen kann. Wir arbeiten entsprechend mit den Herstellern der Automaten zusammen, die Anpassungen so vornehmen, dass sie für den Einsatzfall der Ceratizit geeignet sind.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist die einfache Bedienbarkeit. Gerade bei den modernen Automatenlinien, dem TOM 80 und TOM 840, haben wir Touch-Bildschirme montiert, sodass der Anwender wirklich einfach über Fingerbedienung am Touch Display die Werkzeuge auswählen kann. Die Autorisierung, die natürlich auch ganz wichtig ist, erfolgt über den normalen Werksausweis. Das heißt, es gibt NFC-Leser am Automaten. Man braucht keinen speziellen Ceratizit-Ausweis – das ist auch noch mal eine wichtige Geschichte –, sondern man nimmt einfach den Werksausweis, den man sowieso hat, und kann sich damit am Automaten autorisieren.

Zusätzlich gibt es einen Barcode- beziehungsweise QR-Code-Reader für zum Beispiel Auftragsblätter, die man gerade hat, um die aktuellen Aufgaben durchzuführen, und mit einem QR-Code versehen sind, um die entsprechenden Kostenstellen zu realisieren. Dann kann man beigehen und dieses Blatt vor den Automaten halten, und dann wird der QR-Code eingescannt.

 

Die Weiterverarbeitung der Daten – du hattest gerade ein GSM-Modul angesprochen, was auf der Edge läuft, direkt an der Maschine. Wie funktioniert die Konnektivität, die ihr dort gebaut habt?

Marcus

Unser Touch-Bildschirm ist genau genommen eigentlich ein Touch-PC beim TOM 80. Beim TOM 840 haben wir das ein bisschen auseinandergezogen. Aber schlussendlich ist das eigentlich ein PC, der dort installiert ist, und der nutzt dieses GSM-Modul, um darüber die Daten auszutauschen. Das ist eine Geschichte, die wir konstant überall durchgezogen haben.

Vor dem Hintergrund, den Tobias erwähnte – Internationalität –, ist Mobilfunk schon eine Sache, die ein bisschen Komplexität aufweist, weil es da sehr unterschiedliche Anforderungen in verschiedenen Ländern gibt bezüglich Roaming. Das ist zu bedenken. Aber natürlich auch hinsichtlich Gebührenstruktur. Mittlerweile gibt es da aber glücklicherweise Anbieter, die das komplett covern und einheitliche Lösungen anbieten, die man weltweit einsetzen kann.

 

Das heißt, ihr habt quasi auch dem Automatenhersteller gesagt, wir brauchen eine Connectivity, baut mal ein GSM-Modul ein?

Marcus

Das ist tatsächlich eine Sache, die im Rahmen des Projektes gemacht wird. Die Automaten kommen nackt an, sage ich mal, und dann werden das GSM-Modul und der Touch-PC eingebaut.

 

Das betreut ihr dann?

Marcus

Das ist keine Materna-Aufgabe; das macht tatsächlich Ceratizit im Rahmen der Auslieferung der Automaten und der Erstbestückung.

 

Wenn es um die Datenauswertung geht – den Verschleiß abzubilden, die Verfügbarkeit zu erhöhen. Auch Updates vom Produktkatalog durchzuführen. Wie funktioniert die Auswertung der Daten, mit welcher Software und welcher Cloud?

Tobias

Für uns gibt es zwei ganz wesentliche Punkte bei den Entnahmedaten. Punkt eins, wenn der Kunde entnimmt, hat er ein Werkzeug gekauft – wir dürfen eine Rechnung stellen und machen Umsatz. Zum Zweiten aber, die Entnahmedaten sind die Basis für die Disposition im Automaten und unser Versprechen, dass der Kunde seine Werkzeuge vor Ort immer verfügbar hat. Hier ist die Kommunikation mit den Automaten, den 1000 Geräten weltweit – jede Nacht werden die Daten direkt in unser SAP-System transferiert, werden dort automatisiert verarbeitet. Und wenn mal ein Abruf nicht funktioniert hat, aus welchem Grund auch immer, haben wir ein Protokoll. Dann starten Workflows, die in unserem Fehlermanagement bearbeitet werden, und mit denen auch ein manuelles Schalten auf den Automaten gemacht und das Problem gelöst werden kann.

Ganz wichtig ist aber auch, mit dem User Interface, das wir in den neueren Geräten haben, sind wir in der Lage, die Werkzeugdaten und alle Infos, die wir dem Kunden mitgeben wollen, über die Schnittstelle an den Automaten zu senden. Das sind die gleichen Daten wie in unserem Webshop, in unserem Katalog. Zum Vergleich: In der früheren Zeit, zu Beginn hatten wir immer noch die Katalogseiten seitlich am Automaten angebracht, damit der Kunde weiß, welches Werkzeug, welche Abmessung in welchem Fach hinterlegt ist.

Die Rechnungsstellung: Für den Kunden ist das ein Konsignationslagerbestand. Das heißt, der Bestand im Gerät gehört uns, und der Kunde bezahlt erst mit Entnahme. Mit dem TOM will er aber auch – ebenfalls eines unserer Versprechen – eine Transparenz über seinen Werkzeugverbrauch bekommen. Wir sehen oft, wenn wir ein Gerät installieren, geht vielleicht anfangs der Umsatz ein bisschen zurück. Das heißt damit zu tun, dass die diversen Werkzeugläger, die es in so einer Fertigung oft gibt – sei es Schwarz- oder Schreibtischlager – erst mal aufgebraucht werden. Und von uns bekommt er von uns täglich, wöchentlich, monatlich – wie er möchte – seinen Verbrauch. Vielleicht zugeordnet auf Kostenstellen. Vielleicht zugeordnet auf Mitarbeiter. Das liegt einfach ganz bei ihm, wie er es gerne hätte.

 

Marcus, wenn ich mir das vorstelle – ich muss die Daten ja irgendwo aus dem SAP in eine Cloudstruktur laufen lassen. Wie funktioniert die Architektur- beziehungsweise Softwareseite? Was habt ihr entwickelt, um das zu realisieren?

Marcus

Die Lösung besteht insgesamt aus drei Komponenten. Das eine ist das SAP-System. Dann gibt es einen zentralen Serveranteil, der die Kommunikation zwischen den Automaten kontrolliert und auch eine Schnittstelle zum SAP-System hat. Das heißt, wir haben unseren Zwischenposten zwischen den Automaten und dem SAP-System geschaffen, der sich um die technische Kommunikation mit den Automaten kümmert. Wichtig ist da, dass die Automaten natürlich nicht immer zu hundert Prozent erreichbar sind. Es ist also wichtig, dass alle Daten, die an die dort hingeschickt werden sollen, zwischengepuffert werden, um dann – eventuell auch in mehreren Schritten – an die Automaten übertragen zu werden. Das haben wir da eingeführt.

Wir haben natürlich auch Möglichkeiten, sicherzustellen, dass nur registrierte Maschinen tatsächlich Daten abliefern. Also dass nicht irgendwer einfach Verkaufsdaten generiert, sondern dass das nur zugelassene Geräte tun.

Auf der anderen Seite haben wir die Software, die in den Automaten läuft. Das ist das, was wir eben schon kurz angesprochen hatten: Das User Interface, was ich als Anwender sehe. Es gibt dazu noch ein Administrations-Interface. Das bekomme ich als Anwender nicht zu sehen. Und dahinter haben wir noch eine Komponente, die den Automaten komplett steuert. Da gibt es nicht in dem Sinne eine Elektronik im Automaten selber, die darüber entscheidet, was ausgeworfen wird. Das muss man vielleicht auch dazusagen: Wir haben auch nicht so eine Mechanik, dass man irgendwie sagt, ich möchte jetzt aus Fach A 17 irgendwas ausgeworfen haben. Sondern der Kunde geht hin und sagt, ich möchte einen 10 mm-Bohrer haben – und ob dieser Bohrer in einem Fach vorliegt, in zweien oder dreien, weil man entsprechende Mengen braucht, und in welchem Fach, das weiß der Anwender nicht. Er bestellt sich aus dem Automaten einen 10 mm-Bohrer und bekommt ihn dann ausgeworfen.

Ergebnisse, Geschäftsmodelle und Best Practices – So wird der Erfolg gemessen [30:45]

Am Ende geht es auch immer um den Business Case. Wir haben schon gelernt, es geht auch um einen Service. Vielleicht sogar um ein neues Geschäftsmodell, das damit einhergeht. Tobias, wie sieht der Business Case für euch zusammengefasst aus?

Tobias

Ich glaube, wir haben jetzt auch viel über die Benefits für den Kunden gesprochen. – Was machen wir und wie wollen wir uns hier weiterentwickeln? Wir wollen natürlich mit dem TOM Teil in der Prozesskette beim Kunden werden. Beim und mit dem Kunden auch wachsen.

Der TOM ist aber auch ein Basisbaustein für unsere gesamten Tool-Management-Services und auch ein wesentlicher Part unserer Non-Touch-Sales-Strategie. Das heißt, es steht bei uns immer der persönliche Kontakt und die Beratung beim und mit dem Kunden an oberster Stelle. Aber bei allen wiederkehrenden Bestellungen wollen wir ihm den Weg zu unseren Werkzeugen so einfach wie möglich machen. Die Nachhaltigkeitsaspekte – mit der Befüllung, zentral, dass es einfach weniger ist – haben wir schon angesprochen. Die COVID-Zeit hat uns gezeigt, dass die Türen hier oft verschlossen waren. Aber als Teil der Prozesskette – ich nenne es mal External Storage, physisch – waren die Refill-Teams die Ersten, die wieder draußen beim Kunden waren. Und die Türen waren von Füssen bis Rostock bei allen geöffnet. Wir waren so mit dem Kunden präsent und waren mit ihm im Austausch.

Wo wollen wir uns hinentwickeln? Wir sehen zum einen auf der Kundenseite viel Potenzial. Wir waren sehr fokussiert auf den Klein- und Mittelstand, gehen jetzt zum Großkunden. Sehen aber auch, dass wir zum Beispiel das User Interface, wo wir sehr viel Aufwand und Entwicklung hineingesteckt haben, eigentlich »nur« für eine Ausgabe verwenden und hier zukünftig gezielt Informationen dem Kunden bereitstellen wollen, vielleicht auch einen direkten Zugriff auf unseren Webshop zur Verfügung stellen können. Aber auf Kundenseite, vielleicht kann er es auch als Schwarzes Brett für seine Mitarbeiter nutzen – denn das Gerät ist ja präsent in der Fertigung.

Die Anbindung, was Marcus schon angesprochen hat, dass wir sagen, diese Kommunikation … wir wollen die Daten live haben. Dass der Kunde, mit den Beständen im Automaten, über andere Tools seinen Fertigungsprozess besser planen kann. Dann soll es auch ein Teil werden: Als Ceratizit-Gruppe bieten wir dem Kunden auch eine Art Dashboard für seine Fertigungsprozesse an, wo wir ihm eine bisher nicht gekannte Transparenz bieten wollen. Da ist der Tool-O-Mat ein Baustein in Sachen Verfügbarkeit, Werkzeugausgabe. Zum Beispiel in unserem ToolScope können wir die Produktion monitoren. Wir kennen also den Verschleiß, den Verbrauch. Und dann auch das Ziel, vielleicht auch andere Systeme anzubinden und so dem Kunden eine maximale Transparenz zu bieten.

 

Das betrifft dann auch solche Sachen, wie du schon angesprochen hattest, den Werkzeugverbrauch zu monitoren und das beispielsweise auf eine Kostenstelle zu mappen – solche Themen spielen da mit rein, nicht?

Tobias

Richtig. Und auch, wenn das Werkzeug im Einsatz ist, zum Beispiel den Verschleiß zu erkennen. Wann wird die Verbrauchszeit erreicht und ein neues Werkzeug nötig sein?

Übertragbarkeit, Skalierung und Nächste Schritte – So könnt ihr diesen Use Case nutzen [33:48]

Marcus, wir haben verschiedenste Zuhörerinnen und Zuhörer aus unterschiedlichsten Bereichen. Wir haben gelernt, ihr habt verschiedene Use Cases, verschiedene Projekte mit euren Kunden. Wenn wir dieses mal nehmen: Denkst du, das ist auch übertragbar auf andere Use Cases? Siehst du das öfter?

Marcus

Man kann natürlich einerseits direkt am Projekt bleiben. Das heißt, dieses Konzept eines Automaten zur Ausgabe unterschiedlicher Produkte kann man natürlich auch in andere Richtungen weiterspinnen. Da ist zum Beispiel denkbar, dass man persönliche Schutzausrichtung ausgibt und über die Ausgabe gleich auch die Dokumentation erhält. Da gibt es ja Vorschriften, dass die Arbeitgeber nachweisen müssen, dass die Mitarbeiter einen Gehörschutz oder Sicherheitshandschuhe bekommen haben. Das könnte man darüber automatisch dokumentieren.

Auf der anderen Seite kann man natürlich auch beigehen, wie wir eingangs schon sagten: Dieses ganze Thema, ich habe eine Hardware, ein Gerät, und möchte eine digitale Komponente hinzufügen, auf abstrakterer Ebene betrachten. Ob das dann jetzt ein Automat ist, eine industrielle Pumpe, eine Bohrmaschine – schlussendlich sind es immer wieder ähnliche Ansätze, wo ich ein physikalisches Produkt habe, und durch Hinzufügen digitaler Komponenten kann ich völlig neue Geschäftsmodelle und Kundenlösungen realisieren.

Wichtig wäre mir da nur: Auch wenn ich großer Freund der Technik bin … man sollte nicht mit der Technik anfangen bei solchen Thematiken. Sondern man muss immer von der Kundenseite kommen. Immer gucken, wie sind die Anforderungen des Kunden? Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Ansonsten hilft mir die schönste technische Lösung nichts, wenn sie nachher am Markt nicht ankommt und keinen Nutzen bringt.

 

Vollkommen. Ich finde, im Fall von Ceratizit ist das Geschäftsmodell relativ klar, und eine tolle Ausrichtung, nicht nur für jetzt, sondern auch in Richtung Zukunft. Herzlichen Dank an euch beide!

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Ing. Madeleine Mickeleit

Host & Geschäftsführerin
IoT Use Case Podcast