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Connector für Maschinen – Digitaler Service am Beispiel Wasserbehandlung

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IoT Use Case Podcast #115 - Data Coffee, INNOWATECH

In der 115. Folge des IoT Use Case Podcasts dreht sich alles um innovative Wassertechnologien und die Herausforderungen kleiner Unternehmen bei der Digitalisierung. Die Episode bietet einen tiefen Einblick in die Welt der IoT-gestützten Wasserbehandlung und Hygienekonzepte.

Die Gäste der Folge sind Dr. Aline Defranceski, Geschäftsführerin von Data Coffee GmbH, und Matthias Guth, Geschäftsführer von INNOWATECH.

Folge 115 auf einen Blick (und Klick):

  • [13:04] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus
  • [22:41] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien

Zusammenfassung der Podcastfolge

Die Episode beleuchtet, wie Data Coffee GmbH und INNOWATECH zusammenarbeiten, um Digitale Services im Maschinenbau zu realisieren und wie Maschinendaten dem Maschinenbauer selbst zur Verfügung gestellt werden können.

Data Coffee GmbH zeichnet sich durch den Data Coffee Connector aus, eine Software, die die Erfassung von Daten aus Produktionsanlagen und Sensorsystemen vereinfacht und standardisiert. INNOWATECH hingegen ist bekannt für seine Anolyte-Technologie und setzt neue Maßstäbe in der Herstellung von Desinfektionsmitteln ohne Gefahrstoffe.

Im Podcast werden zwei spezifische Use Cases diskutiert:

Digitaler Service im Maschinenbau: Dieser Use Case konzentriert sich auf Wartungsverträge und direkten Kundenservice.

Produktentwicklung: Hier wird die Produktentwicklung thematisiert, insbesondere wie Maschinendaten dem Maschinenbauer zur Verfügung gestellt werden können.

Matthias Guth führt aus, dass INNOWATECH seit über 20 Jahren im Bereich der Wasserbehandlung tätig ist und alles aus einer Hand anbietet – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb und der Wartung ihrer Anlagensysteme. Ihre Kunden reichen von Wasserversorgern und Wasserwerken bis hin zur Lebensmittelindustrie und Brauereien.

Ein zentrales Thema der Folge ist die Digitalisierung. INNOWATECH nutzt digitale Zwillinge im ERP-System für das After-Sales- und Servicegeschäft und bietet Kunden Echtzeitdaten über mobile Endgeräte an, was ihnen Sicherheit in ihren Prozessen gibt und eine optimierte Koordination von Service- und Wartungsaufgaben ermöglicht.

Aline Defranceski betont den Trend zu einfacheren Lösungen und einer höheren Auswertungsdichte im Datenstrom. Sie spricht über die Bedeutung von Automatismen und die Bereitstellung von Servicedaten in Echtzeit, um den Kunden mehr Kontrolle und Verständnis über ihre Anlagen zu geben.

Podcast Interview

Heute spreche ich mit Dr. Aline Defranceski, Geschäftsführerin bei Data Coffee, unserem IoT-Partner, und mit Matthias Guth. Matthias ist Geschäftsführer bei der INNOWATECH. Heute geht es rund um innovative Wassertechnologien.

Hallo Aline, hallo Matthias. Schön, dass ihr heute mit dabei seid. Wie geht es euch gerade so? Was macht ihr Schönes?

Aline

Hallo, Madeleine, ich freue mich sehr. Ich sitze hier im schönen Horb, zwischenzeitig ist es auch sehr neblig und herbstlich und freue mich auf den Jahresendspurt.

Wo sitzt du noch mal genau?

Aline

Horb am Neckar!

Ah, das ist Raum Stuttgart, ein bisschen noch südlicher, ne?

Aline

Genau, also direkt an der A81. Man ist sehr schnell in Stuttgart und auch sehr schnell am Bodensee. Immer einen Abstecher wert.

Freut mich, dass du heute mit dabei bist. Ich war jetzt auch am Wochenende wieder ein bisschen wandern und in den Wäldern unterwegs. Das ist wirklich eine schöne Jahreszeit. Matthias, wie gehts dir so und wo erreiche ich dich gerade?

Matthias

Hallo, ich sitze bei uns in der Zentrale der INNOWATECH in Empfingen. Nach Horb am Neckar haben wir rund sechs oder sieben Kilometer, also sitzen wir relativ nah. Bei uns kann man auch schön wandern gehen. Wir haben eine tolle Landschaft hier. Von dem her lässt es sich gut aushalten und ich freue mich auf den Podcast heute.

Dann muss ich da auf jeden Fall auch in eurer Ecke mal vorbeischauen. Aline, ihr mit Data Coffee kommt aus der Daten-Infrastruktur und -analyse und ihr habt eine Software, die vor allem Datenbereitstellung mit einer entsprechenden Hardware darunter und auch mit einem Edge Device macht. Ihr schreibt die Daten in eine Datenbank und stellt sie sozusagen für unterschiedliche andere Software-Systeme bereit. Dafür habt ihr den Data Coffee Connector, also quasi eine Software, die die Connectivity und auch die Konfiguration übernimmt. Kannst du das noch ein bisschen ausführen? Du bist ja Geschäftsführerin bei der Data Coffee GmbH. Kannst du das noch mal ergänzen und erklären, mit welchen Kunden ihr heute so arbeitet?

Aline

Ja, sehr gerne. Genau unser Anspruch bei der Data Coffee ist es, dass wir die Verfügbarkeit von Daten, insbesondere von Maschinendaten, so einfach und auch so selbstverständlich machen wie die tägliche Kaffeepause. Das heißt, wir entwickeln Software und bieten diese natürlich auch an. Die Software ist wirklich sehr einfach in der Inbetriebnahme und ermöglicht einen sehr hohen Flexibilitätsgrad in der Anwendung, die es auch für ungeübte Nutzer mit wenig IT- und Anwendungs-Know-how ermöglicht, sehr vielfältige, unterschiedliche Protokolle und Steuerungen auszulesen und an die Datensenken ihrer Wahl, sprich Datenbanken, weiterzuleiten. Das ist das, was wir machen. Unsere Software, muss auf irgendeiner Form von Hardware laufen, wobei wir selber keine Hardware anbieten, sondern hier entweder Empfehlungen zu bestehenden Hardware-Edge-Devices geben oder uns völlig auf den Kundenwunsch und auf die Kundeninfrastruktur einlassen.

Jetzt hast du Maschinendaten-Anbindung angesprochen. Sind das dann klassisch Maschinenbauer, mit denen ihr arbeitet? Wer sind heute klassisch eure Kunden?

Aline

Wir unterteilen gerne unseren Kundenkreis in drei Kategorien. Klassisch ist das zum einen der Endanwender, also das produzierende Unternehmen, was selbst über einen Maschinenpark verfügt und unterschiedliche Daten aus diesem auslesen möchte. Dann aber auch Softwareunternehmen, die selbst Mehrwert generieren, indem sie auf Basis von Maschinendaten sehr ausgereifte Analysen fahren, also sprich mit KI und so weiter Prozessoptimierung durchführen und dafür Daten brauchen. Auch das ist ein klassischer Kundenkreis von uns. Der dritte ist dann der Maschinenbauer oder Automatisierer, so wie es auch die INNOWATECH ist, der selbst Maschinen baut. Diese benötigen für ihre Anlagen, für ihr Produktspektrum eine gewisse Form von Konnektivität benötigt, um digitale Services für die eigenen Kunden oder für die internen Prozesse dann umzusetzen.

Du hast jetzt gesagt „digitaler Service“. Ist das so klassisch der Use Case, den ihr dort abbildet? Was für Use Cases setzt ihr mit Kunden um? Kannst du uns einführen, was ihr dort für Use Cases habt?

Aline

Letztlich sind unsere Use Cases so vielfältig wie auch unsere Kunden. Generell machen wir die Verfügbarkeit von Maschinendaten, sprich das Auslesen und das Weiterleiten, Schreiben in ein Drittsystem, Datenbank, in eine andere Software, wo auch immer hin. Welcher Use Case davon abgebildet wird, hängt davon ab, was der Kunde damit machen möchte. Klassischerweise Prozessparameter, Anlagen oder Zustände visualisieren, bei Fehlersuchen Daten bereitstellen für Analysezwecke. Was wir des Öfteren auch schon gemacht haben, ist so ein klassisches Energie-Monitoring: Daten aus unterschiedlichen Verbrauchern aufzunehmen, Energie-Monitoring abzubilden, vielleicht auch dann entsprechend Spitzen im Energieverbrauch eingrenzen und optimieren. Da ist der Fantasie letztlich keine Grenzen gesetzt und unserer Software auch nicht. Hier machen wir das möglich, was unser Kunde realisieren möchte.

Ihr als Data Coffee seid im Bereich Data Connect, Data Acquisition oder Datenanbindung unterwegs. Das heißt, eure Lösung dreht sich quasi rund um den Use Case der Data Acquisition und eure Kunden, sind zum Beispiel Endkunden, aber auch produzierende Betriebe oder eben Maschinen- und Anlagenbauer, Hersteller, die sozusagen einen digitalen Service anbieten. Matthias, vielleicht mal zur Vorstellung zu euch und so ein bisschen zu erzählen, was macht eure Firma überhaupt? Ihr bietet mit INNOWATECH Hygiene und Behandlungskonzepte für Trink-, Kühl- und Prozess-Wässer an und setzt neue Maßstäbe in der Herstellung von Desinfektionsmittel ohne Gefahrstoffe. Kannst du aus eurer Sicht erklären und ausführen und ein bisschen über eure Kunden sprechen? Wer ist das so, an den ihr heute eure Produkte verkauft?

Matthias

Jawohl, sehr gerne. Wir bei der INNOWATECH sind seit über 20 Jahren in den Themen Wasser, Wasserbehandlung, Hygiene in unterschiedlichen Branchen unterwegs. INNOWATECH produziert die Anlagen selbst. Produktname bei uns ist die sogenannte Aquadron-Anlage. Die Besonderheit unserer Anlage ist eine sogenannte Membranzellenelektrolyse. Sehr langes und auch kompliziertes Wort, aber das ist letztendlich das Herzstück der Maschine und hieraus erzeugen wir einen Desinfektionswirkstoff, der sogenannte INNOWATECH Anolyte. Mit diesem Wirkstoff können wir unterschiedliche Anwendungen umsetzen. Wir gehen alle davon aus, wenn wir morgens beim Zähneputzen das Waschbecken aufdrehen, dann ist das Wasser immer von bester Qualität, bester Hygiene und aus unserer Brille betrachtet auch ohne irgendwelche Keime oder krankmachenden Bakterien. Diese Themen mit dem Anolyte, mit dem Wirkstoff selbst, können wir Wässer aller Art behandeln. Das Schlagwort Trinkwasser ist sicherlich omnipräsent. Wir in Deutschland haben uns jetzt auch eine Wasserstrategie gegeben. Es ist nicht mehr unbedingt selbstverständlich zu jeder Zeit an jedem Ort so oft bereitetes Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Wir machen uns dann heute oftmals gar keine Gedanken darüber und setzen das als selbstverständlich voraus. Von dem her ist Trinkwasser und die Trinkwasserbehandlung ein großes Thema. Kunden an der Stelle sind zum Beispiel Wasserwerke, die Wasserversorger, die die Gemeinden und Städte mit dem Trinkwasser versorgen. Im Bereich der Prozesswässer oder Kühlwässer sind es Industriebetriebe, die für ihre Anlagen und Technik, für ihre Produktionen, Kühlmöglichkeiten benötigen, um ihre Prozesse am Laufen zu halten. Wir haben aber auch Anwendungen für das Tier, z.B. bei der Milchviehhaltung. Eine Milchkuh trinkt am Tag so 100 bis 120 Liter Wasser. Auch hier ist relevant, mit welcher Güte und vor allem mit welcher Keimbelastung das Wasser beim Tier ankommt.

Wir haben aber auch die Möglichkeit, Oberflächen zu desinfizieren, gerade bei der Lebensmittelerzeugung, Lebensmittelproduktion und bei Molkereibetrieben. Überall, wo Wasser fließt haben wir Sauerstoff und eine geeignete Temperatur, dort entsteht im Regelfall Leben. Wenn ich das Beispiel der Getränke- oder der Brauereiindustrie nehme: man braucht die Hefe, um das Produkt überhaupt erzeugen zu können. Wenn das Bier gebraut ist und dann in die Flasche abgefüllt wird, möchte man natürlich ein einwandfreies Produkt in der Flasche haben und möglichst keine Keime oder krankmachenden Bakterien da drin haben. Demnach sind wir in sehr vielen Kundengruppen unterwegs, die auch immer aus der Kundenbrille von der Betrachtung her ihre eigenen Bedarfe haben. Wir kommen dann mit unserer Aquadron-Anlage, mit dem Wirkstoff Anolyte und bewerten, welche Behandlungskonzentration der Kunde vor Ort braucht. Entsprechend wählen wir die Größe der Anlage, die Dosiertechnik und die Tankgröße für die Bevorratung aus. Gegebenenfalls integrieren wir auch Messtechnik, wie unser selbstentwickeltes Multi-Mess-Center, um dem Kunden im Bereich der Wasserbehandlung und Hygiene eine optimale Lösung bieten zu können. Dies umfasst die Installation und Wartung der Anlage, sodass der Kunde hinsichtlich der Wasserversorgung seinen operativen Alltag weitestgehend sorgenfrei gestalten kann.

Ich finde das Thema, mit dem ihr euch beschäftigt, äußerst spannend. Mir ist bewusst, dass viele unserer Hörerinnen und Hörer nicht nur in der Wasserversorgung tätig sind, sondern auch aus der Lebensmittelindustrie, insbesondere aus den Bereichen Chemie und Pharma, kommen. Unternehmen wie BASF, die in diesen Branchen tätig sind, setzen ganz unterschiedliche Use Cases um und denken intensiv über die Digitalisierung ihrer Anlagen nach. Auch Brauereien, wie du erwähnt hast, gehören zu euren Kunden, was ich wirklich cool finde.

[13:04] Herausforderungen, Potenziale und Status quo – So sieht der Use Case in der Praxis aus

Das Thema IoT und Digitalisierung fasziniert mich besonders. Ich könnte mir vorstellen, dass ihr nicht nur an internen Prozessen arbeitet, sondern, wie Aline bereits erwähnte, auch digitale Services als Use Case anbietet. Könntest du uns etwas mehr über eure Vision in Bezug auf Digitalisierung und IoT erzählen? Was sind eure Ziele und Ansätze in diesem Bereich?

Matthias

Wir haben zwei Blickrichtungen. Zum einen wollen wir die digitale Welt und die Daten für uns nutzbar machen. Dazu haben wir alle bei Kunden installierten Anlagen mit allen Komponenten im ERP-System abgebildet, was einen digitalen Zwilling jeder Anlage bietet. Zum anderen übernehmen wir die Services für den Kunden. Wir kennen den Anlagentyp, die Dosiertechnik und die Lagerbevorratung. Somit haben wir ein klares Bild davon, was uns beim Kunden vor Ort erwartet. Wenn unsere Servicetechniker ausrücken, wissen sie genau, auf welche Situation sie treffen werden, wer der Ansprechpartner ist und um welche Art der Behandlung es geht, sei es Trinkwasser- oder Kühlwasserbehandlung. Wir sind also bestens informiert und nicht unvorbereitet, wenn wir zu einem Einsatz fahren.

Denkt ihr in die Richtung, frühzeitig Probleme an den Anlagen zu erkennen? Den After-Sales-Service mit Live-Daten zu erweitern, um mögliche Probleme vorherzusehen? Ist das bereits umsetzbar oder noch zu früh?

Matthias

Das ist die zweite Blickrichtung, die externe. Wie bekommen wir unsere Maschinendaten für den Kunden noch besser aufbereitet? Wie es immer so in der Technik ist, wir sind im Regelfall im Bereich der Gebäudetechnik unterwegs. Darum stehen wir oft in Kellerräumen. Wir stehen im Dunkeln. Wir sind nicht immer präsent. Das heißt, man läuft nicht tagtäglich an unserer Anlagentechnik vorbei. Unser Ziel ist es, unseren Kunden durch die Verfügbarkeit und Visualisierung des Anlagenstatus bestmögliche Informationen bereitzustellen. Am Ende des Tages sollte der Kunde einfach erkennen können, ob alles in der Wirkstoff- und Desinfektionswirkstofferzeugung sowie bei seiner Wasseranwendung in Ordnung ist.

Was sind da so typische Fragestellungen, die eure Kunden auch telefonisch klären, die ihr schon auch sehen könntet? Was haben die so für Fragen?

Matthias

Wenn wir eine Störmeldung bekommen, haben wir über die SPS der Anlage die Störmeldung bzw. den Störgrund auf dem Display. In der ersten Klärung fragen wir telefonisch ab, welche Störmeldung, welcher Fehlercode und was für ein Bild wird angezeigt? Dann versuchen wir praktisch aus der Ferne eine erste Diagnose zu erstellen. Hier denken wir natürlich an das Thema Aufschaltung, Fernwartung, Ferndiagnose. Oftmals ist es so, dass eine Verfügbarkeit, ein Netzwerk, ein WLAN-Netz oder ähnlich in diesen Kellergeschossen nicht zur Verfügung steht. Inhaltlich haben wir alle Daten zur Verfügung, auch heute schon aus der SPS. Nur die Frage ist, wie bekommen wir sie dargestellt? Der Kunde will nur im Falle, dass ein Parameter aus dem Ruder läuft, über eine Störmeldung informiert werden. Ansonsten hat er eigentlich den grünen Button und für ihn ist es soweit in Ordnung.

Nochmal eine Frage in Richtung des Business Cases. Ihr habt auf der einen Seite Zeitersparnis durch bestimmte Prozesse, die digitaler ablaufen. Ihr habt ein ERP-System, die ganzen Daten verfügbar. Der nächste Schritt ist jetzt das After Sales dann auch noch digitaler zu machen. Was ist denn jetzt der Business Case vor allem für eure Kunden?

Matthias

Wir wollen den Kunden in die Situation versetzen, diese Informationen über ein Mobile Device verfügbar zu haben. Oftmals ist einfach noch die Ist-Situation, dass die Infrastruktur beim Kunden noch nicht soweit ausgebaut ist, dass man sich über ein Mobile Device beauskunftend kann, wie der aktuelle Produktions- oder Anlagenstatus der Aquadron-Anlage oder des Multi-Mess-Centers ist. Wir wollen jetzt versuchen, diese Visualisierung aufzubereiten und dann letztendlich dem Kunden auch anzubieten. Brauche er das? Erzeugen wir hier den Mehrwert? Oftmals steht beim Kunde eine Gebäudeleittechnik zur Verfügung, aber die Anbindung ist vielleicht noch nicht ideal ausgeprägt. Unser erstes Hauptziel ist es, unsere Präsenz zu erhöhen, sodass der Kunde in Bezug auf Wasser und Wasserbehandlung die Sicherheit hat, dass alles in Ordnung ist. Als zweites streben wir möglicherweise an, ein umfassendes Paket anzubieten, bei dem wir für die gesamte Wasserbehandlung garantieren. Zum Beispiel könnten wir sicherstellen, dass ein Kubikmeter Wasser hygienisch einwandfrei ist. Dies sind jedoch Konzepte, die noch in der Zukunft liegen könnten. Aktuell konzentrieren wir uns darauf, sicherzustellen, dass unsere Anlagentechnik und Prozesse die erforderliche Sicherheit bieten. Wir möchten auch flexibel auf sich ändernde Kundenbedürfnisse in der Produktionsplanung reagieren können, beispielsweise auf Wetterveränderungen. Unser Ziel ist es, den Wirkstoffbedarf des Kunden noch genauer zu ermitteln und den Wirkstoff zum richtigen Zeitpunkt bedarfsgerecht bereitzustellen.

Viele Energieversorger und auch Kunden haben in den letzten Monaten eigene IoT-Einheiten gegründet und das Thema Digitalisierung macht sich mehr und mehr breit. Ich denke, ihr kommt genau zur richtigen Zeit, denn wie du sagst, liegt noch viel Zukunft vor uns. Ihr seid ein Vorreiter in diesem Bereich, und es ist wichtig, dass ihr jetzt mit diesen Themen vorangeht. Ich hätte noch eine Frage bezüglich eures speziellen Engagements im kritischen Umfeld. Du hast erwähnt, dass eure Kunden nicht nur Wasserwerke und Industriebetriebe umfassen, sondern auch verschiedene andere Akteure in kritischen Bereichen. Könntest du näher darauf eingehen? Ich bin neugierig auf die Herausforderungen, denen ihr euch in Bezug auf die Nachweisführung gegenüberseht. Ihr habt sicherlich verschiedene Stakeholder, darunter wahrscheinlich auch staatliche Akteure. Könnt ihr uns mehr darüber erzählen, welche Stakeholder beteiligt sind und welche spezifischen Herausforderungen sich daraus ergeben?

Matthias

Wenn man eine Wasserbehandlung umsetzt, dann muss man nachvollziehen können, zu welchem Zeitpunkt welche Menge an Anolyte, wie das Produkt heißt, an freiem Chlor, dem Wasser zugesetzt wurde. Es gibt Sollwerte, die einzuhalten sind. Wir müssen letztendlich die Visualisierung sicherstellen. Wir überwachen beispielsweise weitere Parameter wie den pH-Wert oder die Leitfähigkeit. Ein gutes Beispiel für die Herausforderungen unserer Kunden ist die Trinkwasserversorgung, die in der Trinkwasserverordnung geregelt ist. Diese Verordnung legt fest, was zu welchem Zeitpunkt und in welcher Menge oder Konzentration umgesetzt werden muss. Eine große Herausforderung besteht in der Einhaltung aller Dokumentationspflichten. Oft hören wir von der Bürokratie und der Idee des Bürokratieabbaus. Für Wasserversorger hat sich die Herausforderung mit der Einführung der neuen Trinkwasserverordnung diesen Sommer eher noch verstärkt. Wetterbedingungen wie vermehrter Starkregen oder Trockenperioden stellen zusätzliche Herausforderungen dar. Wir möchten als Partner an der Seite der Wasserversorger stehen und diesen Prozess absichern. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Trinkwasserbehandlung gemäß der Trinkwasserverordnung konform verläuft und dass wir dies auch entsprechend dokumentieren.

[22:41] Lösungen, Angebote und Services – Ein Blick auf die eingesetzten Technologien

Aline, da mal die Überleitung zu dir, was sind denn dann so Anforderungen an die technische IT-Infrastruktur? Was sind die Herausforderungen, vor denen die Betriebe dort stehen?

Aline

Ich gerade das Spannende ist, wie der Matthias ja vorhin schon gesagt hat, dass sein Kundenspektrum und auch die Voraussetzungen bei dem jeweiligen Kunden so unglaublich unterschiedlich sind. Manche haben interne Leitsysteme, haben IT-Expertise im Haus, die wissen auch genau, welche Daten in welcher Form sie in ihr System anbinden wollen. Andere stehen ganz am Anfang und müssen trotzdem eine gewisse Form von Dokumentation umsetzen und anbieten. Unsere Erfahrung bei Data Coffee zeigt, dass dies ein häufiges Szenario für viele Maschinenbauer ist: Sie entwickeln ein Produkt, das später in sehr unterschiedlichen und oft unbekannten Umgebungen eingesetzt wird. Für das Maschinenbauunternehmen wird die Digitalisierung wirtschaftlich erst dann sinnvoll, wenn es schnell und unkompliziert auf die vielfältigen Anforderungen der Endkunden reagieren kann.

Matthias, du hast es gerade schon angesprochen, das sind zum Beispiel pH-Werte des Wassers oder auch verschiedene Daten, die da relevant sind, die ihr heute aus der SPS bekommt. An eurer Maschine hängt heute eine SPS und ihr könnt dann zusammen mit Data Coffee auswählen, welche Daten ihr euch dort aus dem Feld zieht? Der eine Kunde sagt, ich brauche pH-Wert vom Wasser, bei einem anderen Kunden braucht ihr vielleicht andere Daten. Funktioniert das heute so oder welche Daten sind hier relevant für diese Use Cases?

Matthias

Über die SPS der Anlage generieren wir Datentabellen mit verschiedenen Parametern, wie freiem Chlor, pH-Wert, Leitfähigkeit und Temperatur. Die spezifischen Überwachungswünsche unserer Kunden sind sehr unterschiedlich. Nicht jeder möchte alles wissen. Am Ende des Tages sind es genau diese Werte, die fortlaufend aktualisiert und dokumentiert werden müssen. Sie bilden die maßgeschneiderte Lösung für den Kunden, sodass er beispielsweise in einer App sehen kann, dass er heute 187 Einheiten Anolyte dosiert hat und damit bei einem Durchschnittsdosierwert von 190 im grünen Bereich liegt. Wir ermöglichen es dem Betreiber der Wasserversorgungsanlage, stets über seine Kennzahlen informiert zu sein und bei Bedarf schnell und sicher Auskunft über die Wasserqualität geben zu können. Das ist unsere Idee dahinter.

Jetzt habt ihr euch für Data Coffee entschieden. Ihr arbeitet gemeinsam an dem Projekt, diese Daten zu erheben und dann auszuwerten. Was waren denn hier technologische Anforderungen? Was muss so eine Lösung mitbringen, damit das am Ende erfolgreich wird? Welche technologischen Anforderungen waren euch von eurer Seite wichtig?

Matthias

Wichtig war eine relativ einfache und kostengünstige Anbindung, sei es über ein LAN- oder WLAN-Netzwerk. Wir brauchen einfach die Datenkonnektivität. Da der Mehrwert unseres Services noch nicht vollständig greifbar ist, darf dieser nicht zu teuer sein. Wir müssen den Mehrwert zunächst erlebbar machen und visuell darstellen, damit der Kunde den Nutzen erkennt und nicht mehr darauf verzichten möchte. Aktuell benötigen wir eine Lösung, die mit einem überschaubaren Aufwand, etwa vier Stunden, implementiert werden kann. Es ist nicht praktikabel, Tage oder gar Wochen dafür aufzuwenden, wie es beispielsweise bei einem ERP-Einführungsprojekt der Fall wäre. Wir streben eine pragmatische, flexible Lösung an, die es uns ermöglicht, mit vertretbarem Aufwand einen klaren Überblick über die Wassersituation zu haben.

Es ist faszinierend zu sehen, wie ihr die spezifischen Anforderungen eurer Kunden berücksichtigt. Indem ihr versteht, wo deren Schmerzen liegen, könnt ihr den Wert eurer Lösungen in Bezug auf Zeit- und Kosteneinsparungen besser einschätzen. Es ist beeindruckend, dass ihr euch intensiv mit den Business Cases und den speziellen Anforderungen eurer Kunden auseinandersetzt. Mich interessiert nun, wie eure aktuelle Lösung, Aquadron, konkret aussieht. Könntet ihr in zwei oder drei Sätzen beschreiben, was diese Lösung leistet und welche Vorteile sie bietet?

Matthias

Unser Ansatz zielt auf Transparenz ab, indem wir Daten bereitstellen, die der Kunde für seine Bedürfnisse nutzen kann. Er kann entscheiden, wie er diese Daten visualisieren möchte und ob er beispielsweise per SMS benachrichtigt werden will. Wir haben alle relevanten Daten verfügbar und ermöglichen es dem Kunden, durch Analyse zu erkennen, wann seine Produktion reduziert oder eingestellt wird, etwa am Wochenende. Wir sind derzeit dabei, diese Funktionen zu implementieren und sammeln aktiv Feedback von unseren Kunden. Unser Ziel ist es, Daten anzubieten, die der Kunde bisher nicht hatte oder die wir noch nicht aufbereitet hatten. Wir stehen im ständigen Dialog, um herauszufinden, welche zusätzlichen Informationen oder spezifischen Werte der Kunde benötigt. Dank der Schnittstelle, die Data Coffee uns zur Verfügung gestellt hat, können wir leicht weitere Daten ergänzen.

Aline, ich möchte nun die Frage an dich weitergeben. Was habt ihr konkret für Matthias und sein Team entwickelt? Welche Funktionen beinhaltet eure Lösung? Matthias erwähnte bereits Live-Dashboards. Kannst du uns mehr darüber erzählen, was ihr umgesetzt habt?

Aline

Unsere Lösung umfasst die Bereitstellung eines Edge-Devices oder IPCs, das wir an die Anlage anbinden. Auf diesem Gerät installieren wir unsere Software, die dann mit der Steuerung der Anlage verbunden wird. Dies ermöglicht uns, erstmals Daten zu erfassen und historische Daten in einer Datenbank zu speichern. Wie Matthias bereits erwähnte, ist es wichtig, nicht nur Daten zu sammeln, sondern auch nützliche Informationen daraus zu gewinnen. Eine Herausforderung dabei ist, dass diese Maschinen oft in Kellerräumen stehen, wo kein direkter Internetzugang verfügbar ist. Daher müssen wir genau überlegen, wie die Interaktion des Nutzers mit diesen Daten aussehen kann, insbesondere wenn eine direkte Übertragung in die Cloud nicht möglich ist. Zu diesem Zweck haben wir auch eine mobile App entwickelt, sei es als Web-App oder als installiertes System auf einem Endgerät. Diese App ermöglicht den direkten Austausch mit den historischen Daten und den daraus generierten Informationen, wobei die Kommunikation auch per Push-Nachricht erfolgen kann.

Alles, was sich im Keller befindet, scheint prädestiniert für Narrowband IoT zu sein. Diese Technologie wird oft für Mobilfunkverbindungen in solchen Umgebungen genutzt, wo eine Kabelverbindung nicht möglich ist. In eurem Fall könntet ihr auch über die Steuerung oder euer Edge-Device, das die Daten weiterleitet, eine Verbindung herstellen. Da unsere Zeit begrenzt ist, möchte ich noch etwas zur Datenverarbeitung und -analyse erfahren. Matthias, du hast bereits den konkreten Business Case eures Kunden erwähnt, wie etwa die Erfassung der produzierten oder dosierten Litermenge oder die Darstellung von Störmeldungen. Aline, könntest du uns erläutern, wie ihr mit den Daten aus der SPS umgeht, nachdem ihr sie gesammelt habt? Matthias sprach von Datentabellen. Wie verarbeitet ihr diese Daten, um den Business Case letztendlich auszuwerten?

Aline

Das Interessante dabei ist, dass wir die Daten nicht nur in eine Datenbank schreiben und sie dort auswerten, was nicht unbedingt der einfachste Weg ist. Bei Data Coffee verwenden wir spezielle Algorithmen, die bereits im Datenstrom, also beim Auslesen der Daten aus der Steuerung, Analysen durchführen. Ein Beispiel wäre die Erkennung, ob ein Schwellenwert überschritten wurde. Oder ein weiteres interessantes Thema für den Service: Wie oft hat ein Ventil geschaltet? Daraus dann ableiten, ob es bald ausgetauscht werden muss. Anstatt alle Signalwechsel (Flanken) an die Datenbank weiterzuleiten, zählen wir diese bereits im Datenstrom und übermitteln nur diese Anzahl. Das reduziert die Menge der zu speichernden Daten und verwandelt Daten in nützliche Informationen. Unser Ziel ist es, Informationen zu nutzen, nicht bloße Daten.

Okay, also führt ihr gleichzeitig mit der Datenerfassung auch die Auswertung durch. Vielen Dank für die Präsentation dieses Projekts. Ich denke, es wurde sehr deutlich, was die Herausforderungen und der Business-Case sind. Viele Zuhörer aus diesem Bereich werden sich sicherlich mit ähnlichen Themen befassen. Als abschließende Frage für heute interessiert mich besonders die Zukunftsperspektive. Matthias, du hast bereits angedeutet, dass sich derzeit vieles entwickelt und sich auch weiterentwickeln wird. Du hast auch erwähnt, dass ihr mit verschiedenen Kunden in Gesprächen seid, die ihre eigenen Wege gehen. Könnt ihr uns einen Einblick geben, was sich in diesem kritischen Umfeld und Bereich abzeichnet, welche Entwicklungen und Trends für die Zukunft zu erwarten sind?

Matthias

Am Ende des Tages geht es um die Bereitstellung von qualitativ einwandfreiem Wasser. Hierbei liegt die Herausforderung in der Komplexität unseres Produktbereichs. Unsere Kunden stehen zunehmend vor schwierigeren Herausforderungen, und wir erwägen, ihnen in Nebenbereichen durch unseren Service zu helfen, vielleicht sogar durch eine verstärkte Präsenz. Wir haben ein anderes Monitoring-System im Blick, ähnlich dem in der Heizungstechnik, wo bereits Wärmemengenzähler zur genauen Abrechnung des Energieverbrauchs eingesetzt werden. Im Bereich der Wasserversorgung zahlt man zwar für den verbrauchten Kubikmeter Wasser, aber es wird oft vorausgesetzt, dass das Wasser die erforderlichen Standards erfüllt, ohne dass es kontinuierlich überwacht wird. Unser Ziel ist es, zusätzlich zum Volumen auch Sicherheit zu bieten, dass das Wasser – sei es Kühl-, Trink- oder Prozesswasser – jederzeit in bestem Zustand ist. Wir möchten auch detaillierte Dateninformationen bereitstellen, die normalerweise nur in Regelwerken stehen, aber selten in der Praxis umgesetzt werden. So haben wir beispielsweise die Information, dass das Trinkwasser am 18. Oktober um 11:45 Uhr in einwandfreiem Zustand war, ohne auf bloße Annahmen angewiesen zu sein.

Übrigens, ich möchte noch zwei Empfehlungen aussprechen. In einer meiner vorherigen Podcast-Folgen, genauer gesagt in Folge 90, habe ich Techem interviewt. Dort spricht der Head of IT darüber, wie Techem als Heizungsbetreiber arbeitet. Da du gerade Heizungstechnik ansprichst, könnte das interessant für dich sein. Außerdem in Folge 109 dreht sich alles um das Thema Smart Water mit einem Maschinenbauer, der Drehkolbengebläse herstellt. Die Firma Aerzen Digital Systems ist zu Gast und spricht mit einem Kunden über dieses Thema. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr gerne reinhören.

Matthias, ich würde dich gerne in unser Netzwerk einladen. Wir haben einen Anwenderkreis, in dem auch Energieversorger vertreten sind. Es würde mich sehr freuen, wenn wir dich und dein Projekt dort vorstellen könnten. Ich denke, es gibt im Energiebereich viele spannende Entwicklungen.

Abschließend möchte ich sagen, vielen Dank für die interessante Vorstellung. Das ist wirklich ein faszinierendes Thema, und ich hätte noch tausend weitere Fragen. Aber wie das immer so ist, ich wollte hier nur einen kleinen Einblick geben. Wenn ihr Interesse habt, stehen Aline und Matthias sicherlich für weitere Fragen zur Verfügung. Ich werde ihre LinkedIn-Profile in den Shownotes verlinken, und dort könnt ihr auch mehr über das Projekt erfahren. Aline, Matthias, vielen Dank, dass ihr bei uns wart, und ich überlasse euch das letzte Wort für heute.

Matthias

Ich möchte mich herzlich bei dir und natürlich auch bei Aline bedanken, dass ihr uns, INNOWATECH, auf diese Podcast-Reise mitgenommen habt. Es hat Spaß gemacht, sowohl die Vorbereitung als auch der heutige Austausch. Vielen Dank von meiner Seite.

Aline

Ich danke euch beiden, insbesondere Matthias, dafür, dass wir mit INNOWATECH einen so offenen Sparringspartner haben. Dies betrifft das Thema, das viele Maschinenbauer angeht, und hilft uns, bessere und einfachere Verbindungen für die Zukunft digitaler Produkte zu schaffen. So können wir in Zukunft schneller und besser aufgestellt sein, was die Anbindung und Nutzung von Daten angeht.

Vielen Dank an euch beide. Vielleicht hören wir uns in einem Jahr wieder und machen ein kurzes Update zum Projekt. Das würde mich sehr freuen. Nochmals herzlichen Dank und ich wünsche euch eine angenehme Restwoche. Macht’s gut. Ciao!

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

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Ing. Madeleine Mickeleit

Host & Geschäftsführerin
IoT Use Case Podcast